„Katastrophales System“

Harte Vorwürfe gegen Lidl und Aldi: Keime im Fleisch gefährden die Gesundheit

Die Umwelthilfe erhebt Vorwürfe gegen Aldi und Lidl: Beide Discounter sollen mit Keimen belastetes Fleisch verkaufen.

NRW – Keime in seinen Lebensmitteln möchte keiner haben. Häufig sind Hygieneprobleme der Grund. Zudem können solche Keime fiese Krankheiten hervorrufen. Nun sind die Discounter Lidl und Aldi allerdings im Visier der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Der Grund: Eben solche Keime sollen sich im Billig-Fleisch der beiden Unternehmen befinden.

DiscounterLidl
SitzNeckarsulm, Deutschland
Anzahl der Beschäftigten315.000
Gründung1973

Aldi und Lidl verkaufen Fleisch mit gefährlichen Keimen: Umwelthilfe mit harten Vorwürfen

Die DUH hat in einer Pressemitteilung bekannt gegeben, dass bei einer Stichprobenuntersuchung die Belastung mit Keimen ans Tageslicht gekommen sei. Zudem spricht die Umweltorganisation auch die Anwendung von Antibiotika in Massentierhaltung an. Dort werden die Medikamente den Tieren unter ihr Futter oder in die Tränke gemischt.

Für die Stichprobenuntersuchung habe die Organisation in Deutschland insgesamt 62 Testkäufe von Putenfleisch der Haltungsstufe 2 bei Discountern in unterschiedlichen Regionen durchgeführt. Davon jeweils 31 Lidl- und Aldi-Filialen. Anschließend wurden die Proben am Institut für Pharmazie und pharmazeutische Mikrobiologie der Universität Greifswald untersucht.

Dabei sei vor allem die „Belastung mit multiresistenten Krankheitserregern“ bei dem getesteten Putenfleisch aufgefallen. Denn das Ergebnis lautet: Jede dritte Putenfleisch-Probe von Lidl und jede vierte Probe von Aldi sei mit antibiotikaresistenten Keimen belastet gewesen. Auf jeder vierten Putenfleisch-Probe (26 Prozent) von Lidl, wo aktuell auch ein gesundheitsgefährdendes Produkt zurückgerufen wird, soll das Labor sogar besonders gesundheitsgefährdende Erreger gefunden haben, „die gegen die für Menschen wichtigen Reserve-Antibiotika resistent sind“.

Achtung, gefährliche Keime: Lidl und Aldi sollen laut Umwelthilfe belastetes Fleisch verkaufen

Dies könnte zu starken gesundheitlichen Problemen führen, gegen die reguläre Antibiotika nicht mehr wirken. Laut der DUH sollen sich in Europa jährlich 670.000 Menschen mit solchen antibiotikaresistenten Keimen anstecken (alle Rückrufe und Warnungen bei RUHR24).

Umwelthilfe mit harten Vorwürfen: Aldi und Lidl sollen Fleisch mit gefährlichen Keimen verkaufen.

Daher fordert die Deutsche Umwelthilfe, dass der aktuell noch erlaubte Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung so schnell wie möglich beendet werden soll. Das Erschreckende: Derzeit ist es in Deutschland legal, Fleisch zu verkaufen, welches mit antibiotikaresistenten Keimen belastet ist. Denn Grenzwerte gibt es keine.

Umwelthilfe fordert Ende von „katastrophalem System“: Fleisch von Lidl und Aldi sei mit Keimen belastet

„Geflügel in Massentierhaltung wird vollgepumpt mit Antibiotika, bei der Putenmast sogar zu einem erheblichen Teil mit Reserve-Antibiotika. Das ist besonders dramatisch, da hier resistente Erreger entstehen, gegen die uns dann möglicherweise keine Medikamente mehr zur Verfügung stehen. Dieses katastrophale System muss beendet werden“, sagt Sascha Müller-Kraenner, der Bundesgeschäftsführer der DUH.

Auf die Vorwürfe der Umweltorganisation reagieren die beiden Unternehmen verhalten: „Um der Entstehung von Resistenzen vorzubeugen, setzen wir uns gegen den Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung ein, der über das therapeutisch erforderliche Maß hinausgeht. […] Die Qualität unserer Produkte sowie die Sicherheit unserer Kunden haben für uns oberste Priorität. Vor allem bei sensiblen Produktgruppen wie Fleisch- und Wurstwaren gelten deshalb sehr strenge Vorschriften“, heißt es von Aldi Nord-Pressesprecher Christian Schneider (alle News zu Aldi und Lidl bei RUHR24).

Statement von Aldi und Lidl zu Keimen in Putenfleisch: Discounter reagieren zurückhaltend

Jedoch ließen sich Bakterien und Keime nicht verhindern, da sie „letztlich Teil der Umwelt“ seien. Zur Vorbeugung von Krankheiten würde Aldi Nord folgenden Hygienehinweis auf die Packungen drucken:

„Bitte Küchenhygienehinweise beachten: Rohes Geflügelfleisch nicht mit anderen Lebensmitteln in Kontakt bringen. Tropfsaft sorgfältig entsorgen. Geschirr und Hände gründlich reinigen. Geflügelfleisch ist nicht zum Rohverzehr geeignet. Vor dem Verzehr vollständig durchgaren! Nach dem Auftauen nicht wieder einfrieren!“

Hygienehinweis auf Geflügelfleisch-Verpackungen bei Aldi Nord

Eine Anfrage dieser Redaktion an Lidl blieb bislang unbeantwortet. Gegenüber dem Handelsblatt erklärte das Unternehmen: „Aufgrund der fehlenden Laborergebnisse in Zusammenhang mit der Chargennummer und der uns unbekannten Details zur Methodik können wir zur Untersuchung keine Stellung nehmen.“

Rubriklistenbild: © Rolf Vennenbernd; Matthias Balk/dpa; Collage: RUHR24