Superfood

Öko-Test prüft Leinsamen und entdeckt erhöhte Blausäure-Werte

Leinsamen gelten als gesundes Superfood. Doch selbst bekannte Marken versagen im Öko-Test.

Dortmund – Ob als Topping auf dem Müsli, eingebacken im Brot oder als Ei-Ersatz im Teig: Die Möglichkeiten Leinsamen zu sich zu nehmen, gehen weit über den Verzehr der puren Leinsamen-Körnchen hinaus. Leinsamen gilt zudem als regionales Superfood. Doch die Testergebnisse von Öko-Test zeigen: Selbst das gesündeste Superfood ist wenig wert, wenn es mit Schadstoffen belastet ist.

VerbrauchermagazinÖko-Test
HauptsitzFrankfurt am Main
Chefredakteur und GeschäftsführerHans Oppermann

Öko-Test nimmt Leinsamen genauer unter die Lupe: Test zeigt Schwachstellen vieler Produkte

Aus Sicht der Tester sind es drei Punkte, die bei den 20 getesteten Leinsamen-Produkte problematisch sind: Viele enthalten erhöhte Blausäurewerte, andere Mineralöl. Zudem zeigen viele Hersteller offenbar kaum Verantwortung, wenn es um die Arbeitsbedingungen in den Anbauländern der Samen geht.

Denn anders als viele Verbraucher denken, kommen Leinsamen nicht unbedingt aus Deutschland oder einem unserer Nachbarländer wie Frankreich und Österreich. Obwohl Flachs laut Öko-Test auch hierzulande gedeiht, beziehen viele Produzenten die Samen aus Anbauländern wie Kasachstan, Indien oder auch Russland. Das Image des „regionalen“ Superfoods ist demnach nur bedingt zutreffend. Im Test war so auch kein einziges Produkt mit Leinsamen aus Deutschland dabei.

Dass die regionale Herkunft der Leinsamen jedoch nicht unbedingt ausschlaggebend für ein gutes Testurteil sein muss, beweist der Testsieger des aktuellen Öko-Tests. Mit „sehr gut“ bewerteten die Tester das Produkt von Dennree (Leinsaat geschrotet, 99 Cent je 200 Gramm) – wie auch bei einem kürzlich veröffentlichten Öko-Test zu Räucherlachs-Produkten, schnitt auch in dieser Untersuchung nur dieses eine Produkt mit sehr gut ab.

Leinsamen im Öko-Test: Viele Produkte sind kein „regionales“ Superfood

In den Leinsamen aus Kasachstan fanden die Tester weder Mängel in den Inhaltsstoffen, noch gab es Beanstandungen hinsichtlich der Transparenz bei der Nachverfolgbarkeit von Lieferketten oder des Arbeitsschutzes.

Und in einem weiteren Punkt kann das Bio-Produkt von Dennree punkten: Auf der Verpackung finden Verbraucher wichtige Hinweise auf eine ausreichenden Flüssigkeitszufuhr bei dem Verzehr der Leinsamen. Denn, wie Öko-Test erklärt, ist es notwendig, bei dem Verzehr von Leinsamen reichlich zu trinken. Geschieht das nicht, können geschroteten Leinsamen so verkleben, dass sie den Darm verschießen.

Und noch etwas unterscheidet die Dennree Leinsamen von vielen anderen der getesteten Produkte: In dem Produkt fanden die Tester keine erhöhten Blausäurewerte. Blausäure wird laut Öko-Test bei dem Kauen und Verdauen von bestimmten Lebensmitteln wie Bittermandeln oder eben Leinsamen, die natürlicherweise relativ viel sogenannte cyanogene Glykoside enthalten, freigesetzt.

Leinsamen im Test: Blausäurewerte bei vielen Produkten erhöht

Zunächst ist das laut der Tester erst einmal „kein Grund zur Panik“, da der Körper bestimmte Mengen an Blausäure abbauen kann. Problematisch kann ein erhöhter Blausäuregehalt jedoch vor allem für Kinder werden, so die Tester.

Die kleinen Leinsamen-Körner gelten als gesund und passen gut ins Müsli oder als Topping auf den Joghurt.

Ein Hinweis auf eine maximale Aufnahmemenge oder die Information, dass Leinsamen für Kleinkinder überhaupt nicht geeignet sind, fehle bei vielen der getesteten Produkte jedoch. Gut zu wissen: Blausäure verflüchtigt sich, wenn die Leinsamen erhitzt werden. Ansonsten gilt für Erwachsene aber als Orientierung, dass nicht mehr als 15 Gramm Leinsamen pro Mahlzeit gegessen werden sollten.

Leinsamen: Testsieger bei Öko-Test nicht das Teuerste

Nach dem Testsieger Dennree bewerteten die Tester weitere sieben Produkte mit „gut“, darunter die geschroteten Leinsamen von Alnatura (99 Cent je 200 Gramm) und von „Bio Zentrale Kraft der Natur“ (1,49 Euro je 200 Gramm). Beide Produkte weisen aber ein deutliches Manko gegenüber Dennree auf.

So enthalten die Leinsamen von Alnatura erhöhte Blausäurewerte. Das Produkt von Bio-Zentrale verliert hingegen Punkte, da wichtige Verzehrhinweise (Flüssigkeitszufuhr) auf der Packung fehlen. Beide Produkte schneiden allerdinsg bei den Punkten Arbeitsschutz und Transparenz bei den Lieferketten ebenfalls mit „sehr gut“ ab.

Unter den als ausreichend, mangelhaft oder sogar ungenügend bewerteten Produkten im Test finden sich sowohl bekannte Bio-Marken aus dem höheren Preissegment, als auch günstige Discounter-Produkte. Die Verlierer im Test gehören sogar zu den teuersten Produkten. Alle Testergebnisse gibt es bei Öko-Test (Bezahlartikel).

Rubriklistenbild: © RUHR24/Sabrina Wagner, Ökotest; Collage: RUHR24

Mehr zum Thema