Bio-Branche in der Krise

Bio-Supermärkte im Umsatztief – Kunden haben Chance auf besondere Schnäppchen

Die Bio-Supermärkte hatten es im Inflationsjahr 2022 besonders schwer. Denns und Alnatura äußern sich gegenüber RUHR24 zu Umsatzeinbüßen.

Dortmund – Die Bio-Branche muss aktuell eine echte Flaute einstecken. Zum ersten Mal in seiner Geschichte ist der Öko-Markt 2022 geschrumpft, trotz steigender Nachfrage in den vergangenen Jahren. Die größten deutschen Bio-Supermärkte Alnatura und Denns erklärten auf eine exklusive Anfrage von RUHR24, wie es um die Branchenführer steht.

Bio-Supermärkte im Umsatztief – Kunden treffen Preissteigerungen bei Bio-Produkten weniger stark

Im Dezember gab es für alle Bio-Fans eine echte Schocknachricht: Der Bio-Supermarkt „Basic“ meldet offiziell Insolvenz an. Doch auch andere Händler wie „Superbiomarkt“ und das Reformhaus „Bacher“ sind von der Insolvenzwelle betroffen.

Die beiden führenden Händler für ökologische Lebensmittel, Alnatura und Denns, tragen aus dem inflationsgeplagten Jahr ebenfalls „Umsatzdellen“ davon.

Gegenüber der Redaktion teilen sie mit, dass die Kaufzurückhaltung der Kunden der Hauptgrund für sinkende Umsätze sei. Discounter mit günstigerem Bio-Sortiment seien laut DPA hingegen die großen Gewinner von 2022.

Doch beide Bio-Supermärkte betonen, weiterhin auf eine treue Kundschaft bauen zu können. Denn wovon Bio-Händler während der Inflation weniger betroffen seien als Supermärkte und Discounter, sind Preissteigerungen.

„Das liegt neben kürzeren Lieferketten unter anderem daran, dass der Ökolandbau auf die Verwendung von energieintensiven Dünge- und Spritzmitteln verzichtet“, so André Mory, Leitung von Denns BioMarkt der Region NRW.

Trotzdem seien auch bei Denns Produkte aufgrund höherer Energie- und Verpackungskosten teurer geworden. Das betreffe laut Mory vor allem „Tomatenprodukte, Wein, Getreide und Rohprodukte, die weiterverarbeitet werden“ sowie „in Öl eingelegte Waren oder Backwaren“.

Denns und Alnatura im Umsatztief – „Studi-Rabatt“, Dauerpreise und „Günstige Wochenenden“

Alnatura verzeichnet erstmalig in der Unternehmensgeschichte einen Umsatzrückgang von 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das letzte Geschäftsjahr konnte am 30.09.2022 nach Angaben des Unternehmens „mit einem Umsatz von 1,12 Milliarden Euro abgeschlossen“ werden. Von Denns erhielt die Redaktion keine genauen Umsatzzahlen.

Alnatura habe gleich zu Beginn des Jahres 2022 mit attraktiven Rabattaktionen geworben, um die Kunden weiterhin vom Öko-Sortiment zu begeistern.

Bio-Supermärkte verzeichnen im Jahr 2022 Umsatzeinbüßen.

Kurzfristige und wechselnde Sonderangebote wurden durch dauerhaft niedrigere Preise ersetzt. Zudem haben alle Filialen den sogenannten „Studi-Rabatt“ eingeführt. Um gerade jüngere Menschen anzulocken, gebe es „jeden Dienstag acht Prozent Rabatt auf den gesamten Bio-Einkauf für Studierende, Schüler*innen und alle, die sich in Ausbildung befinden“, erklärt Pressesprecherin Constanze Klengel.

Denns bietet hingegen weiterhin wechselnde Angebote an. Besondere Rabatte an Aktionstagen der „günstigen Wochenenden“ sollen Kunden anwerben. Sowohl Denns als auch Alnatura berichten, dass die Schnäppchen gut bei der Kundschaft ankämen.

Kunden von Denns Bio und Alnatura reagieren laut Unternehmen mit Verständnis auf höhere Preise

Trotz der „Umsatzdelle“ zeigen sich beide Bio-Supermärkte zuversichtlich. Die Nachfrage für ökologische Lebensmittel steige im Durchschnitt eher an, auch in Dortmund und Bochum.

Wie der Denns-Leiter André Mory exklusiv gegenüber RUHR24 offenbart, reagieren die Kunden auf gegenwärtig vereinzelte Preiserhöhungen mit Verständnis. „Wir spüren, dass unsere Kund_innen trotz der erhöhten Preissensibilität Wert darauflegen, bewusst einzukaufen und sich für einhundertprozentige Bio-Qualität sowie ein ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis entscheiden“, berichtet er.

Bio-Supermärkte sind trotz Umsatztief optimistisch – Unternehmen verfolgen größeres Ziel

Eines ließ sich aus beiden Antworten der Bio-Supermärkte entnehmen: Die Unternehmen sehen im Handel von ökologischen Lebensmitteln einen Beitrag zur Bekämpfung der Klimakrise.

Denn nur durch einen bewussten und nachhaltigen Konsum könne „die größte Krise unserer aktuellen Krisen“ bewältigt werden, so der Denns-Leiter. Auch Alnatura legt nahe, dass ein Einkauf in den Märkten laut eigener Aussagen den Bio-Landbau und den Klimaschutz fördere.

Rubriklistenbild: © Norbert Neetz/Winfried Rothermei/Imago; Collage: RUHR24

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