Ab November

Lidl zieht Reißleine: Weltmarken-Produkt fliegt jetzt aus dem Sortiment

In den Regalen des Discounters Lidl sucht man ein bekanntes Produkt ab November vergeblich. Ein Vertrag mit dem weltgrößten Nahrungsmittelkonzern Nestlé läuft aus.

Dortmund – Nestlé ist nicht nur das größte Industrieunternehmen der Schweiz, sondern auch der größte Nahrungsmittelkonzern der Welt. Den größten Anteil am weltweiten Umsatz machen Getränke aus. Doch die Herstellung jener ist nicht unumstritten. Bei einem Produkt zieht Nestlé jetzt offenbar selbst die Notbremse. Zu spüren bekommen das die Kunden des Discounters Lidl.

Discounter-KonzernLidl
Gründung1973
SitzNeckarsulm, Deutschland

Lidl wirft Mineralwasser Vittel aus den Regalen – Vertrag mit Nestlé läuft Ende Oktober 2021 aus

Konkret geht es um die Mineralwassermarke Vittel. Lidl galt in Deutschland als wichtigster Vertriebspartner für das Mineralwasser von Nestlé. Doch damit ist jetzt Schluss. Wie das Manager Magazin unter Berufung auf eine Nestlé-Sprecherin berichtet, laufe der Vertrag nach gemeinsamer Abstimmung Ende Oktober 2021 aus. Ab November verschwindet Vittel also aus den Lidl-Regalen (mehr News zu Supermärkten und Discountern bei RUHR24).

Die Hintergründe der Entscheidung sind zunächst unklar. Die Nestlé-Sprecherin wollte sich dazu gegenüber dem Manager Magazin nicht äußern, von Lidl gibt es noch keine Stellungnahme. Ein Verdacht für das Vittel-Aus bei Lidl liegt jedoch nahe, berichtet auch bw24.de*. Denn für das Mineralwasser steht der Nahrungsmittelkonzern schon länger Kritik.

Vittel fliegt aus dem Lidl-Sortiment – Mineralwasser aus Frankreich steht schon lange in der Kritik

Vittel wird aus verschiedenen Brunnen in der gleichnamigen französischen Gemeinde gefördert. Nestlé hat die sogenannte „Grande Source“ – die „Große Quelle“ – Ende der Sechzigerjahre übernommen. Doch Umweltschützern und Anwohnern ist das Treiben des Konzerns in Vittel ein Dorn im Auge. Sie werfen dem Konzern vor, das Quellwasser zu übernutzen, wie das französische Portal Mediapart berichtet.

Die Folge: Der Grundwasserspiegel sinkt seit Jahren stetig. Nestlé weiß um die Problematik und leugnet diese keineswegs. „Für unsere Marke Vittel Bonne Source entnehmen wir Wasser aus der gleichnamigen Quelle, wo nicht genug Wasser nachfließt“, schreibt der Konzern auf seiner eigenen Website.

Nestlé verweist darauf, dass man inzwischen freiwillig weniger Wasser entnehme, als behördlich erlaubt sei. Am Sinken des Grundwasserspiegels ändert das jedoch nichts. Dass der Vertriebsvertrag des Vittel-Mineralwassers mit Lidl nun ausläuft, könnte darauf hindeuten, dass der Nahrungsmittelkonzern die Tage der Marke inzwischen selbst als gezählt betrachtet.

Vittel-Aus bei Lidl in Deutschland nur ein Vorbote? Nestlé hadert offenbar mit dem Wasser-Geschäft

Auch das Manager Magazin vermutet, dass sich Vittel auf dem Rückzug befindet. Ob sich Nestlé ganz vom Wasser verabschiedet? Laut dem Magazin habe der Konzern zuletzt Teile seines Wassergeschäfts abgestoßen. Besonders in der Corona-Zeit hätten die Mineralwasser-Umsätze gelitten. Das Vittel-Aus bei Lidl in Deutschland ab November 2021 würde also ins Bild passen.

2019 erhielt Nestlé für Vittel den „Goldenen Geier“. Jetzt fliegt das Mineralwasser bei Lidl aus dem Sortiment.

Umweltschützer dürften sich darüber jedenfalls freuen. Denn Vittel stand nicht nur wegen der umstrittenen Gewinnung des Quellwassers in der Kritik. 2019 vergab die Deutsche Umwelthilfe erstmals einen Negativpreis – den „Goldenen Geier“. Nestlé gewann für die unsinnigste Plastik-Einwegverpackung des Jahres. *bw24.de ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Matthias Balk/dpa

Mehr zum Thema