Agromafia

Mafia handelt in Deutschland mit gefälschten Lebensmitteln – diese Produkte sind betroffen

Gepanschtes Olivenöl, Champagner, der keiner ist – in vielen Produktions- und Lieferketten hat die Mafia ihre Finger im Spiel. Und die Verbraucher? Die haben minderwertige Lebensmittel auf dem Teller.

Dortmund – Wenn das Olivenöl nicht nur das gute kaltgepresste ist, sondern mit minderwertigem Öl gestreckt wurde, um den Profit beim Verkauf zu maximieren, ist das ärgerlich. Für Restaurantbesitzer wird es dann gefährlich, wenn die Mafia sie sogar zur Abnahme solcher Produkte zwingt. Für den, der die Lebensmittel isst, sind die Machenschaften der Mafia spätestens dann nicht mehr harmlos, wenn die Tomaten auf Sondermüll, statt auf wertvollen Böden wachsen.

Italienische MafiaBezeichnung für eine italienische Unterform des organisierten Verbrechens
UrsprungSizilien, 19. Jahrhundert
Organisationpatriarchal

Lebensmittelmafia auch in Deutschland aktiv: Geringes Risiko bei hohem Profit

Offenbar ist es gar nicht so selten, dass die Mafia in Deutschland mit gefälschten Lebensmitteln handelt. Bislang blieb das allerdings weitestgehend unbemerkt. So geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums, die der Berliner Morgenpost vorliegt, auf eine aktuelle Anfrage der Grünen hervor, dass mit dem Handel mit minderwertigen oder falsch deklarierten Lebensmitteln zwar hohe Gewinne erzielt werden könnten, das Entdeckungsrisiko sowie die Strafandrohung dabei aber vergleichsweise gering sei.

Besonders im Vergleich zu sonstigen Kriminalitätsfeldern, wie etwa der Rauschgiftkriminalität, ist das Risiko für die Lebensmittelmafia also eher gering – während die Profite hoch sind. Sicherheitsbehörden, berichtet die Zeitung weiter, rechneten diese Straftaten vor allem italienischen Mafiagruppen, wie der Ndrangheta aus Kalabrien, zu.

Mafia handelt in Deutschland mit gefälschten Lebensmitteln: „höchst alarmierend“

Wie die WAZ weiter berichtet, habe der betrügerische Handel mit Tomate, Mozzarella und Co., anders als der Drogenhandel oder die Geldwäsche, jedoch keinen Schwerpunkt in Deutschland. „Dennoch ist die Unterwanderung des Lebensmittelmarktes durch hochkriminelle Gruppen wie der Mafia höchst alarmierend“, so die Grünen-Innenexpertin Irene Mihalic gegenüber der Redaktion.

Gepanschtes Olivenöl, Champagner, der keiner ist – die Mafia ist in Deutschland auf dem Lebensmittelmarkt aktiv.

Bereits im März hatte der Journalist Oliver Meiler in einem Interview mit dem Deutschlandfunk darüber berichtet, wie sich die Mafia in die „gesamte Produktions- und Lieferketten im Lebensmittelbereich gefressen“ habe. Die Organisation bestelle die Äcker im Süden Italiens, bezahle die Plantagenarbeiter „unerhört schlecht“ und entsorge Sondermüll auf fruchtbaren Böden. Ob Olivenöl, Mozzarella oder Tomaten: Überall könne die Mafia ihre „Finger im Spiel“ haben.

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