Krankheit auf dem Vormarsch

Ekelig! Die Krätze breitet sich aus – welche Behandlung gegen die miese Krankheit hilft

Die Krätze breitet sich in Deutschland aus. Welche Behandlung hilft gegen die fiese Krankheit, die von Krätzmilben ausgelöst wird? Das ist zu tun.

  • Die Krätze ist alles andere als vergessen – die Zahl der Fälle steigt von Jahr zu Jahr.
  • Vergangenes Jahr gab es allein in Westfalen-Lippe 43.800 Fälle.
  • Wer betroffen ist, sollte einige Tipps beherzigen, um sich nicht erneut anzustecken.

Dortmund - Allein bei dem Wort fängt es an zu jucken und zu kribbeln: Krätze. Verantwortlich für das Unwohlsein beim Klang dieser Hautkrankheit sind die ebenso klangvollen Krätzmilben. Sie bevölkern unsere Haut und machen die ganze Sache richtig unangenehm. Besonders unerfreulich: Die Zahlen der Krätze-Fälle steigen von Jahr zu Jahr.

Parasit:

Krätzmilbe

Wissenschaftlicher Name:

Sarcoptes scabiei

Höhere Klassifizierung:

Grabmilben

Unterklasse:

Milben

Krätze: Immer mehr Fälle in den letzten drei Jahren

Die Krätze (Skabies) schien lange Zeit in Vergessenheit geraten zu sein, doch nun breitet sie sich nach und nach immer weiter aus. Wie die Krankenkasse AOK Nord-West mitteilt, wurden im Jahr 2019 allein 43.800 Fälle in Westfalen-Lippe registriert. Das sind zwar nur 400 Fälle mehr als im Jahr 2018, doch ein deutlicher Anstieg ist zu erkennen, wenn man weitere zwei Jahre zurückgeht.

In 2017 lagen die Krätze-Fälle nur bei 31.500 und im Jahr 2016 sogar nur bei 18.200 Fällen. "Der Anstieg wird auch bei den Medikamenten-Verordnungen deutlich", sagt Dr. Christoph Vauth, stellvertretender AOK-Vorstandsvorsitzender. Im Vergleich zum Jahr 2016 stiegen die Verordnungen für Medikamente, die typischerweise bei der Behandlung von Krätze eingesetzt werden, allein bei den AOK-Versicherten um das Dreifache an.

Krätze: Juckreiz wird durch Parasiten in der Haut ausgelöst

Das geht auch ins Geld: Laut AOK lagen die Gesamtausgaben für Medikamente gegen Krätze 2019 bei rund 3,1 Millionen Euro und damit über 36 Prozent höher als noch ein Jahr zuvor. Aber die entstehenden Kosten dürfte bei den Betroffenen erstmal zweitrangig sein.

Viel mehr Aufmerksamkeit fordert doch die Hautkrankheit selbst – durch unangenehmes Jucken und Kribbeln ist sie auch nicht gerade zurückhaltend. Verantwortlich dafür sind Parasiten, die sich Krätzmilben nennen und die Haut besiedeln.

Krätze greift die Haut an – es kommt zu Entzündungen

Neben dem Juckreiz leiden Betroffenen meist auch unter schuppig-krustiger Haut mit kleinen Knötchen. Zudem wird die Haut durch den starken Juckreiz oft blutig gekratzt. 

Fühlen sich die Krätzmilben richtig heimisch in der Haut, reagiert unser Immunsystem auf die ungebetenen Besucher und es kommt zu entzündlichen Prozessen mit den typischen Hautveränderungen. Das Fatale: Die Übertragung einer einzigen Milbe reicht aus, um Krätze auszulösen.

Wenn die Krätze überstanden ist, können Narben zurückbleiben.

Krätze wird nicht nur über Hautkontakt übertragen – auch eine indirekte Übertragung ist möglich

Oft wird Krätze mit mangelnder Hygiene in Verbindung gebracht, aber das muss nicht unbedingt der Fall sein. Oft wird die fiese Hautkrankheit über einen längeren Haut-zu-Haut-Kontakt zu anderen Menschen übertragen – dieser muss allerdings ziemlich eng und großflächig sein und fünf bis zehn Minuten andauern.

Das bedeutet: Beim Händeschütteln, bei Umarmungen oder bei einer Untersuchung von Patienten mit gewöhnlicher Skabies besteht kein großes Risiko der Ansteckung. Aber auch eine indirekte Übertragung der Milben ist möglich.

Über Kleidung, Handtücher oder Bettwäsche kann man sich die fiesen Krätzmilben auch einfangen. So kann es auch in Kindergärten, Gemeinschaftseinrichtungen oder in Alten- und Pflegeheimen zu Ansteckungen kommen.

Krätze ist gut behandelbar – aber das allein reicht meist nicht aus

Treten die typischen Krätze-Symptome auf, sollten Patienten unbedingt einen Arzt aufsuchen. Die gute Nachricht: Krätze lässt sich in der Regel gut behandeln. Dazu werden häufig spezielle Cremes oder Tabletten verschrieben, die die Milben abtöten. Zur Nachbehandlung der entzündeten Haut gibt es weitere Cremes, die verschrieben werden.

Aber das allein reicht nicht aus. Um eine erneute Ansteckung mit den kleinen Spinnentieren zu vermeiden, müssen zusätzliche Maßnahmen getroffen werden. Sie verringern das Risiko sich erneut mit den Milben anzustecken:

  • Häufiges Duschen oder Baden und ein guter Immunstatus erschweren die Vermehrung der Milben.
  • Kleidung, Bettwäsche und Handtücher sollten täglich gewechselt werden und wenn möglich bei 60 Grad gewaschen werden.
  • Können bestimmte Materialien nicht bei 60 Grad gewaschen werden, ist es ratsam, diese für mindestens zwei Stunden im Gefrierschrank bei mindestens Minus 25 Grad aufzubewahren.
  • Nicht waschbares Spielzeug sollte zwei Wochen lang luftdicht verpackt werden.
  • Polstermöbel und Matratzen sollten täglich abgesaugt werden.

Krätze ist ein Fall für das Infektionsschutzgesetz

Bei einer Krätze-Infektion gilt übrigens das Infektionsschutzgesetz. Demnach dürfen Erkrankte Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen oder Kindergärten vorübergehend nicht besuchen oder dort tätig sein. Zudem müssen Betroffene die Gemeinschaftseinrichtungen über die Erkrankung und auch über den Verdacht informieren (mehr Service-News bei RUHR24.de).

Die Gemeinschaftseinrichtung wiederum informiert das zuständige Gesundheitsamt über die Erkrankung. Das Gesundheitsamt oder der behandelnde Arzt legt fest, wann der Betroffene die Gemeinschaftseinrichtungen wieder besuchen darf.

Rubriklistenbild: © AOK/hfr

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