Gültig seit 1. Juli

Seit Juli 2021: Neue Regeln beim Glücksspiel – Lotto-Spieler müssen wichtige Daten angeben

Ein neues Gesetz soll Glücksspieler besser vor Spielsucht und Verschuldung schützen. Auch auf Lotto-Spieler kommen deshalb einige Neuerungen zu.

Dortmund – Am 1. Juli ist in Deutschland neben vielen anderen Änderungen auch der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) in Kraft getreten – eine geänderte Gesetzesauflage, die das Verhältnis zwischen Staat und Wettanbietern neu reguliert. Was kompliziert und trocken klingt, hat am Ende jedoch auch Folgen für Lotto- und andere Glücksspieler. RUHR24 hat die wichtigsten Änderungen zusammengefasst.

GlücksspielstaatsvertragDeutsches Gesetz, das bundeseinheitliche Rahmenbedingungen für die Veranstaltung von Glücksspielen schafft
Erstmals in Kraft getreten1. Juli 2012
Änderungen2018, 2020, 2021

Lotto: Neuer Glücksspielstaatsvertrag seit 1. Juli – was bedeutet das?

Der neue Vertrag sieht vor allem Änderungen für Online-Glücksspiele und Sportwetten vor. Aber auch Spieler von Lotto 6aus49 sind von den Neuerungen betroffen. Sie sollen besser geschützt werden – unter anderem vor Spielsucht oder dem Verlust großer Geldmengen. So müssen Anbieter, auch die deutschen Lottogesellschaften, Spieler regelmäßig über Gewinne und Verluste informieren.

Konkret erwarten Lottospieler ab sofort folgende Regeln:

  • Haben Lottospieler einen Online-Account, werden ihnen ab sofort nach jedem Login alle Einsätze, Gewinne und Verluste der vergangenen 30 Tage angezeigt. Diese müssen erst bestätigt werden, bevor man ein neues Glücksspiel starten kann.
  • Auf dem Spielkonto kann nun nicht mehr nur ein Einsatz- und Einzahlungslimit, sondern auch ein Verlustlimit eingerichtet werden. Die Regelung soll dem Spieler eine bessere Kontrolle über seinen finanziellen Einsatz bieten. Allerdings kann festgelegt werden, ob das jeweilige Limit täglich, wöchentlich oder monatlich zählen soll – ebenso kann es alle sieben Tage neu angepasst werden. Die Grenze für das Einsatzlimit liegt dabei allerdings ab sofort bei 1000 Euro pro Monat.
  • Der neue Glücksspielstaatsvertrag sieht vor, weitere Daten von Lottospielern im Internet zu erheben. Ab sofort sind die Angaben von Geburtsname, Geburtsort und Staatsangehörigkeit verpflichtend. Lotto-Kunden mit bereits bestehendem Online-Konto müssen die entsprechenden Daten nachtragen.
Insbesondere Lottospieler, die ihren Tipp im Internet abgeben, sind von den Änderungen des neuen Glücksspielstaatsvertrags betroffen.

Änderungen bei Lotto: Lottospieler müssen regelmäßig ihre Daten bestätigen

Ab sofort wird außerdem laut der Lottogesellschaft in Niedersachsen zwischen sogenannten „Jackpot-Lotterien“ und „Lotterien mit täglicher oder sofortiger Teilnahmemöglichkeit“ unterschieden. Unter Jackpot-Lotterien werden die klassischen Ziehungen der Lottozahlen am Mittwoch und Samstag erfasst. Dabei geht es um Spiele, die maximal zweimal die Woche stattfinden. Auch der Eurojackpot am Freitag zählt dazu.

Kunden, die an den Jackpot-Lotterien teilnehmen, müssen lediglich einmal im Jahr ihre bei Lotto hinterlegten Daten überprüfen und bestätigten. Spieler, die bei den anderen Lotterien ihr Glück versuchen, müssen seit dem 1. Juli 2021 einmal im Jahr eine Identifikation durchführen. Das betrifft unter anderem die Lotterie Keno, plus 5 oder Online-Rubbellose.

Neues Gesetz: Lottospieler sollen stärker vor Verschuldung und Spielsucht geschützt werden

Diese Lotterien regen laut der deutschen Lottogesellschaft die Spieler stärker zum Spielen an. Der neue Glücksspielstaatsvertrag 2021 hat es daher nun zur Pflicht gemacht, dass Teilnehmer solcher Glücksspiele einen stärken Schutz vor Spielsucht benötigen. Durch die Identifikation soll das gewährleistet werden.

