Discounter könnte anderes Ziel haben

Lidl scannt Gesichter von Kunden: Diese Werbe-Aktion ist bedenklich

Mit einem Gesichtsscan und dem Einsatz einer angeblichen Künstlichen Intelligenz erschafft Lidl neue Obst- und Gemüsesorten.
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Mit einem Gesichtsscan und dem Einsatz einer angeblichen Künstlichen Intelligenz erschafft Lidl neue Obst- und Gemüsesorten.

Mit einer Werbe-Aktion will Lidl den perfekten Vitamin-Mix für Kunden ermitteln. Doch der „Omüse“-Scanner erntet auch Kritik – Lidl könnte ganz andere Ziele verfolgen.

Neckarsulm – Lidl denkt sich immer wieder etwas Neues aus, um Kunden anzulocken und zu begeistern. In der neusten Lidl-Aktion verspricht der Discounter, den idealen Vitamin-Mix für Kunden via künstlicher Intelligenz zu ermitteln.

DiscounterLidl
HauptsitzNeckarsulm
Gründung1973

Lidl will Kunden mit Aktion Obst und Gemüse näher bringen – dabei wird das Gesicht gescannt

Vitamine sind wichtig und wenn wir mal ehrlich sind, essen wir doch alle zu wenig von dem bunten Gemüse und dem saftigen Obst, um uns ausreichend gesund zu ernähren. Mit einer neuen Werbe-Aktion will Lidl seine Kunden auf den Frische-Trip bringen.

Der „Omüse“-Scanner (eine Mischung aus Obst und Gemüse) soll das Gesicht der Kunden mit einer angeblichen künstlichen Intelligenz scannen, um dann den idealen „Powermix“ aus Obst und Gemüse zu ermitteln. Dabei kommen kunstvolle Mixturen wie Zitrottabi (eine Mischung aus Zitrone, Karotte und Kohlrabi) oder Oraspiwi (eine Mischung aus Orange, Spinat und Kiwi) heraus.

Zusätzlich gibt es nach dem Gesichtsscan eine Erläuterung, was genau diese „Omüse“-Mischung für einen tun kann. So soll die Oraspiwi besonders für alle Lernwilligen geeignet sein. Denn Vitamin B12 „hält dich munter, Vitamin A lässt dich die Buchstaben besser erkennen und Folsäure hilft dir dabei, dich besser zu konzentrieren und das Gelernte im Kopf zu behalten“.

Lidl-Aktion benötigt Kunden-Daten und Zugriff auf die Kamera

Zwar dürfte es sich bei dieser Aktion nur um einen Werbe-Gag handeln und es kommt nicht wirklich eine künstliche Intelligenz zum Einsatz, denn wenn man den Scan wiederholt, werden dem Kunden immer wieder andere „Omüse“-Sorten vorgeschlagen. Dennoch müssen Nutzer vor der lustigen Lidl-Aktion zunächst zwei Häkchen setzen. Dabei stimmen sie der Verarbeitung ihrer Daten zu und geben an, die Datenschutzhinweise gelesen zu haben, zusätzlich erlauben sie Lidl den Zugriff auf die Smartphonekamera.

Erst wenn die Häkchen gesetzt sind, kann der Spaß losgehen und die vermeintliche künstliche Intelligenz „wird gefüttert, das Obst digitalisiert, Wimpern werden gezählt, Vitamine kombiniert und schlussendlich der Omüse-Mixer angeworfen“ – wie es beim Gesichtsscan von Lidl zu lesen ist (alle News zu Lidl bei RUHR24.de).

Lidl will Gesichter scannen – es gibt auch Kritik an der vorgeblich witzigen Aktion

Auf Instagram und Facebook wirbt der Discounter aktuell mit dem „Omüse“-Scanner. Und immer wenn Lidl neue Aktionen oder Werbespots veröffentlicht, gibt es auch kritische Stimmen der Kunden.

Besonders auf Instagram und Facebook wirbt Lidl aktuell für den „Omüse“-Scanner.
  • Eine Nutzerin schreibt ironisch: „Klar, ich lass mein Gesicht bei Lidl scannen. Das ist dann etwas zu viel des Guten“
  • Eine Nutzerin fragt kritisch bei Facebook: „Hat das schon jemand ausprobiert? Oder sammelt Lidl da nur wieder Daten von uns?“

Nicht nur Kunden von Lidl zeigen sich von der Werbe-Aktion teilweise irritiert, berichtet auch Heidelberg24.de*. Wie Watson berichtet und sich dabei auf die Lebensmittel Zeitung bezieht, könnte Lidl mit dieser Aktion einen ganz anderen Plan verfolgen. Demnach könnte der Discounter so prüfen, wie viele Nutzer bereit sind, die Seite zu besuchen, den Datenschutzhinweisen zuzustimmen und die Verarbeitung der Daten durch Lidl zu akzeptieren.

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Lidl könnte mit der Aktion noch andere Ziele verfolgen

Gerade im Hinblick auf die erst vor kurzem veröffentliche Lidl-Plus-App, könnte der Discounter mit der einfachen Werbe-Aktion herausfinden, wie viele Menschen zu diesem Vorgehen bereit sind. Auch in der App werden Kundendaten gegen einen Mehrwert getauscht.

So könnte besonders junges Publikum analysiert werden, wie Werbe-Aktionen bei der digitalen Generation ankommen und wie viele Daten sie bereit sind zu teilen. Wahrscheinlich soll die Werbe-Aktion in erster Linie ein Scherz sein, dennoch könnte das Verhalten der Nutzer Aufschluss darüber geben, wie sinnvoll ein digitaler Ausbau für Lidl sein könnte. *Heidelberg24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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