Supermärkte und Discounter

Lidl ändert Lebensmittel wegen „Fehlernährung mit zum Teil tödlichen Folgen“

Lidl setzt in der Lebensmittelbranche neue Maßstäbe. Die Verpackungen ungesunder Lebensmittel sollen künftig völlig anders aussehen.

Dortmund – Lidl geht im Marketing neue Wege und will einen Beitrag zu Förderung gesunder Ernährung leisten. Als erster deutscher Lebensmitteleinzelhändler stellt der Discounter die Produktwerbung für ungesunde Lebensmittel für Kinder ein. Doch das Unternehmen lässt sich drei Ausnahmen offen.

Lidl ändert Verpackungen von Eigenmarken – gesunde Ernährung als übergreifendes Ziel

Ab dem 1. März hat sich der Discounter Lidl dazu verpflichtet, der Strategie zur Förderung gesunder Ernährung Taten folgen zu lassen. Lidl will Eigenmarkenprodukte mit hohem Zucker-, Fett- oder Salzgehalt nicht mehr an Kinder bewerben. Ungesunde Lebensmittel für Kinder erhalten somit schrittweise eine veränderte Verpackung.

Konkret bedeutet die Änderung, dass die Verpackungen nicht mehr in Kinderoptik gestaltet werden sollen. Produkte mit Comicfiguren oder Spielzeugbeigaben für Kinder sind damit tabu. Das Unternehmen richtet sich damit nach den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Nur wenn Produkte den WHO-Kriterien für gesunde Lebensmittel erfüllen, dürfen die Verpackungen attraktiv für Kinder gestaltet werden. Damit legt sich Lidl indirekt auch eine Verpflichtung auf, Lebensmittel an die Inhaltsvorgaben der WHO anzupassen, wie es der Discounter Aldi nun angekündigt hat.

Lidl ändert Lebensmittel-Werbung – wegen „grassierender Fehlernährung mit zum Teil tödlichen Folgen“

Allerdings gibt es auch drei Ausnahmen für die Marketingregeln für Kinderprodukte. Aktionsartikel zu den im Handel umsatzstarken Anlässen wie Weihnachten, Ostern und Halloween dürfen weiterhin für Kinder angeworben werden, berichtet die Lebensmittelzeitung.

Lidl will Vorreiter in Sachen gesunde Ernährung werden (Symbolfoto).

Neben einer veränderten Verpackungswerbung soll auch das pflanzliche Sortiment und Vollkorn-Produkte gefördert werden. Lidl sieht vor allem in der veganen Eigenmarke „Vemondo“ ein großes Potenzial, einen Beitrag für „bewusste Ernährung, einen nachhaltigeren Konsum und gesünderen Lebensstil“ zu leisten.

Auf Lidls Marketing-Vorstoß reagieren Verbraucherschützer grundsätzlich positiv. Die Organisation Foodwatch hält das Vorgehen für längst überfällig. Denn aufgrund „grassierender Fehlernährung bei jungen Menschen mit zum Teil tödlichen Folgen“ sollten sich mehr Einzelhändler zu den wissenschaftlichen Empfehlungen der WHO verpflichten.

Lidl ändert Lebensmittel-Verpackungen – Discounter geht über gesetzliche Regelungen hinaus

Bislang gilt für die Supermärkte und Discounter nur eine freiwillige Selbstverpflichtung für Lebensmittelwerbung. Danach sollen keine Inhaltsstoffe in Lebensmitteln beworben werden, die nicht als Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung gelten. Die Altersgrenze für die Werberegulierung liegt aktuell 14 Jahren.

Lidl hat sich mit seinem Maßnahmenpaket hingegen für eine Altersgrenze von 16 Jahren entschieden, „um auch die Zielgruppe der Jugendlichen miteinzubeziehen“, teilt das Unternehmen gegenüber der Lebensmittelzeitung mit. Die Einführung veränderter Produktverpackungen von Eigenmarken soll bis Ende 2025 geschehen.

Verbraucherschützer fordern schon seit Längerem ein grundlegendes Werbeverbot für Süßigkeiten. Der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft sowie der Deutsche Süßwarenverband lehnen diese Forderung strikt ab. Vielmehr befürworten sie eine verbesserte Medien- und Ernährungsbildung im Kindes- und Jugendalter.

Rubriklistenbild: © Manuel Geisser/Imago

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