Inflations-Prognosen

Experten in Sorge: Lebensmittelpreise bei Aldi, Lidl und Edeka steigen weiter an

Neben dem Energiesektor zieht vor allem auch die Lebensmittelbranche die Preise an. Bei einigen Produkten müssen Verbraucher besonders viel bezahlen.

NRW – Die Inflation hat das Land weiter fest im Griff. Neben den explodierenden Energiepreisen müssen Verbraucherinnen und Verbraucher zukünftig auch bei zahlreichen Produkten in Supermärkten und Discountern tiefer in die Tasche greifen. Die Prognosen der Expertinnen und Experten machen wenig Hoffnung auf überschaubare Einkaufszettel im anstehenden Herbst und Winter. Denn viele Produkte werden bald teurer.

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Gründung1949

Nicht nur Energie-, sondern auch Lebensmittelpreise bei Aldi, Lidl und Edeka steigen weiter an

Beim Blick auf die aktuellen Preisschilder bei Aldi, Lidl oder Edeka wird der ein oder andere Schnäppchenjäger die Lust auf eine ausgiebige Shoppingtour wohl schnell verloren haben. Neben dem Energiesektor sei laut der Lebensmittel Zeitung (LZ) auch die Lebensmittelbranche der größte Preistreiber.

Beispiele für Teuerungen in der Nahrungsmittelindustrie gibt es zur Genüge: Zuletzt hatte unter anderem die Radeberger-Gruppe angekündigt, die Preise für verschiedenste Biere zum 1. Dezember bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr zu erhöhen. Auch Süßwarenhersteller Haribo hat den Preis für ein beliebtes Produkt bereits angezogen.

Steigende Inflationsrate macht Experten Sorgen – Zweistellige Inflation im Dezember befürchtet

Die Gründe dafür reichen von den steigenden Gas- und Strompreisen über gestiegene Materialkosten bis hin zur zeitweiligen Unterbrechung von Lieferketten infolge des Ukraine-Kriegs. Hinzu gesellt sich laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) eine Inflationsrate von rund 7,9 Prozent (August 2022). Diese könnte laut Bundesbank-Präsident Joachim Nagel im Dezember „mit mehr als 10 Prozent ihren Höhepunkt erreichen“, berichtet die LZ.

Beim Gang durch die Regale von Aldi, Lidl, Edeka und Co. wird die Kundschaft also zukünftig genau überlegen, welches Produkt im Einkaufswagen landet. Denn auch Verbraucher sind in der laufenden Krise deutlich preissensibler geworden. Zu viel Hoffnung, dass einige Produkte, wie jüngst bei Aldi, plötzlich wieder billiger werden, sollte man sich wohl nicht machen.

Fast jedes Lebensmittel-Unternehmen will die Preise erhöhen – Kundschaft preissensibler

Gegenüber dem Handelsblatt warnt Stefan Benett, Managing Director von Inverto, einer Einkaufsberatung für Unternehmen: „Es gibt hohe Kosten in den Lieferketten, die in den Konsumentenpreisen noch nicht angekommen sind“.

Dass auf Schnäppchenjäger schwere Zeitungen zukommen, weiß auch das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung ifo. Demzufolge wollen deutsche Unternehmen „in großem Umfang ihre Preise erhöhen“. Die Preiserwartung allein für Lebensmittel liege bei 96,8 Punkten.

Preise in Supermärkten und Discountern 16,6 Prozent teurer als noch im Vorjahr

Das bedeutet: 96,8 Prozent und damit so gut wie jedes Unternehmen aus der Lebensmittelbranche will seine Preise erhöhen. „Ein Auslaufen der Inflationswelle“, sei laut ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser „nicht in Sicht“.

Die Teuerungsrate bei Nahrungsmitteln entkoppelt sich laut der LZ von der Gesamtinflation. Anstatt wie allgemein knapp 8 Prozent müssen Kunden in den Supermärkten und Discountern rund 16,6 Prozent mehr für Lebensmittel ausgeben, als noch im Vorjahr. Besonders bei Eigenmarken haben die Händler ihre Preise deutlich angezogen.

Bedingt durch die Inflation sind unter anderem Molkereiprodukte in der Vergangenheit deutlich teurer geworden.

Konsumstimmung der Verbraucher laut der GFK auf einem Tiefststand – Angst vor Rezession

Diese überdurchschnittlichen Verteuerungen seien der LZ zufolge insbesondere bei Speisefetten und -ölen (44,5 Prozent teurer) oder Molkereiprodukten und Eiern (26,8 Prozent teurer) spürbar. Laut Chip hätten beispielsweise auch Coca-Cola oder der Milka-Hersteller Mondelez Preiserhöhungen angekündigt. Hinzu kämen bald wohl auch „Teuerungen bei Waschmitteln, Duschgels oder Deo“.

Die Konsumstimmung der Verbraucher in den aktuellen Krisenzeiten ist laut dem deutschen Marktforschungsinstitut GFK wenig überraschend auf einem Tiefststand, berichtet die Tagesschau. Das wird sich angesichts der Prognosen im Lebensmittelbereich und der allgemeinen Angst vor einer Rezession wohl so schnell auch nicht ändern.

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