Änderungen nicht einfach hinnehmen

Krankenkassen-Beiträge werden 2021 teurer: Was Versicherte tun können

Einige gesetzliche Krankenkassen beginnen das Jahr direkt mit der Forderung nach mehr Geld. Doch Versicherte müssen sich das nicht gefallen lassen.

Dortmund – Kurz vor dem neuen Jahr 2021 haben wohl Millionen Versicherte Post ihrer Krankenkassen bekommen. Der einheitliche Tenor: „Wir erhöhen die Mitgliedsbeiträge.“ Doch Versicherte müssen diese Erhöhung nicht einfach hinnehmen. Gerade seit diesem Jahr gibt es eine Änderung, die es leichter macht, sich zur Wehr zu setzen.

VersicherungGesetzliche Krankenversicherung
BestandteilDeutsches Gesundheitssystem
Mitglieder (unter anderem)AOK, Techniker Krankenkasse, Barmer

Krankenkassen erhöhen ihre Beitrage – teilweise ist das Coronavirus Schuld

Man hätte meinen können, finanziell läuft in diesem Jahr alles rund: Der Soli wird für viele abgeschafft, Kindergeld und Hartz-IV-Sätze steigen. Außerdem geht die neue Grundrente an den Start, die als Rentenzuschlag verstanden werden kann. Doch die gesetzlichen Krankenkassen gehen in die andere Richtung und fordern jetzt mehr Geld von ihren Versicherten.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur von Finanztip und erklärt in seiner Spiegel-Kolumne, warum die großen Krankenkassen sich zu diesem Schritt entschieden haben. Demnach ist das Coronavirus mit Schuld an dieser Misere. Denn auch wenn nicht lebensnotwendige Operationen im Jahr 2020 verschoben wurden, um die Krankenhauskapazitäten zu schonen, würden diese eben im Jahr 2021 nachgeholt – und das kostet.

Wegen Corona-Krise: Krankenkassen wollen mehr Geld von den Versicherten

Darüber hinaus wurde vergangenes Jahr auf viele Krankenhausbesuche verzichtet, aus Sorge vor dem Coronavirus. Wie Tenhagen ausführt, seien im Frühjahr zeitweise 30 Prozent weniger Herzinfarkte behandelt worden – aber es gab sie natürlich dennoch. Werden Herzinfarkte oder kleine Schlaganfälle nicht behandelt, drohen gesundheitliche Folgen, die behandelt und bezahlt werden müssen.

Ein weiteres Argument für die Beitragserhöhung aus Sicht der Krankenkassen: Im Jahr 2020 waren viele Menschen wegen der Corona-Krise in Kurzarbeit oder sogar arbeitslos. Teilweise zahlen sie weniger Beitrag bei den Kassen.

Beitragserhöhung bei den Krankenkassen: Bis zu 174 Euro mehr im Jahr

Neben der Coronakrise seien laut hna.de aber auch die Gesundheitsreformen der vergangenen Jahre maßgeblich an der Beitragserhöhung* beteiligt. So mussten die Krankenkassen für das Terminservicegesetz oder die Reformen für eine verbesserte Pflege tief in die Taschen greifen. Darüber hinaus forderte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Kassen dazu auf, angesparte Rücklagen aufzulösen. Um das entstandene Finanzloch zu stopfen, wurden also die Beiträge erhöht.

Die Techniker Krankenkasse, die Barmer Ersatzkasse und AOK Plus wollen ab sofort mehr Geld von ihren Mitgliedern sehen. Knapp acht Millionen Techniker-Mitglieder müssen 0,5 Prozentpunkte mehr zahlen, sieben Millionen Barmer-Kunden müssen 0,5 Prozentpunkte berappen und die AOK Plus und die AOK Nordost verlangen 0,6 Prozentpunkte mehr. Das kann in der Spitze Mehrkosten von bis zu 174 Euro pro Jahr bedeuten, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet.

Krankenkasse wechseln: Seit diesem Jahr so einfach wie nie

Wem die Beitragserhöhung der Krankenkassen nun entschieden gegen den Strich geht, kann sich zur Wehr setzen. Ab diesem Jahr sogar noch einfacher. Denn seit Beginn des Jahres ist ein vereinfachter Wechsel zu einer anderen Krankenkasse möglich.

Ähnlich wie beim Wechsel des Stromanbieters erledigt nun die meiste Arbeit die neue Krankenkasse. Sie kümmert sich darum, dass die Mitgliedschaft bei der alten Kasse gekündigt wird und informiert den Arbeitgeber auf formellen Weg. Der Versicherte muss seinem Arbeitgeber nur formlos mitteilen, wohin er wechselt.

Krankenkasse wechseln: Verkürzte Bindefrist gibt Versicherten mehr Freiheiten

Wer jetzt Anfang Januar den Anstoß zum Wechsel gibt, kann laut Tenhagen bereits im April bei der neuen Kasse versichert sein. Beim Wechsel des Arbeitgebers geht es noch schneller: Dann kann sofort – ohne Wartezeit – die Krankenkasse gewechselt werden.

Versicherte die nach dem Wechsel nun doch nicht zufrieden sind, müssen dank neuer verkürzter Bindefrist nur noch 12 Monate ausharren und können dann erneut wechseln. Bislang waren es 18 Monate, in denen man an eine Kasse gebunden war. *hna.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Jens Kalaene/dpa

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