Kampf der Discounter-Giganten

Lidl eröffnet Preiskampf – Mehrwertsteuer vorerst weiter gesenkt

Lange wurde spekuliert, wie die größten deutschen Discounter mit der Mehrwertsteuererhöhung umgehen. Jetzt steht fest: Lidl prescht im Duell vor.

NRW – Lidl und Aldi sind die führenden Discounter in Deutschland. Dementsprechend wurde insbesondere die Preispolitik dieser beiden Supermärkte mit Spannung erwartet. Lidl eröffnet jetzt den Kampf und teilt mit, dass viele Preise reduziert blieben.

DiscounterLidl
Gegründet1973
Zahl der Mitarbeiter315.000
SitzNeckarsulm, Deutschland

Preiskampf zwischen den Discountern – Aldi und Lidl im Fokus

Seit Januar gelten deutschlandweit wieder die alten Regelungen für die Mehrwertsteuer – sie ist wieder auf 19 und 7 Prozent angestiegen. Bereist seit einigen Wochen wird allerdings spekuliert, ob die großen Discounter, allen voran Lidl und Aldi, die Mehrwertsteuererhöhung für einen Preiskampf nutzen werden.

Besonders die Preise von Lidl wurden dabei mit Spannung erwartet. Denn das Unternehmen hatte im Juli 2020 die Mehrwertsteuer bereits gesenkt, noch bevor die Regelung in Kraft trat. Laut Business Insider hat Lidl damit in den vergangenen Monaten viele Konkurrenten „abgehängt“.

Werbe-Offensive des Discounters – Mehrwertsteuer bei Lidl „vorerst“ noch vielfach gesenkt

In seiner Pressemitteilung stellt Lidl klar: „In allen über 3.200 Lidl-Filialen bleiben die Preise bei vielen Produkten weiterhin um bis zu drei Prozent reduziert, obwohl seit dem Jahreswechsel wieder die reguläre Mehrwertsteuer von 19 bzw. 7 Prozent gilt.“

Weiter heißt es: Kunden profitierten „über die offizielle Geltungsdauer der Mehrwertsteuersenkung hinaus von günstigen Preisen im Sortiment und attraktiven Aktionspreisen.“ (Alle News zu Lidl bei RUHR24.de.)

Wer genau liest, sieht aber auch, der Discounter-Gigant spricht von „vorerst“ und „vielen Produkten“. Dementsprechend ist abzuwarten, ob nicht auch bei Lidl sukzessive immer mehr Produkte nach alten Preisen angeboten werden. Mit Blick auf das Sortiment wird deutlich: Bereits im aktuellen Angebot sind zahlreiche Preise angehoben.

Lidl holt zum Schlag aus: Was sagt Aldi zum Thema Mehrwertsteuer?

Jetzt äußert sich auch Aldi jetzt zu dem heiklen Thema. Das Unternehmen teilt gegenüber dem Express mit: „Die Bundesregierung hat die Mehrwertsteuersenkung bis zum 31. Dezember 2020 begrenzt, weshalb wir unsere Preise zu Jahresbeginn wieder entsprechend angepasst haben.“

Mit Blick in den aktuellen Katalog von Aldi Nord wird aber deutlich, auch Aldi hat noch reduzierte Preise. Denn, ob es sich um alte oder neuen Preise – vor oder nach der Mehrwertsteuersenkung – handelt, erkennt man an den Centbeträgen.

So enden die üblichen Schwellenpreise auf der 9, die gesenkten Preise sind „krumm“. (Zu beachten ist dabei allerdings, dass einige Geschäfte die Steuer auch erst an der Kasse abziehen.) Demnach hat Aldi zwar bereits zahlreiche Artikel im Preis angehoben, aber auch noch viel reduzierte Ware im Angebot. (Alle News zu Aldi bei RUHR24.de.)

Zusammenfassend lässt sich feststellen: Sowohl Aldi als auch Lidl haben reduzierte und angehobene Preise. Das Thema Mehrwertsteuersenkung ist wohl tatsächlich eher Werbestrategie als echter Kundenvorteil.

Neue Marketingstrategie zum Jahresbeginn – 21 Prozent Rabatt

Fakt ist auch: Derzeit findet zwischen den Supermärkten ein Wettstreit um Rabatte statt, von dem Kunden durchaus profitieren können. Sowohl Aldi als auch Netto werben zum Januar 2021 beispielsweise bei ausgewählten Artikeln mit einem Rabatt von 21 Prozent.

Darüber hinaus will sich Netto scheinbar auch die Mehrwertsteuer zunutze machen. Der Discounter will die Preise erst zum 10. Januar wieder erhöhen – und wirbt im aktuellen Katalog „Mehrwertsteuererhöhung – nicht bei Netto“. Auch Penny wirbt mit zahlreichen Rabatten, wie zum Beispiel der „Nirgendwo-günstiger-Garantie“. Und auch Rewe, Edeka und Real bieten zum Jahresbeginn ausgewählte Aktionspreise. 

Experten schätzen – gesenkte Preise der Discounter sind nicht von Dauer

Aktuell können Verbraucher die Preissenkungen in den Supermärkten für sich nutzen. Viele Experten schätzen aber, dass die Preise sich in der nächsten Zeit überall wieder an das alte Niveau annähern werden. So schreibt unter anderen die Lebensmittelzeitung, es zeichne sich ab, „dass in den kommenden Wochen überall die Preise um die gestiegene Mehrwertsteuer erhöht werden.“

Hinter der nur schrittweise vollzogenen Mehrwertsteuer-Änderung kann tatsächlich auch etwas ganz anderes stecken. Wie Business Insider berichtet, haben Aldi Süd, dm, Rossmann und Penny die Mehrwertsteuer-Senkung an der Kasse abgezogen. Viele andere Discounter hatten die Steuersenkung aber auf den Preisschildern kenntlich gemacht. Dementsprechend müssen diese jetzt wieder geändert werden – was Zeit kostet.

Rubriklistenbild: © Matthias Balk/dpa

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