Greenpeace prüft 664 Produkte

Kosmetik im Test: Bekannte Make-up-Marken enthalten bedenklichen Kunststoff

Plastik ist Bestandteil der meisten Kosmetik – das hat ein aktueller Test von Greenpeace ergeben. In Dreiviertel aller Produkte weist die Organisation Kunststoff nach.

Deutschland – Ein aktueller Greenpeacebericht zeigt: Dreiviertel der Kosmetik-Produkte enthalten Kunststoffe. Getestet haben die Umweltschützer mehr als 600 Produkte elf bekannter Kosmetik-Riesen. Die größten Konzerne der Branche haben ihren Sitz in Deutschland, Frankreich und Italien. Das ernüchternde Ergebnis: Auch die Marken, die deklarieren, dass sie ihre Produkte frei von Mikroplastik seien, verwenden Kunststoff – und zwar in flüssiger Form.

Greenpeacetransnationale politische Non-Profit-Organisation
HauptsitzAmsterdam, Niederlande
Gründung1971, Vancouver, Kanada

Kunststoff in Kosmetik: Mikrosplastik ist eines der größten Umweltprobleme

Die Verschmutzung der Umwelt – insbesondere der Meere – mit Plastik ist eines der größten Probleme unserer Zeit. Denn Plastik ist mittlerweile in sämtlichen natürlichen Ökosystemen vorhanden. Man findet es überall: in der Arktis, in den Ozeanen – aber auch in unserer Nahrung. Sogar in menschlichem Blut und Gewebe wurde es schon nachgewiesen.

Das Thema „Mikroplastik in den Meeren“ hat mittlerweile auch in die Lehrpläne der Sekundarstufe geschafft. Insbesondere in der jüngeren Generation wächst immer mehr das Bewusstsein für die Problematik. Genug getan wird allerdings noch lange nicht – wie jetzt der aktuelle Bericht der Organisation Greenpeace erneut belegt (mehr Testberichte auf RUHR24.de).

Erklärgrafik: Der Mikroplastik-Kreislauf

Kosmetik im Plastik-Test: Diese bekannten Marken stellt Greenpeace auf den Prüfstand

Von Greenpeace auf den Prüfstand gestellt wurden insgesamt 664 Produkte, darunter Make-up, Puder, Highlighter, Augen-Make-up, Lippenstift und Lipgloss. Unter den elf Marken, die untersucht wurden, sind teure Marken ebenso wie günstige.

Produkte der folgenden Labels wurden auf Inhaltsstoffe aus Plastik hin geprüft:

  • L’Oréal
  • Lancôme
  • Maybelline
  • Catrice
  • Essence
  • Deborah
  • Kiko
  • Lush
  • Nyx
  • Sephora
  • Wycon

Kosmetik im Test: Dreiviertel der Produkte enthalten Plastikteile oder flüssige Polymere

Unter Mikroplastik versteht man meistens feste Kunststoffteilchen mit einem geringen Durchmesser von unter 5 mm. Wie Greenpeace erklärt, wird aber auch flüssiges Plastik – wie es auch in vielen Kosmetika zu finden ist – immer mehr zum Problem. Auch das Verbrauchermagazin Öko-Test verweist seit Längerem auf die Problematik von flüssigem Plastik in Kosmetik. Daher prüft Öko-Test die Kosmetikprodukte, wie beispielsweise Mizellenwasser, in zahlreichen Tests auch auf synthetische Polymere.

Im aktuellen Test von Greenpeace wurden die Produkte auf insgesamt 530 Polymere hin untersucht – davon waren 16 feste Plastikarten und 514 flüssige. Das ernüchternde Ergebnis des Textes: In 76 Prozent aller Kosmetikartikel sind Kunststoffe enthalten – in 26 Prozent sogar feste Partikel, also Mikroplastik im engen Sinne.

Kunststoff in Kosmetik: Das sind die größten „Plastik-Sünder“

Von den genannten Marken ist zugleich keine komplett „plastikfrei“. Jede der Marken verwendet in mehr als 60 Prozent aller Produkte auch Inhaltsstoffe aus Kunststoff.

Die fünf Marken mit dem höchsten Anteil an Produkten, die Plastik enthalten, sind:

  • Maybelline (Plastik in 85 Prozent aller getesteten Produkte)
  • Deborah (Plastik in 84 Prozent aller getesteten Produkte)
  • Sephora (Plastik in 83 Prozent aller getesteten Produkte)
  • Wycon (Plastik in 78 Prozent aller getesteten Produkte)
  • Lancôme (Plastik in 77 Prozent aller getesteten Produkte)

Greenpeace warnt: Kunststoff befindet sich insbesondere in vielen Lippen- und Augen-Produkten

In seinem Test deckt Greenpeace einen weiteren beunruhigenden Umstand auf. So verweisen die Umweltschützer darauf, dass sich Plastik ausgerechnet in solchen Kosmetikprodukten vermehrt befände, die mit sensiblen Körperteilen wie Augen und Lippen in Kontakt kommen.

