Neues Gesetz kommt

Zwangsarbeit bei Lidl? Discounter geht jetzt entscheidenden Schritt

Lidl wurde zuletzt mit Ausbeutungs-Vorwürfen konfrontiert. Jetzt will der Discounter nachbessern.

Dortmund – In den vergangenen Monaten wurden gegen Lidl, aber auch andere Großunternehmen schwere Vorwürfe bezüglich Zwangsarbeit erhoben. Die Bundesregierung will Lieferketten daher zukünftig genauer überprüfen. Was ändert sich für den Discounter und Verbraucher?

UnternehmenLidl
HauptsitzNeckarsulm
Gründung1973

Lidl wegen angeblicher Zwangsarbeit in der Kritik: Menschenrechtler stellen Strafanzeige

Wegen angeblichen Zwangsarbeit und Ausbeutung ist der Discounter Lidl Ende 2021 in die Kritik geraten. Die Menschenrechtsorganisation European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) warf dem Unternehmen „Versklavung“ vor und brachte den Stein damit ins Rollen.

Die Organisation erstattete Anzeige gegen Lidl und erklärte darin, der Discounter würde seine Textilprodukte, die etwa als Aktionsware verkauft werden, von uigurischen Zwangsarbeitern beziehen. Allerdings richtete sich diese Anzeige nicht nur gegen Lidl selbst, sondern auch gegen andere deutsche Lebensmittel- und Textilunternehmen.

Zwangsarbeit bei Lidl? Discounter hatte Lieferanten aus China beschäftigt

Dahinter stecken Geschäftsbeziehungen, die diese Handelsunternehmen zur Region Xinjiang in China führen. An der westchinesischen Grenze zu Kasachstan werden Uiguren, eine türkischsprachige Ethnie, in sogenannten „Umerziehungslagern“ eingesperrt. Rund eine halbe Million von ihnen pflücken Baumwolle auf den Feldern von Xinjiang – von Hand und gegen ihren Willen. Allerdings bestreitet die chinesische Regierung die Existenz von Zwangsarbeit in dieser Region.

Auch Lidl pflegt Beziehungen zu Textilunternehmen in Xinjiang. Dem Discounter wird vorgeworfen, damit die Politik des chinesischen Regimes zu unterstützen. Doch die Kritik hat bei dem Unternehmen bereits ein Umdenken bewirkt. Lidl hat den chinesischen Zulieferern mittlerweile gekündigt, wie das Handelsblatt berichtet.

Druck von der Bundesregierung: Lidl unter Beobachtung

Aus der Verantwortung ziehen kann Lidl sich aber nicht so einfach. Denn die Bundesregierung hat bereits im Juni ein Gesetz verabschiedet, welches deutschen Unternehmen mit mehr als 3.000 Angestellten ein verantwortungsvolleres Management ihrer Lieferketten vorschreiben soll. Es soll zum Jahreswechsel 2023 in Kraft treten.

Bis dahin haben Großunternehmen noch Zeit, ihre Lieferketten eigenständig zu überprüfen und Geschäftsbeziehungen zu beenden. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu zwei Prozent des Jahresumsatzes oder der Ausschluss von öffentlichen Aufträgen für bis zu drei Jahren.

Lidl hat seinem Textillieferanten bereits gekündigt.

Lidl kündigt seinen Lieferanten: Was das für Kunden bedeutet

Aber welche Auswirkungen hat der Lieferanten-Wechsel von Lidl für den Kunden? Aktuell scheint das noch nicht absehbar. Allerdings hat sich in der Vergangenheit öfter gezeigt, dass Beziehungen zu Lieferanten oder wirtschaftliche Entwicklungen auch die Produkte im Supermarkt beeinflussen. So kann Lidl eine Produkt-Reihe nicht mehr anbieten, weil ein Lieferant pleite ist.

Und auch Gesetze beeinflussen die Ware im Discounter: Supermärkte in Deutschland dürfen bestimmte Eier-Produkte nicht mehr verkaufen. Das neue Lieferkettengesetz könnte künftig also für noch weitere Änderungen sorgen.

Rubriklistenbild: © Bernd Wüstneck/dpa

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