Verbraucherschutz gibt Tipps

Lidl und Rewe: „Regional“-Label ist oft gelogen – so können Kunden die Masche durchschauen

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Kunden können die Lüge bei Lidl und Rewe durchschauen.

Regionale Lebensmittel sind ebenso im Trend wie Bio-Produkte. Doch nicht immer wo „regional“ draufsteht, ist auch Regionales drin. Worauf Kunden achten sollten.

Berlin/Dortmund – Beim Gang durch Lidl, Penny oder Rewe könnte man meinen, die Welt sei in Ordnung. Viele tierische Lebensmittel kommen scheinbar aus artgerechter Haltung, vegetarische sowie vegane Alternativen sind auch nicht fern und immer mehr Bio-Label sind auf den Verpackungen zu finden. Und nicht nur das: Jede Menge Lebensmittel scheinen direkt aus der Region zu kommen. Doch das stimmt leider nicht immer.

FernsehsendungSuper.Markt
ModerationJanna Falkenstein
Themenaktuelle Ratgeber- und Wirtschaftsthemen
Senderrbb

Lidl, Rewe oder Penny stellen ihre eigenen Regeln auf – „regional“ kann vieles sein

Sogenannte regionale Produkte können schnell den Anschein erwecken, zumindest aus demselben Bundesland zu kommen. Da greifen Kunden und Kundinnen gerne zu, immerhin unterstützt man so die heimische Landwirtschaft und kurze Transportwege schonen die Umwelt.

Doch sollten Verbraucher und Verbraucherinnen sich nicht von Ausdrücken wie „regional“ oder „aus der Heimat“ blenden lassen. Denn diese Hinweise auf den Lebensmitteln sind rechtlich nicht geschützt. Händler wie Lidl, Rewe oder Penny können somit ihre eigenen Regeln aufstellen, nach denen ein Produkt als regional gilt (alle News zu Lidl bei RUHR24).

Rewe, Lidl und Penny werben mit „regionalen“ Produkten – die 500 Kilometer entfernt produziert wurden

Annett Reinke von der Verbraucherzentrale Brandenburg erklärt gegenüber dem Magazin Super.Markt: „Jeder Hersteller, jeder Händler kann sagen: Meine Kriterien sind die und die und deswegen bewerbe ich ein Produkt als ‚regional‘. Da guckt niemand hin und kontrolliert, ob diese Standards auch eingehalten werden.“

Das Verbrauchermagazin des rbb hat im Rahmen von Stichproben in Supermärkten und Discountern in Berlin Lebensmittel gekauft, die mit einem regionalen Bezug werben. Das Ergebnis:

  • Äpfel der Eigenmarke „Rewe Regional“ kommen aus Wittendörp, Mecklenburg-Vorpommern. Entfernung zum Berliner Supermarkt: 200 Kilometer.
  • Cherry-Strauchtomaten von Lidl kommen aus Dinkelsbühl, Bayern. Entfernung zum Berliner Discounter: 500 Kilometer.
  • Eisbergsalat von Penny kommt aus Büttelborn, Hessen. Entfernung zum Markt in Berlin: 550 Kilometer.

Regionale Lebensmittel haben teilweise einen Weg in die Filialen von Lidl oder Rewe

„Wir raten Verbrauchern dazu, genau hinzuschauen, um welche Art von Regional-Werbung geht es denn hier“, rät die Verbraucherschützerin Reinke gegenüber dem Verbrauchermagazin. Viele Produkte hätten das sogenannte Regionalfenster aufgedruckt. Das ist eine freiwillige Angabe der Hersteller darüber, wo das Lebensmittel erzeugt und abgepackt wurde.

Doch Kunden und Kundinnen sollte genau lesen und sich nicht nur von dem Regionalfenster allein blenden lassen. „Es bedeutet nicht, dass die Produkte direkt von hier sind. Sondern es wird bundesweit vermarktet und die Produkte können aus dem Süden, aus dem Norden, aus dem Westen, aus dem Osten, überall her sein“, erklärt Reinke und weist darauf hin, dass die Lebensmittel somit zum Teil weit gereist sind.