So befindet sich das meiste Plastik in Augen Make-up (90 Prozent), gefolgt von Lippenstift und Lipgloss (73 Prozent), Make-up (71 Prozent), Highlighter (66 Prozent) und Puder (51 Prozent).

Die „ungeschminkte Wahrheit“: Kunststoff wird eingeatmet, verschluckt und gelangt in die Meere

Greenpeace warnt, dass dieses „besonders beunruhigend“ sei, da es so verschluckt oder eingeatmet werden könne. Es gebe dabei mittlerweile Hinweise dafür, dass die Kunststoffe in Form von kleinsten Nanopartikeln auch Barrieren wie die menschliche Plazenta überwinden könnten.

„Die ungeschminkte Wahrheit ist, dass wir uns regelmäßig Plastik auf das Gesicht schmieren. Sei es in Form von Make-up, Puder oder Lippenstift,“ erklärt Lisa Panhuber, Konsumexpertin bei Greenpeace in Österreich. Und weiter: „Was das für unsere Gesundheit bedeutet, ist bislang noch nicht geklärt.“

Beim Duschen oder Waschen gelangt das Plastik aus Kosmetikprodukten außerdem massenhaft in Flüsse und Meere. Klar ist: Da es über Kläranlagen nicht gefiltert wird, verbleibt es dort viele Jahrzehnte. Über die tatsächlichen Auswirkungen, die es dort hat, weiß man aber ebenso noch viel zu wenig.

Kunststoff in Kosmetik: Bislang gibt es nur ein „freiwilliges Verbot“

Seit Langem wird von Umweltschützern ein Verbot von Kunststoff in Kosmetikprodukten verlangt. Auf EU-Ebene wird derzeit ein Verbot von zugesetztem Plastik in Kosmetikartikel verhandelt. Bislang gibt es in Deutschland lediglich eine freiwillige Selbstverpflichtung der Firmen zum Verzicht auf Mikroplastik, kein klares Verbot.

Mit Blick auf die Inhaltsstoffe in Kosmetika müsse ein solches zukünftiges Verbot unbedingt auch flüssige Formen von Kunststoff umfassen, meint. Lisa Panhuber von Greenpeace Österreich. Den Fokus nur auf Mikroplastik zu legen, reiche nicht aus.

Plastik in Kosmetik vermeiden – das ist gar nicht so einfach

Dass Plastik in zahlreichen Kosmetik- und auch Körperpflegeprodukten steckt, ist mittlerweile vielen Verbrauchern bewusst. Kunststoff sorgt hier beispielsweise für einen Peeling-Effekt oder ermöglicht den gewünschten Glanz oder die Konsistenz eines Produktes.

Mit steigendem Bewusstsein für die Problematik versuchen allerdings auch immer mehr Menschen, solche Inhaltsstoffe zu vermeiden. Das ist gar nicht so einfach, denn Plastik verbirgt sich hinter den verschiedensten Bezeichnungen. Ein Hinweis darauf geben die Wortteile „Poly-“ oder „Nylon-“, die Teil vieler INCI-Bezeichnungen von Inhaltsstoffen aus Plastik sind – beispielsweise Polyethylen, Polyurethan-Crosspolymer-1  oder Polyamid (Nylon-5).

„Mikroplastikfrei“ heißt nicht „frei von Plastik“ – Greenpeace fordert klare Gesetze

Besonders problematisch in Bezug auf die Kennzeichnung der Produkte: Marken, die deklarieren, ihre Produkte seien mikroplastikfrei umfassen damit lediglich die festen Formen von Kunststoff. So wurde auch in Produkten, auf denen „frei von Mikroplastik“ steht, im Test Plastik nachgewiesen. Da es keine offizielle Definition von Mikroplastik gebe, könne jeder Hersteller eigentlich selbst festlegen, was er unter dem Begriff verstehe, erklären die Umweltexperten.

Die klare Forderung der Nicht-Regierungs-Organisation: Die großen Kosmetikkonzerne müssten die Verwendung von Plastik jeder Art in ihren Produkten stoppen. Und dazu sei eine gesetzliche Regelung auf europäischer Ebene notwendig, die dieses untersage.

Rubriklistenbild: © Roland Weihrauch/dpa

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