Kritik von Umwelthilfe

Lidl wirft beliebtes Getränk raus – Ersatz kommt nicht bei allen gut an

Lidl hat sein Angebot bei den Getränken verändert. Eine beliebte Weltmarke flog aus dem Sortiment. Der Ersatz des Discounters kommt nicht bei allen gut an.

Neckarsulm – Seit Oktober 2021 ist klar: Kunden werden keine Nestlé-Produkte mehr bei Lidl finden. Nun hat der Discounter Ersatz gefunden, um Verbrauchern eine Alternative bieten zu können. Allerdings sorgt die Auswahl der neuen Marke erneut für Ärger.

DiscounterLidl
HauptsitzNeckarsulm
Filialen10.800 Filialen in 32 Ländern

Lidl wirft Nestlé-Produkte aus dem Sortiment – Ersatz sorgt ebenfalls für Ärger

Konkret geht es bei der Sortiments-Anpassung um Wasser. Lidl hatte im Oktober angekündigt, ab sofort die Getränke-Marke Vittel nicht mehr verkaufen zu wollen. Als offiziellen Grund nannte der Discounter, dass ein Vertrag mit dem Weltkonzern Nestlé nach gemeinsamer Abstimmung ausgelaufen sei.

Genauere Informationen, warum der Vertrag nicht verlängert wurde, nannten weder Lidl noch Nestlé. In Kreisen der Lebensmittelbranche munkelte man jedoch, dass der Grund auf der Hand liege: So steht der Nahrungsmittelkonzern seit Jahren für sein Mineralwasser in der Kritik.

Lidl: Vittel nicht mehr im Angebot – Vertrag mit Nestlé läuft aus

Umweltschützer und Anwohnern werfen Nestlé vor, die Quellen in der gleichnamigen französischen Gemeinde Vittel zu übernutzen. Das hat zur Folge, dass der Grundwasserspiegel stetig sinkt. Der Konzern weiß um die Problematik und leugnet diese keineswegs, wie bw24.de* berichtet.

Viele Kunden boykottieren deshalb inzwischen den Kauf des Nestlé-Wassers. Ob das für Lidl der Grund für den Rauswurf der Weltmarke ist oder ob Nestlé sich ohnehin aus dem Geschäft mit dem Wasser zurückziehen will und deshalb Verträge auslaufen lässt, bleibt offen.

Statt Vittel nimmt Lidl ab sofort Volvic ins Sortiment auf.

Dass Supermärkte und Discounter ihr Sortiment anpassen und gewisse Marken aus dem Angebot schmeißen, ist keine Seltenheit. Oft sind Unstimmigkeiten zwischen den Konzernen die Ursache. So hat Rewe nach einem Streit um die Preispolitik einige Marken verbannt. Auch Edeka hat sich kürzlich von einer Marke getrennt. So boykottiert der Supermarkt ab sofort Granini-Säfte – als Ersatz sollen nun Säfte von Albi im Regal landen.

Wie auch Edeka hat Lidl nun Ersatz für Vittel gefunden. Der Discounter setzt ab sofort auf das Mineralwasser Volvic von dem Unternehmen Danone. Das sorgt bei einigen Kunden und Umweltschützern für Irritation und Ärger – aus zweierlei Gründen.

Lidl nimmt neue Getränke-Marke ins Sortiment auf – das sorgt für Ärger

Insbesondere die Deutsche Umwelthilfe (DUH) übt Kritik an der Entscheidung von Lidl – denn die sei alles andere als umweltverträglich. So muss das Wasser von Volvic über 400 Kilometer weiter nach Deutschland transportiert werden. Wie die DUH angibt, waren es bei Vittel allerdings bis zu 1000 Kilometer.

Doch die Umweltschützer sind der Meinung, Lidl hätte sich bei der Umstellung des Sortiments auch für Wasser aus der Region entscheiden können. In Deutschland würden rund 180 Brunnen existieren, bei denen Wasser abgefüllt wird. Lidl hätte also eine große Auswahl an regionalen Mineralwassermarken gehabt, deren Transportwege deutlich kleiner – und somit auch besser für die Umwelt – ausgefallen wären.

Die DUH findet für die Entscheidung von Lidl harte Worte: „Zwar bekennt sich der Discounter mit einer eigenen ‚Klima-Offensive‘ zum Umweltschutz, handelt aber nicht danach. Das zeigt vor allem eins: Den Umwelt- und Klimaversprechungen von Lidl ist nicht zu trauen.“

Volvic ab sofort bei Lidl: Es gibt Kritik an der Entscheidung des Discounters

Doch es gibt noch einen weiteren Kritikpunkt an der Entscheidung von Lidl, ab sofort Volvic verkaufen zu wollen: die Verpackung. Denn das Wasser wird, wie auch Vittel, in Einwegflaschen aus Plastik verkauft. Die Deutsche Umwelthilfe merkt an, dass Lidl auch hier die Chance hätte nutzen sollen, auf Mehrwegflaschen aus Glas umzusteigen.

„Lidl gehört zu den größten Plastiksündern Deutschlands und ist verantwortlich für rund drei Milliarden Einweg-Plastikflaschen jährlich. Die Auslistung von Vittel hätte der Discounter für den Umstieg auf klimafreundliche Mehrwegflaschen nutzen müssen“, heißt es vonseiten der DUH.

Zwar gibt es laut dem Bundesumweltministerium keine gesetzliche Mehrwegquote in Deutschland, doch Unternehmen seien dazu angehalten, das 70-Prozent-Ziel anzustreben. Das geht aus dem Verpackungsgesetz hervor. Lidl ist von diesen 70 Prozent jedoch weit entfernt. Laut DUH beträgt der Mehrweganteil beim Discounter aktuell sage und schreibe null Prozent. *BW24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Justin Tallis/AFP, Collage: RUHR24

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