Sonderkündigungsrecht nutzen

Krankenkasse wegen Beitragserhöhung kündigen – Kunden sollten aktiv werden

Die Zusatzbeiträge der gesetzlichen Krankenkassen steigen 2023. Kunden steht bei einer Erhöhung ein Sonderkündigungsrecht zu.

Dortmund – Die Zusatzbeiträge für die gesetzlichen Krankenkassen steigen 2023 voraussichtlich auf ein Rekordniveau. Alle gesetzlichen Krankenkassen können ab dem 1. Januar 2023 ihre Beiträge erhöhen. Im Zusammenhang mit dem „Spargesetz“ von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach war zuletzt von einem Anstieg um durchschnittlich 0,3 Prozentpunkte die Rede.

Zusatzbeiträge für gesetzliche Krankenkassen werden 2023 erhöht

Der festgeschriebene, allgemeine Beitragssatz der Krankenkassen liegt derzeit bei 14,6 Prozent. Zusätzlich erheben sie einen sogenannten Zusatzbeitrag. Dessen Höhe ist abhängig von der finanziellen Lage der Krankenkassen. Ein Expertengremium schätzt für das kommende Jahr die voraussichtlichen Ausgaben und Einnahmen der Krankenkassen.

Wenn festgestellt wird, dass das Geld für die Krankenkassen nicht reicht, soll das durch den Zusatzbeitrag ausgeglichen werden. Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) berät sich mit dem Expertengremium und gibt dann einen Richtwert für die Erhöhung vor. Die Krankenkassen bestimmen aber selbst, um wie viel sie den Beitrag tatsächlich anpassen.

Gesetzliche Krankenkassen erhöhen 2023 die Beiträge deutlich

Die Anhebung des Zusatzbeitrags soll 2023 mit einem Plus von 0,3 Prozentpunkten wohl besonders stark ausfallen. Das betrifft sehr viele Deutsche und ihr Gehalt. Das Vergleichsportal Check24 errechnet durch die Erhöhung bis zu 233 Euro an jährlichen Zusatzkosten.

Krankenkassegeöffnet inZusatzbeitrag 2022
AOK NordWest - Die GesundheitskasseNordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein1,70 Prozent
BARMERbundesweit1,50 Prozent
DAK-Gesundheitbundesweit1,50 Prozent
KNAPPSCHAFTbundesweit1,60 Prozent
Techniker Krankenkassebundesweit1,20 Prozent

Denn mindestens die Hälfte der Zusatzbeiträge zahlen die Versicherten selbst. Bei Beschäftigten und Rentnern übernimmt die andere Hälfte der Arbeitgeber oder der Träger der Rentenversicherung. Selbstständige, die sich freiwillig gesetzlich versichern, tragen den komplett Zusatzbeitragssatz alleine.

Sonderkündigungsrecht für gesetzlich Versicherte bei Erhöhung von Beiträgen

Wenn die Beiträge 2023 geändert werden, kann es sich deshalb unter Umständen lohnen, zu einer günstigeren Krankenkasse zu wechseln. Dafür können Versicherte von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen. Das gilt laut Verbraucherzentrale, sobald die Krankenkasse den Zusatzbeitrag erhöht – unabhängig davon, ob man bereits 12 Monate dort versichert ist oder nicht.

Gekündigt werden kann bis zum Ende des Monats, in dem der Zusatzbeitrag erhöht wurde. Bis der Wechsel vollzogen ist, müssen Versicherte trotzdem den höheren Beitrag bei der alten Krankenversicherung zahlen.

Sonderkündigungsrecht gegenüber der Krankenkasse bei Erhöhung der Zusatzbeiträge

Das Sonderkündigungsrecht gilt unter bestimmten Umständen nicht für freiwillig Versicherte. Das sind unter anderem Besserverdienende, die freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben, obwohl sie dank ihres Bruttoverdienstes von mehr als 5.362,50 Euro im Monat eine größere Wahlfreiheit haben.

