So viel können Kunden sparen

Mehrwertsteuer streichen bei Preisexplosion? Studie ist ernüchternd

Beim Einkauf im Supermarkt wird es ungemütlich. Steigende Preise und Warenknappheit machen nur wenig Spaß. Eine Idee soll helfen.

Dortmund – Verbraucher und Verbraucherinnen haben es aktuell beim Einkauf im Supermarkt wahrlich nicht leicht. Nach leeren Regalen zu Beginn der Corona-Krise folgt nun die Preisexplosion diverser Lebensmittel aufgrund des Krieges in der Ukraine. Inzwischen gibt es von mehreren Seiten einen Vorschlag, um zumindest bestimmte Lebensmittel wieder günstiger zu machen.

Preis-Explosion im Supermarkt: Honig, Mehl, Butter und Käse werden teurer

Die Liste der Produkte ist lang, die infolge der Ukraine-Krise teurer geworden sind:

Trauriger Fakt: Die Liste ließe sich noch weiter fortführen. Denn steigende Kosten für Energie und somit für auch für Produktion und Lieferung schlagen sich fast auf alle Lebensbereiche nieder. Laut Statistischem Bundesamt erhöhten sich die Preise für Lebensmittel im März 2022 gegenüber dem Vorjahresmonat um 6,1 Prozent.

Verbraucher und Verbraucherinnen müssen demnach vor allem für mehr Speisefette und Speiseöle hinblättern. So kosten Sonnenblumenöl, Rapsöl oder ähnliches bis zu 30 Prozent mehr. Frisches Gemüse kostet inzwischen 14,8 Prozent mehr. Und hier setzen die Ideen an, dem entgegenzuwirken.

Keine Mehrwertsteuer auf Lebensmittel im Supermarkt? Experten sehen das als schnelle Lösung

Politik und Wirtschaftsexperten sprechen sich inzwischen dafür aus, die Mehrwertsteuer auf bestimmte Produkte zu streichen. Im Gegensatz zur Mehrwertsteuersenkung im Corona-Sommer 2020 sollen dann für beispielsweise Obst und Gemüse gar keine Mehrwertsteuern im Supermarkt oder Discounter mehr gezahlt werden.

Dafür spricht sich unter anderem Bundesagrarminister Cem Özdemir (Die Grünen) aus: „Wenn wir Obst und Gemüse billiger machen, entlasten wir die Verbraucherinnen und Verbraucher nicht nur vergleichsweise kostengünstig, sondern fördern dazu auch noch eine gesunde Ernährung durch die gewonnene Lenkungswirkung“, erklärte er der Deutschen Presse-Agentur (DPA).

Linke-Fraktionschef Dietmar Bartsch sprach sich ebenfalls dafür aus. „Die temporäre Aussetzung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel ist eine Maßnahme, die schnell wirken würde, so etwas braucht es jetzt“, sagte er dem Tagesspiegel. „Schnelle und unbürokratische Hilfe“ verspricht sich auch Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Mehrwertsteuer streichen? Bund und Länder verdienen an der Inflation mit

Während sich Sozial- und Verbraucherverbände ebenfalls für die Streichung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel aussprechen, gibt es aber auch Gegenstimmen, die laut werden. „Auch der reduzierte Mehrwertsteuersatz während der Pandemie hat sich in den Geldbeuteln kaum bemerkbar gemacht“, kritisiert FDP-Fraktionschef Christian Dürr gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung. Er setze demnach auf die bereits beschlossenen Entlastungspakete.

Dennoch gehen einigen die beschlossenen Entlastungspakete nicht weit genug. Immerhin: An den gestiegenen Preise verdienen Bund und Länder ordentlich mit. Denn je mehr ein Produkt kostet, desto mehr Einnahmen aus den Mehrwertsteuern werden generiert. Allein in den ersten drei Monaten des Jahres haben Bund und Länder 18,8 Milliarden Euro mehr (+34,3 Prozent) eingenommen als im Vorjahreszeitraum. Das geht aus Berechnungen der Linke-Fraktion im Bundestag hervor, die dem Hamburger Abendblatt vorliegt.

Lebensmittel werden aktuell immer teurer. Eine Idee soll helfen.

Preise im Supermarkt: So wenig können Kunden sparen, wenn die Mehrwertsteuer teilweise gestrichen wird

Doch wie viel eine Streichung der Mehrwertsteuer wirklich dazu beitragen kann, gerade Geringverdiener, Rentner und Grundsicherungsempfänger zu unterstützen, ist unklar. Immerhin beträgt die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel wie Fleisch, Fisch, Obst, Gemüse, Mehl, Backwaren oder Öle nur sieben statt 19 Prozent. Somit weniger als der Preisanstieg bei frischem Gemüse (14,8 Prozent).

Würde die Mehrwertsteuer allein für pflanzliche Lebensmittel gestrichen – so wie es aktuell die Umweltschutzorganisation Greenpeace fordert – und würden weiterhin Steuern für Milch und Fleisch gezahlt werden, betrüge die Einsparung für Verbraucher und Verbraucherinnen lediglich 29,80 Euro im Jahr. Das geht aus einer Studie des Öko-Instituts im Auftrag von Greenpeace hervor.

Rubriklistenbild: © Manfred Segerer/Imago; YAY Images/Imago; Collage: Sabrina Wagner/RUHR24