Auch dm-Kunden betroffen

Lidl und dm wollen nachhaltiger werden – doch das Siegel-Chaos sorgt für Verwirrung

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Lidl und dm wollen mehr für die Ökobilanz und Nachhaltigkeit tun. Dazu wird ein neues Siegel und eine neue Produktreihe eingeführt.

Nachhaltigkeit ist für viele ein wichtiges Thema geworden. Nun wollen auch Lidl und dm mit einem Siegel und einer neuen Produktreihe auf den Zug aufspringen.

Neckarsulm/Karlsruhe – Ob der Nutri-Score oder ein Öko-Test-Siegel: Auf den Verpackungen vieler Lebensmittel wimmelt es nur so von Aufdrucken und Zertifizierungen. Bald wird es auf den Produkten von Lidl noch mehr Siegel und bei mehr nachhaltige Produkte geben. Beide Unternehmen wollen damit die Nachhaltigkeit der Produkte besser kennzeichnen.

UnternehmenLidl
Mitarbeiter192.920 (weltweit, Stand 2019/20)
HauptsitzNeckarsulm

Lidl und dm: Chaos um neues Siegel und neue Produkte – Unternehmen setzen auf Nachhaltigkeit

Um die Nährwerte eines Lebensmittels auf den ersten Blick zu erkennen, wurde der Nutri-Score eingeführt. Dieses Siegel wird jetzt auf immer mehr Produkten abgedruckt. Eines das die Nachhaltigkeit und Ökobilanz beurteilen soll, gab es bisher jedoch nicht. Nur vereinzelte Siegel weisen bei verschiedenen Produkten darauf hin, wie nachhaltig diese sind. So zum Beispiel bei Fisch: Das Siegel von MSC kennzeichnet Sozial- und Umweltstandards für Aquakulturen, also die Fischzucht.

Lidl möchte nun mit dem „Eco-Score“ dasselbe Prinzip wie der Nutri-Score einführen, nur eben für Nachhaltigkeit. Dabei soll das Produkt ebenfalls in fünf verschiedene Stufen eingeordnet werden. Dabei steht das grüne „A“ für ein sehr nachhaltiges Produkt. Das rote „E“ kennzeichnet hingegen ein Produkt mit einem negativen Umwelteinfluss.

Siegel-Chaos bei Lidl und dm: Kriterien für Eco-Score – Ökobilanz spielt wichtige Rolle

In die Bewertung der Produkte fließen folgende Kriterien mit ein:

  • ökologische Fußabdruck
  • Herkunft der Zutaten
  • Bewertung anderer Nachhaltigkeitslabels (Zertifizierung von Bioland verbessert die Bewertung um eine Stufe)
  • Art der Verpackung

Auf der eigenen Homepage stellt Lidl das Projekt jetzt vor und gibt erste Beispiele für eine Einordnung seiner Produkte. So bekommt der Kaffee der Eigenmarke Bellarom die Bewertung „C“ und liegt damit im Mittelfeld. Mit Note „B“ wird der Naturjoghurt von Milbona eingeordnet. „A“ bekommt sogar der Pfefferminz-Tee von Lord Nelson (alle News zu Lidl auf RUHR24).

Lidl will nun die eigenen Produkte mit dem Eco-Score nach der Ökobilanz bewerten.

Neues Umwelt-Siegel bei Lidl: Auch dm setzt sich mit neuen Produkte für Nachhaltigkeit ein

Zuerst soll in allen Lidl-Filialen in Berlin das neue Siegel ausgetestet werden. Damit nicht extra Verpackungen dafür hergestellt werden müssen, sollen zunächst die Preisschilder der ausgewählten Lebensmittel mit dem Eco-Score-Siegel ausgestattet werden. Anschließend schaut Lidl dann, ob der Eco-Score deutschlandweit zum Einsatz kommen wird.

Auch dm möchte sich für mehr Nachhaltigkeit einsetzen und versucht mit einer neuen Bezeichnung und Version eigener Produkte die Kunden dazu zu bewegen, sich für eine nachhaltigere Alternative zu entscheiden. Dazu schreibt das Karlsruher Unternehmen in einer Pressemitteilung: „dm möchte durchstarten und mittelfristig eine Vorreiterrolle im Handel einnehmen, wenn es um die Beurteilung der ‚Enkeltauglichkeit‘ (Anm. der Redaktion: Enkeltauglichkeit bedeutet, dass etwas geeignet ist, eine Zukunft für die nachfolgenden Generationen zu schaffen und zu unterstützen) unserer Leistungserbringung für unsere Kunden geht.“

dm mit neuer Produktlinie: Eigenmarke soll nachhaltiger werden

Neben einem Nachhaltigkeitsbericht sollen die nachhaltigen Alternativen der dm-Eigenmarken so einen bewussteren Konsum der Kunden fördern. „Der Hebel kann mit am wirksamsten bei der Entwicklung der eigenen dm-Markenprodukte angesetzt werden“, sagt Kerstin Erbe, Geschäftsführerin für das Produktmanagement. Die neue Serie soll „Pro Climate“ heißen. Zu den neuen Produkten gehört Waschmittel, Toilettenpapier und Sonnencreme.

Zur neuen dm-Serie „Pro Climate“ gehört auch ein Colorwaschmittel.

Insgesamt 15 Ziele wurden nun von dm festgelegt, die die Nachhaltigkeit im Unternehmen, dass auch Corona-Schnelltests im Onlineshop anbietet, verbessern sollen. Hier sind einige davon:

  • Höherer Anteil nachhaltigerer Produkten im Sortiment
  • Bessere Kennzeichnung am Regal und im Onlineshop (soll bewussteren Konsum fördern)
  • Nachhaltigkeits-Kodex für Hersteller von dm-Marken
  • Verschiedene Maßnahmen, um die Verpackungen nachhaltiger zu gestalten
  • E-Ladesäulen auf 40 weiteren dm-Parkplätzen einrichten
  • Energieverbrauch in dm-Märkten senken
  • und weitere Eigenkontrollmaßnahmen

Video: Neue Lidl-Kassenzettel sorgen für Ärger bei Kunden

Neben den Eigenmarken-Alternativen möchte dm auch seine Verpackungen recyclingfähiger sein. Doch nur weil etwas recycelt werden kann, bedeutet nicht, dass dies auch passiert. So soll in Deutschland 2019 rund mehr als die Hälfte aller Plastikabfälle verbrannt worden sein.

Auch bei Umwelt-Siegeln sollte man vorsichtig sein, sagt die Verbraucherzentrale: „Teilweise gehen die Kriterien nicht über die gesetzlich vorgeschriebenen Regeln hinaus. Sie rufen aber bei zahlreichen Konsumenten Qualitätserwartungen hervor und werden daher gerne zu Werbezwecken eingesetzt.“ Wie es zum Beispiel mit dem Eco-Score von Lidl aussieht, ist nicht ganz klar. Allerdings soll unter anderem die unabhängige Umweltschutzorganisation WWF an der Entwicklung beteiligt gewesen sein.

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