Kunden sollten genau hinsehen und der Werbung von Rewe oder Lidl nicht immer Vertrauen schenken

Wer sich das Label allerdings genau anschaut, erkennt schnell, woher das Produkt aus Deutschland kommt. Teilweise wird sogar angegeben, wie hoch der Anteil regionaler Rohstoffe im Endprodukt ist. Am Ende können Kunden und Kundinnen selbst darüber entscheiden, was für sie regional bedeutet und, ob sie ein Produkt kaufen möchten.

Weiter rät Annett Reinke dazu, sich die Werbung der Discounter und Supermärkte genau anzusehen. Sind die Werbeversprechen eher allgemein wie „Sie unterstützen ihre Heimat mit diesem Produkt“ oder ist es eine ganz gezielte Aussage zur Regionalität wie „100 Prozent der Zutaten kommen aus der Region“.

Lidl von der Verbraucherzentrale abgemahnt: Vermeintlich regionale Eier kommen nicht aus Deutschland

Ein Händler hat mit seinem Werbeversprechen besonders dreist daneben gegriffen: Lidl. Eine Eier-Packung mit der Aufschrift „Aus Solidarität: Mit dem Kauf dieser Eier unterstützen Sie unsere Landwirte“ enthielt weder Eier aus demselben Bundesland, noch Eier aus Deutschland. Sie kamen aus den Niederlanden.

„Unsere Landwirte“ suggeriert Regionalität, stellt die Verbraucherschützerin klar – daher wurde der Discounter dafür abgemahnt. Nach Ansicht der Verbraucherzentrale Brandenburg verstößt diese Werbung gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb „und sei zur Täuschung geeignet“. Lidl musste daraufhin eine Unterlassungserklärung abgeben. Die Eier aus den Niederlanden dürfen im Rahmen der Aufbrauchfrist noch bis Mitte Juni verkauft werden.

Zuletzt wurde der Discounter-Konkurrent Aldi von der Verbraucherzentrale abgemahnt. Der Discounter hatte gegen die Preisangabenverordnung verstoßen, indem eine Filiale Beispielpreise für Gemüse angab. Der wichtige Grundpreis wurde dabei kleiner abgedruckt – das führte zu Verwirrungen.

Das Regionalfenster gibt Aufschluss darüber, woher ein Produkt stammt und wo es abgepackt wurde.

Bio-Lebensmittel besonders beliebt – sie sind aber nicht automatisch regional

Aber nicht nur regionale Produkte können in Supermärkten wie Rewe oder Edeka und Discountern wie Aldi oder Lidl punkten. Bio-Produkten sind seit Jahren beliebt. Allerdings ist Bio nicht immer gleich auch regional.

Denn die Bio-Avocado wird nicht im nordrhein-westfälischen Dorf nebenan angebaut, sondern meistens in Mexiko. Zwar darf dann trotzdem Bio draufstehen, wenn alle Kriterien erfüllt sind. Allerdings müssen sich Kunden und Kundinnen darüber bewusst sein, dass das Lebensmittel mitunter sehr weit gereist ist. 

Bio ist nicht immer besser: Forscher empfiehlt eine Mischung aus regional und saisonal

Guido Reinhardt vom Institut für Energie und Umweltforschung Heidelberg hat in einer Studie zahlreiche Bio-Produkte mit konventionell erzeugten Lebensmitteln hinsichtlich ihres CO2-Fußabdruckes verglichen. „Wir waren sehr überrascht, dass Bio-Lebensmittel nicht immer einen besseren CO2-Fußabdruck haben als konventionelle Lebensmittel.“

Das hänge damit zusammen, das mehr Fläche benötigt wird beim Bio-Landbau. „Aber unterm Strich muss man deutlich sagen, dass Bio-Lebensmittel aus der Gesamtsicht eine höhere Umweltschutzleistung bringen.“ Grund dafür sind unter anderem, dass keine Pestizide eingesetzt würden, außerdem wird Naturschutz und Bio-Diversitätsschutz betrieben. 

Video: Aldi, Lidl, Penny & Co. – neue Umfrage enthüllt den beliebtesten Discounter

Der Forscher empfiehlt ganz klar, regionale mit saisonalen Lebensmitteln zu kombinieren. Bei Tomaten, die im Februar in einem energieintensiven und beheizten Gewächshaus, angebaut werden, sei die Öko-Bilanz besonders schlecht. Dann bringt es auch wenig, wen sie aus dem Dorf nebenan kommen.

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