Außerdem erhofft man sich, dass Spieler, die aufgrund von Überschuldung oder Spielsucht gesperrt sind, besser ausfindig zu machen sind. Durch die Identifikation sind sie weniger anonym als es bisher bei Online-Glücksspielen der Fall war.

Eine neu eingeführte bundesweite Sperrdatei, die es bislang nur für Spielbanken und Spielhallen gab, soll zudem verhindern, dass gefährdete Personen sich auf anderen Plattformen registrieren können. Hier werden jedoch nicht nur Lottospieler, sondern alle Teilnehmer von digitalen Glücksspielen erfasst.

Glücksspielstaatsvertrag 2021: Online-Glücksspiel ab sofort legal

Im Großen und Ganzen werden viele Lottospieler die Änderungen durch den neuen Glücksspielstaatsvertrag 2021 kaum bemerken. Auch Teilnehmer, die den Lottoschein noch ganz klassisch in Papierform ausfüllen, sind davon nicht betroffen. Anders sieht es für Spieler aus, die im Internet gerne pokern oder Sportwetten nachgehen.

Doch die Anpassung des Vertrags ist kurios. Einerseits soll er Spieler verstärkt vor Spielsucht schützen, andererseits wurden die Regeln für zahlreiche digitale Glücksspiele gelockert. So waren bislang – mit Ausnahme von Schleswig-Holstein – Online-Casinos in Deutschland nicht erlaubt.

Das neue Gesetz soll nun klare Regeln vorgeben, illegale Geschäfte und Kriminalität eindämmen sowie Spieler besser schützen. Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 soll Online-Casinos zu einem sicheren Ort machen, heißt es in der offiziellen Erklärung zum Inkrafttreten des neuen Gesetzes am 1. Juli.

Nicht nur Lotto: Ab sofort sind viele Online-Glücksspiele möglich – aber mit Einschränkungen

Doch der neue Glücksspielstaatsvertrag sieht nun eine Online-Casino-Lizenz vor. Dadurch kann das Angebot an Online-Glücksspielen deutlich ausgebaut werden, wenn die Anbieter die entsprechende Lizenz erwerben. Bekannte Unternehmen wie Lotto, Tipico oder bwin haben die Lizenzen schon frühzeitig erhalten.

Dafür müssen sie unter anderem für technische Sicherheit sorgen und dürfen nur ein minimiertes Spielrepertoire anbieten. Beliebte Spiele wie Poker, Roulette und Blackjack dürfen online allerdings nicht mehr gespielt werden. Auch Live-Casino-Glücksspiele sind seit dem 1. Juli untersagt sowie Ereigniswetten stark eingeschränkt. Das betrifft vor allem Sportwetten.

Panik-Button, Einsatzlimit und Sperrdatei: Neues Gesetz soll nicht nur Lottospieler schützen

Weiterhin müssen Online-Casinos ab sofort einen sogenannten Panik-Button anbieten. Spieler, die bemerken, dass sie die Kontrolle über ihr Spielverhalten verlieren, können sich selbst durch die Betätigung des Buttons für 24 Stunden sperren. Trotz strenger Kontrollmechanismen befürchten Verbraucherschützer, dass das ab sofort legale Angebot an digitalen Glücksspielen eine neue Generation an Spielsüchtigen hervorbringen kann.

Glücksspielforscher Tobias Hayer kritisiert den neuen Glücksspielstaatsvertrag 2021.

Auch der Glücksspielforscher Tobias Hayer von der Universität Bremen befürchtet eine Zunahme an Spielsüchtigen: „Die weitreichende Marktöffnung ist jedoch auch mit einer deutlichen Zunahme der Spielanreize und damit letztlich der Suchtgefahren verbunden“, schreibt er in seiner Stellungnahme zu dem neuen Gesetz.

Auch in Sachen Datenschutz gibt es Kritik. So soll durch das neue Gesetz das Spielverhalten der Spieler besser überwacht und durch die regelmäßige Datenabfrage kontrolliert werden können. Experten prüfen allerdings derzeit noch, ob der Datenschutz in Deutschland hier möglicherweise missachtet wird – so zum Beispiel durch die bundesweite Sperrdatei.

Rubriklistenbild: © Oliver Dietze/dpa