Steigende Infektionen im Herbst

Corona-Lockdown: Politiker mit ungewöhnlicher Forderung

Die Regierung will einen erneuten Lockdown vermeiden. Einige fordern daher die sofortige Auszahlung von Weihnachtsgeld. Ob das sinnvoll ist?

NRW - Das Coronavirus ist mit voller Kraft zurück. Nachdem das Infektionsgeschehen im späten Frühjahr und im Sommer deutlich abgenommen hatte, spitzt es sich nun immer weiter zu.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet am Samstag (17. Oktober, 11.20 Uhr) knapp 8000 neue Infektionen in ganz Deutschland. Die Zahlen erinnern stark an März und April, als die Bundesregierung als einzigen Weg aus der Pandemie den „Lockdown“ beschloss.

BonusWeihnachtsgeld
DefinitionZusätzliches Entgelt vom Arbeitgeber an Arbeitnehmer
Durchschnittliche Höhe des Weihnachtsgeldes2.632 Euro brutto

Angst vor zweitem Lockdown wächst: Infektionszahlen in Deutschland steigen weiterhin massiv

Dazu gehörte nicht nur das Eindämmen sozialer Kontakte, sondern auch die Schließung jeglicher Geschäfte des Einzelhandels. Auch Bars und Restaurants mussten ihre Pforten vorübergehend schließen.

Und auch wenn es in den vergangenen Monaten immer wieder hieß, zu einem erneuten Lockdown würde es nicht kommen, steigt die Angst vor einem Herunterfahren des Wirtschaftssektors von Tag zu Tag. Grund dafür sind die zunehmenden Infektionszahlen. (alle Updates zum Coronavirus im RUHR24-Live-Ticker)

Zweiter Lockdown: Politiker fordern sofortige Auszahlung von Weihnachtsgeld im Oktober

Ob es wirklich zu einem zweiten Lockdown kommt, bleibt abzuwarten. Ginge es nach mehreren deutschen Politikern, sollten aber bereits jetzt entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden. Eine von ihnen wäre die sofortige Auszahlung des Weihnachtsgeldes.

Wie der rheinland-pfälzische CDU-Fraktionschef Christian Baldauf der Bild mitteilte, appelliere er „aktuell an Firmen, den Bonus schon mit dem Oktobergehalt zu überweisen“. Dadurch würde der Einzelhandel gestärkt und die Weihnachtskäufe entzerrt werden.

Frühere Weihnachtsgeld-Zahlungen könnten den Einzelhandel stärken und die Weihnachtseinkäufe entzerren.

Durch das zusätzliche Geld hätten Menschen die Möglichkeit, ihre Geschenke schon jetzt besorgen zu können und der Einzelhandel müsse sich „vor einem hoffentlich vermeidbaren zweiten Lockdown vor Weihnachten nicht ganz so stark fürchten“.

Auszahlung von Weihnachtsgeld würde den Einzelhandel stärken und die Einkaufszonen im Dezember entlasten

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Florian Post hat eine ganz ähnliche Meinung wie Baldauf. Auch er vertritt die Meinung, das vorgezogene Weihnachtsgeld würde dem stationären Einzelhandel in Deutschland finanziell zugutekommen. Außerdem würde das verfrühte Weihnachtsshopping die Einkaufsstraßen Ende November und im Dezember deutlich entlasten.

FDP-Fraktionsvize Michael Theurer sagte der Bild noch: „Bevor das Ganze bei anonymen Online-Riesen landet, wäre es großartig wenn die Unternehmen, die trotz Corona noch Weihnachtsgeld zahlen können, dessen Auszahlung vorziehen.“

Corona-Krise in Deutschland: 37 Prozent der Unternehmen im August noch in Kurzarbeit

Ob es wirklich zu einer verfrühten Auszahlung der Weihnachtsboni kommt, bleibt abzuwarten. Fraglich ist nämlich, ob die Firmen in Deutschland in diesem Jahr überhaupt etwas zahlen können. Immerhin waren selbst Ende August noch rund 37 Prozent der Unternehmen in Kurzarbeit. Darunter vor allem Reisebüros, Hotels, Gastronomen und Verlage.

Zu Beginn des Lockdowns, Anfang April, stieg die Anzahl der Arbeiter in Kurzarbeit beinahe jeden Tag. Bis zum 6. April 2020 haben rund 650.000 Betriebe bei den Agenturen für Arbeit Kurzarbeit angemeldet, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) damals mitteilte. Viele der Unternehmen - insbesondere im Tourismus- und Veranstaltungssektor - haben den Sprung aus der Misere bislang nicht schaffen können. Grund dafür sind die weiterhin hohen Infektionszahlen und die Corona-Beschränkungen der Bundesregierung.

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