Säugling vor 27 Jahren gezeugt

Baby nur zwei Jahre jünger als Mutter – skurriler Fall aus den USA

Künstliche Befruchtungen werden auch hierzulande bei unerfülltem Kinderwunsch immer häufiger. Besonders kurios ist jetzt ein Fall aus den USA.

Knoxville, TN – Am 26.10.2020 kam Molly Everette Gibson in Tennessee (USA) zur Welt – kerngesund und mit rund drei Kilo Geburtsgewicht. Das Unglaublich daran: Sie wäre eigentlich schon fast 28 Jahre alt – denn ihr Embryo wurde 1992 auf Eis gelegt. Bereits ihre Schwester Emma (im obigen Video) kam auf diese Weise zur Welt.

Embryonenschutzgesetz Bundesgesetz
Inkrafttreten der letzten Änderung 8. Dezember 2011
Erlassen am 13. Dezember 1990 (BGBl. I S. 2746)
Geltungsbereich Bunderepublik Deutschland
Inkraftgetreten am 1. Januar 1991

Es wäre 27 Jahre alt – „Eisbaby“ nach fast drei Jahrzehnten aufgetaut

Von dem unglaublichen Ereignis aus den USA berichtete erstmals CNN. Die Nachrichtenseite nimmt dabei Bezug auf einen Bericht von Dr. Jeffrey Keenan vom National Embryo Donation Center (NEDC) mit Sitz in Knoxville.

Auch Tina und Ben Gibson aus Tennessee können auf natürlichem Wege keine Kinder zeugen, denn Ben ist unfruchtbar. Daher entschlossen sie sich, eines der Embryonen aus dem NEDC zu „adoptieren“. In diesem Zentrum werden Embryonen für die künstliche Befruchtung eingefroren und gelagert (sogenannte Kryokonservierung).

Mollys Embryo kommt von einer anonymen Spenderin und wurde bereits 1992 eingefroren. Damit ist Molly übrigens auch nur 1,5 Jahre nach Mama Tina gezeugt worden. Erst im Februar diesen Jahres wurde ihr Embryo aufgetaut, um ihn in Tinas Uterus einzupflanzen. Gemäß der University of Tennessee Preston Medical Library ist es höchstwahrscheinlich der Embryo, der weltweit am längsten auf Eis lag.

Im gleichen Jahr gezeugt wie ihre ältere Schwester Emma – Molly bricht Rekord

Tatsächlich ist Molly bereits das zweite Baby der Gibsons, das als Embryo jahrelang eingefroren war. Ihre Schwester Emma wurde 2017 geboren. Ihr Embryo lag zuvor allerdings nur 24 Jahre lang auf Eis. Er wurde ebenso wie Mollys Embryo 1992 gezeugt.

Die glücklichen Eltern berichten am Dienstag gegenüber CNN: „Bei Emma waren wir einfach so begeistert, ein Baby zu bekommen, – bei Molly sind wir es ebenso.“ Mit Blick auf die Corona-Pandemie sei sie für das Paar „ein kleiner Funke der Freude in 2020“ gewesen. Es sei außerdem „lustig“, dass sie schon wieder einen Altersrekord gebrochen hätten.

Kryokonservierung – Embryonenalter scheint sich nicht negativ auszuwirken

Einen Embryo derart lange einzufrieren erscheint undenkbar. In der Tat ist es nicht eindeutig geklärt, ob sich die Verwendung älterer, eingefrorener Embryonen vielleicht negativ auf Mutter oder Kind auswirkt.

In seiner Pressemitteilung führt NEDC-Chef Dr. Keenan an, dass Emma und Molly das Gegenteil bewiesen – denn beide Kinder seien gesund. Er plädiert dafür, dass man ältere Embryonen nicht „wegwerfen“ dürfe.

Künstliche Befruchtungen – auch hierzulande immer häufiger

Paare, die keine Kinder bekommen können, lassen sich weltweit immer öfter künstlich befruchten. In Deutschland wurden laut Statista im Jahr 2018 mehr als 105.000 künstliche Befruchtungen durchgeführt.

Bei der künstlichen Befruchtung werden die folgenden Verfahren angewendet:

  • In-vitro-Fertilisation (IVF): Die Eizellen werden mit dem Sperma in einem Reagenzglas zusammengeführt.
  • Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI): Hierbei wird ein einzelnes Spermium unter einem Mikroskop in die vorbereitete Eizelle injiziert. Das Verfahren kommt insbesondere bei schwachen Spermien oder misslungener IVF zum Einsatz.

Am häufigsten wird hierzulande das ICSI-Verfahren durchgeführt, aber auch die In-Vitro-Fertilisation ist üblich. Wenn die Befruchtung einer oder mehrerer Eizellen gelungen ist, werden diese mithilfe eines Katheders in die Gebärmutter übertragen.

Befruchtete Eizellen auf Eis legen – was per Embryonenschutzgesetz erlaubt ist

Entstehen bei den genannten Verfahren zu viele befruchtete Eizellen, kommt auch hierzulande eine Kryokonservierung zum Einsatz. Ebenso auch zur Konservierung von Samenzellen.

Dabei werden Zellen in flüssigem Stickstoff bei minus 196 Grad tiefgefroren, wodurch sie ihre Stoffwechselvorgänge einstellen – ohne aber abzusterben. Rund 29.000 Mal wurde in Deutschland 2018 eine zuvor eingefrorene befruchtete Eizelle verwendet (sogenannter Kryotransfer).

Eine Kryokonservierung darf bei befruchteten Eizellen laut Kinderwunschzentrum Dortmund aber nur im sogenannten „Vorkernstadium“ stattfinden. Also noch bevor aus der Eizelle ein Embryo wird. Das Einfrieren von Embryonen ist laut Deutschem Embryonenschutzgesetz nicht zulässig.

Gesetzeslage zur Embryonenspende – Unterschied zwischen Eizelle und Embryo

Bei der Spende ist es genau andersrum: Eine Spende eingefrorener Eizellen im Vorkernstadium ist in Deutschland nicht erlaubt. Bei der künstlichen Befruchtung übriggebliebene Embryonen, die nicht in die eigene Gebärmutter eingesetzt werden, dürfen aber gespendet werden – jedoch nicht zu kommerziellen Zwecken.

Noch unbefruchtete Eizellen können auch für eine spätere eigene Schwangerschaft konserviert werden. Man spricht hierbei auch von „Sozial Freezing“, da es unter anderem von jüngeren Frauen angewandt wird, um sich zunächst eine Karriere aufbauen.

.

Rubriklistenbild: © Fabian Strauch/dpa