Auch Geringverdiener, wie beispielsweise Rentner, gehören laut der Verbraucherzentrale dazu. Diese Gruppe sollte die Bedingungen für eine Sonderkündigung bei ihrer jeweiligen Krankenkasse erfragen.

  • Beispiel zum Sonderkündigungsrecht
  • Erhöhung des Zusatzbeitrags der Krankenkasse: 1. Januar 2023
  • Frist für das Sonderkündigungsrecht durch den Versicherten: 31. Januar 2023 (bis dahin muss gekündigt werden)
  • Abgeschlossener Wechsel zu der neuen Krankenkasse bei Kündigungsfrist von zwei Monaten zum Monatsende: 1. April 2023

Aber Achtung: Die Krankenkasse muss seine Kundinnen und Kunden nicht explizit durch ein Schreiben darüber informieren, wenn der Zusatzbeitrag geändert wird. Sie sind bis Mitte 2023 von dieser Informationspflicht befreit. Das bedeutet, dass Versicherte genau aufpassen müssen, damit sie die Frist für das Sonderkündigungsrecht nicht verpassen. Wann ein Sonderkündigungsrecht besteht, berichtet die Kreiszeitung.

Zusatzbeiträge 2023: Welche Krankenkassen erhöhen die Zahlungen?

RUHR24 hat bei den Krankenkassen nachgefragt, wo und wann Kunden erfahren, wenn die Zusatzbeiträge geändert werden. Die Knappschaft teilt mit, man habe beschlossen, den Zusatzbeitrag 2023 nicht zu erhöhen. Er soll weiterhin 1,6 Prozent betragen. Die Versicherung sehe die Belastungsgrenze von Versicherten und Arbeitgebenden längst erreicht, heißt es in einer Pressemitteilung.

Bei der Barmer ist bisher keine Entscheidung über den Zusatzbeitrag 2023 gefallen, teilt ein Pressesprecher gegenüber RUHR24 mit. Die Finanzplanung der Barmer werde in einer Sitzung am 21. Dezember beschlossen. Eine ähnliche Situation gibt es bei der AOK und TK. Auf Nachrage heißt es: Über den künftigen Zusatzbeitrag entscheide der Verwaltungsrat im Dezember.

Krankenkassen informieren Versicherte auf eigenen Webseiten über Beitragsänderungen

Die AOK gibt an, ihre Mitglieder, sofern der Zusatzbeitrag angehoben werden sollte, unter anderem im Internet, über Social Media und über eine entsprechende Hotline oder in ihren Kundencentern zu informieren.  Auf welchem Weg Kundinnen und Kunden bei der Barmer und TK von möglichen Beitragserhöhungen erfahren, ist unklar. Die Barmer macht dazu auf Nachfrage keine Angaben. Bei der TK heißt es, man werde Versicherte dann auf „geeignetem Weg“ informieren.

Was genau das bedeutet, bleibt abzuwarten. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte zum Jahreswechsel regelmäßig die entsprechenden Webseiten der Krankenkassen im Blick haben, um sich über mögliche Beitragsänderungen zu informieren. In diesem Zeitraum sind Änderungen am wahrscheinlichsten. Aber auch im Laufe des Jahres dürfen die Krankenkassen die Beiträge anpassen.

Wer höhere Zusatzbeiträge zahlen soll, kann ein Sonderkündigungsrecht gegenüber der Krankenkasse geltend machen.

Sonderkündigungsrecht verpasst: So wechselt man die Krankenkasse

Wer die Frist für das Sonderkündigungsrecht verpasst, der kann immer noch das normale Kündigungsrecht mit einer Kündigungsfrist von zwei Monaten zum Monatsende in Anspruch nehmen. Voraussetzung ist allerdings, dass man bereits 12 Monate bei der alten Kasse versichert war (mehr Service-News bei RUHR24).

Zum Kündigen ist seit 2021 kein klassisches Kündigungsschreiben mehr nötig. Wer die Krankenkasse wechseln möchte, meldet sich einfach bei der neuen Krankenkasse an. Die weiteren Schritte für den Wechsel übernimmt die dann für einen, ähnlich wie beim Wechsel des Stromanbieters.

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