Millionen Mitglieder betroffen

Fitnessstudios reagieren auf Gaskrise und führen neue Öffnungszeiten ein

Kalte Räume, verringerte Angebote und sogar Schließungen: Deutschlands größte Fitnessketten reagieren mit verschiedenen Sparmaßnahmen auf die Energie- und Gaspreiskrise.

Dortmund – Wer im Winter das Fitnessstudio besuchen möchte, muss sich auf einige Änderungen gefasst machen. Die Betreiber der größten Ketten Deutschlands spüren die Auswirkungen der Gaspreiskrise und haben Probleme, ihre Trainingsräume zu heizen. Auch ausgiebiges Duschen der Kundinnen und Kunden nach dem Training sowie das Heizen der Saunen schlagen sich im Budget von McFit und Co. wieder.

Fitnessstudios mit den meisten Mitglieder in Deutschland
Platz 1McFit
Platz 2FitX
Platz 3Clever Fit

Der Branchenprimus McFit zählte 2021 rund 1,3 Millionen Mitglieder, die ab November genau auf die Öffnungszeiten schauen sollten. In ganz Deutschland schließt der Marktführer vereinzelt Studios in der Nacht. Mitglieder sollen darüber informiert werden, sofern sie betroffen sind (mehr Service-News auf RUHR24).

Wie Unternehmenssprecher Pierre Geisensetter dem Westfälischen Anzeiger (WAZ) mitteilte, sei von den nächtlichen Schließungen aber nur ein geringer Teil betroffen. Die besonders stark frequentierten Studios blieben demnach auch weiterhin rund um die Uhr geöffnet.

Die Fitnessbranche ist durch die Corona-Krise wie auch viele andere Unternehmen noch arg gebeutelt. Nach Angaben des Arbeitgeberverbandes deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (DSSV) mussten rund 94 Prozent aller Betriebe der Branche im Jahr 2021 staatliche Hilfen in Anspruch nehmen.

Fitnessstudios in der Energiekrise – FitX hat Maßnahmen angekündigt

Während kleinere Ketten ihre Betriebe schon vereinzelt schließen mussten, versuchen sich Deutschlands bekannteste Fitnessstudios durch verschiedene Sparmaßnahmen zu entlasten. FitX, nach Marktführer McFit die Nummer zwei, hat gegenüber RUHR24 bestätigt, dass bereits seit September alle der rund 100 Studios auf nur noch 19 Grad geheizt werden.

„Im Rahmen der Energiesparverordnung schalten wir aktuell außerdem unsere beleuchtete Außenwerbung und die nicht wegesichernde Außenbeleuchtung von 22 bis 16 Uhr am Folgetag ab“, sagt Pressesprecherin Johanna Pistor. Anders als beim größten Konkurrenten seien jedoch in keinem der Studios Änderungen der Öffnungszeiten geplant.

Es gibt aber auch gute Nachrichten für Mitglieder: Trotz der steigenden Kosten soll es nach aktuellem Stand keine Preiserhöhung bei FitX geben. Allen voran Mitglieder kleinerer Unternehmen sollten sich aber darüber informieren, ob dies auch für ihre Clubs gilt.

Die Gaskrise macht sich in der Fitnessbranche bemerkbar.

Fitnessbranche durch Corona-Krise arg gebeutelt – Gaskrise belastet zusätzlich

Doch nicht nur die inhabergeführten Einzelbetriebe haben zu kämpfen, auch große Ketten wie Clever Fit spüren die Auswirkungen der Krise: „Ich werde wohl noch ein bis drei Jahre brauchen, um auf das Niveau vor Corona zu kommen“, sagt Vardan Arakelyan, Geschäftsführer und Inhaber des Clever Fit in Stadtallendorf gegenüber der Oberhessischen Presse.

Viele der Fitnessketten haben die Schließungen im Lockdown nur dank staatlicher Hilfen überstanden. Diese fallen jetzt weg, die Kosten sind durch die Gaskrise aber weitaus höher geworden. Auch der Mitgliederschwund macht sich bemerkbar: Verzeichnete die Branche 2019 noch einen Rekordwert mit 11,66 Millionen Fitnessgängern, waren zwei Jahre später rund 2,4 Millionen weniger Deutsche Mitglied eines Fitnessstudios. Das geht aus den Zahlen des DSSV hervor.

Fitnessstudios reagieren auf Gaskrise – kurze Duschen und keine Saunagänge

Der Branchenverband DSSV ist mit den Betreibern in engem Austausch. Wie die WAZ erfuhr, sammle man vor allem Vorschläge zum Energiesparen, die keine bis wenig Einschränkungen für die Sporttreibenden mit sich führen. Dazu gehöre laut Sprecher Alexander Wulf auch, Duschintervalle zu verkürzen, um Mitglieder nicht dazu einzuladen, die zu Hause gesparten Kosten im Fitnessstudio zu verduschen.

Fitness First, ebenfalls unter den zehn größten Ketten in Deutschland zu finden, schaltet im Zuge der Gaskrise einige seiner Saunen ab. Auch dies soll angepasst an das Nutzerverhalten passieren. Drastische Maßnahmen wie ganztägige Schließungen können sich die Fitnessketten nach zwei Jahren Corona-Einschränkungen dagegen kaum noch erlauben.

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