Kommentar

Weihnachtsbeleuchtung muss ausbleiben – schwarzes Fest ist längst überfällig

Deutschland steckt in einer massiven Energiekrise. Ein guter Zeitpunkt, die opulente Weihnachtsbeleuchtung im Keller zu lassen, findet RUHR24-Redakteur Florian Forth.

Dortmund – Die Stromversorger müssen ihre Preise deutlich erhöhen. Die Menschen in Deutschland fürchten daher, die massiven Gas- und Stromrechnungen kaum noch bezahlen zu können. Die Lage in der Energie-Krise ist dramatisch. Wenn wir schon sparen müssen, dann auch richtig, oder? Da kommt der Ruf der Deutschen Umwelthilfe nach weniger Weihnachtsbeleuchtung geradezu schmerzhaft pünktlich.

Weniger Weihnachtsbeleuchtung in Deutschland: „Kleinvieh macht auch Mist“

So kritisch man manche Vorstöße der Umweltschützer auch finden mag, dieser hier ist durchaus eine Überlegung wert. In einem Facebook-Post regt der Verein am Montag (26. September) an: Kommunen sollten prüfen, ob sie bei der Festbeleuchtung für Weihnachten Energie einsparen können: „Auch Lichterketten und Co. sind Stromfresser, deren Einsatz mitten in einer Energiekrise unbedingt hinterfragt werden muss“, steht dort.

Für die Umwelthilfe, die sonst gerne mal General-Verbote deutscher Kulturgüter wie Verbrennungsmotoren oder Silvesterfeuerwerk fordert, klingt dieser Wunsch nach weniger Weihnachtsbeleuchtung beinahe enttäuschend. Logisch: Niemand möchte den Menschen das gemütliche Jahresende verhageln oder die Schausteller um ihr Geschäft bringen. Aber das ist auch nicht nötig.

Doch einige Städte schalteten Reklame-Tafeln und Beleuchtungen eher zögerlich ab. Das Argument: In anderen Bereichen seien der Verbrauch und somit auch das Sparpotenzial viel größer. Etwa in Hallenbädern oder den bislang auf 20 Grad geheizten Amtsstuben und Schulen.

Das stimmt zwar, doch Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist. Vor allem dann, wenn viele mitmachen. Deshalb rief der Städte- und Gemeindebund NRW Kommunen wie Bürger bereits Ende Juni dazu auf, „Energie einzusparen, wo es nur geht“. Das macht sich auch finanziell bemerkbar: Kostet der Betrieb einer Lichterkette zu Hause vielleicht nur ein paar Euro im Monat, zahlen Städte für das Spektakel schnell viele Tausend Euro.

„LED-Teppiche in den Fußgängerzonen verbrauchen unnötig viel Strom“

Zahlen zum Stromverbrauch bei der Beleuchtung von Städten sind rar. Oft machen etwa Leuchtreklamen, Beleuchtungen in Geschäften oder von Fassaden nur einen Bruchteil des Jahresverbrauchs aus. Klar ist hingegen: Bei unnötig angestrahlten Kirchen und Rathäusern schalten wir wegen der Energiekrise nachts selbstverständlich das Licht aus.

Tausende Straßen in Deutschland werden zu Weihnachten beleuchtet. Ist das wirklich nötig?

Dabei verbrauchen die LED-Teppiche in den Fußgängerzonen den gesamten Dezember über genauso unnötig Strom, wie Leuchten im Fenster und an den Dächern von Privatleuten. Mann muss sich fragen, ob sie in diesem Umfang für ein gelungenes Weihnachtsfest wirklich nötig sind. Und wenn man sie zu Weihnachten schon aufhängt, müssen sie dann immer gleich wochenlang durchbrennen? Städte wie Dortmund haben darauf bereits eine Antwort gefunden.

Vielleicht ist weniger in diesem Winter wirklich mehr, auch unter dem heimischen Weihnachtsbaum. Weniger Stromverbrauch, dafür mehr Besinnung auf das Problem: Dass wir in einer echten Krise stecken, die so schnell wohl nicht vorübergehen wird. Und dann passt es ja auch irgendwie wieder zu Stimmung, dass es zu den Festtagen eine Weile etwas dunkler wird. Es müssen ja nicht gleich schwarze Weihnachten werden. Gedimmte Weihnachten tun es auch.

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