EU-Regel ist in Arbeit

Verbot von „Milch“-Alternativen in Supermärkten: Kunden müssen sich auf Änderung einstellen

Das EU-Parlament will eine neue Regelung für „Milch“-Produkte einführen. Von der Änderungen sind nicht wenige Kunden betroffen. Das ist der Plan.

Deutschland – Der europäische Gerichtshof hat vor drei Jahren eine wegweisende Entscheidung getroffen. Damals wurde es Lebensmittel-Herstellern untersagt "Sojabutter" oder "Pflanzenkäse" in Umlauf zu bringen. Nun könnte es weitere Einschränkungen für Lidl, Aldi, Edeka und Co. geben.

EU-Parlament: Vegane Alternativen sollen sich bei Lidl, Aldi und Edeka nicht mehr "Milch" nennen dürfen

Davon betroffen sind Milch-Alternativen aus Soja, Mandel, Hafer und mehr. In puncto "Sojabutter" hatte der europäische Gerichtshof 2017 entschieden, dass diese Bezeichnung den Verbraucher täuschen könnte. Demnach könne Milch nur aus Eutern kommen. Deshalb dürfen Lidl, Aldi, Edeka und andere Supermärkte vegane Alternativen nicht mehr mit den Zusätzen Butter, Joghurt oder Sahne verkaufen.

Aktuell befassen sich EU-Politiker wieder mit diesem Urteil und wollen die geltende Agrarmarktordnung verschärfen, wie Chip berichtet. Bekannte Hersteller wie etwa Beyond Meat, Upfield, Unilever, Nestlé oder Seamore verlangen eher eine Lockerung des geltenden Bezeichnungsschutzes für Milch, Joghurt oder Butter.

Lidl, Aldi, Edeka und mehr: Milch-Alternativen dürfen auch nicht den Beinamen "Ersatz" tragen

Genauer gesagt sollen die Verordnungen 165 und 171 verändert werden, die sich mit der Begriffsbezeichnungen in der Agrarwissenschaft befassen. Wenn es nach dem EU-Parlament geht, sollen auch pflanzliche Milch-Alternativen nicht mehr das Stichwort "Milch" enthalten dürfen. Auch "Joghurt" in dem keine Tiermilch enthalten ist, darf dann nicht mehr so heißen.

Die Anpassung der Verordnung soll auch die Formulierungen "Typ", "à la" oder "-Ersatz" betreffen. Im Ernstfall sollen Herstellern als auch Einzelhändlern wie Lidl, Aldi oder Edeka hohe Strafen drohen (mehr aktuelle Nachrichten auf RUHR24.de).

Firmen wie Aldi, Lidl und Edeka wehren sich gegen das Milch-Verbot

Bei dieser Begriffs-Diskussion fühlen sich laut Chip besonders die großen Hersteller vor den Kopf gestoßen. Die Kernaussage der Gegenargumentation demnach: Verbraucher hätten sich bereits an Begriffe wie "Mandelmilch" oder "Sojajoghurt" gewöhnt. Mehrere Firmen machen sich derzeit in einem sechsseitigem Brief an das EU-Parlament Luft.

Des Weiteren sei für Kunden von Supermärkten wie Lidl, Edeka oder Aldi klar, dass sich hinter einer Mandelmilch keine Kuhmilch verbirgt. "Der Verbraucher braucht doch einen Anhaltspunkt, ob es sich etwa um ein Produkt "Typ Quark" oder um eine "Art Joghurt" handelt", so die Leiterin Public Affairs der European Vegetarian Union im Gespräch mit der Lebensmittel Zeitung.

Das EU-Parlament argumentiert allerdings, dass die Bezeichnung Milch seit über 30 Jahren im Codex Alimentarius verankert ist. Demnach kann Milch nur tierischen Ursprungs sein. Eine Ausnahme bildet die Kokosmilch. Dabei handelt es sich um ein Erzeugnis, deren "Art aufgrund seiner traditionellen Verwendung genau bekannt ist".

Änderungen bei Aldi, Lidl, Edeka und mehr: EU-Parlament fordert noch mehr Verschärfungen

Doch das EU-Parlament möchte noch einen Schritt weiter gehen. Auch Veggie-Wurst, vegane Steaks oder Burger-Alternativen sieht das Parlament als Begrifflichkeit kritisch. Die Organisation ProVeg hat vor wenigen Monaten eine Umfrage des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen in die Diskussion eingebracht.

Ist das Verbot von Bezeichnungen wie Veggie-Scampis Haarspalterei oder berechtigt?

Das Ergebnis: Verbraucher seien von der aktuellen Kennzeichnungspraxis nicht irritiert. Die Nutzung der Namen Milch, Joghurt oder Wurst sei "wichtig, um der Verbraucherschaft Informationen über Geschmack, Textur, Aussehen und Verwendung der Fleischalternativen zu vermitteln", sagte Felix Domke von ProVeg gegenüber der Deutschen Handwerkszeitung.

Ob es zu einem EU-Verbot kommt oder ob die Politiker regionale Lösungen geltend machen, zeigt sich spätestens Mitte Oktober. Bei Subway können sich Veganer aktuell hingegen freuen. Das die Fast-Food-Kette bietet derzeit ein Sandwich mit kompletten veganem Käse an.

Rubriklistenbild: © Lukas Schulze/dpa

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