Interaktive Grafik

Klimawandel-Folgen in Deutschland – diese Städte werden bei 1,5 Grad überflutet

Eine Folge des Klimawandels ist der Anstieg des Meeresspiegels. Eine interaktive Grafik zeigt, welche Städte in Deutschland besonders betroffen sind.

Dortmund – „Der Klimawandel ist die Krise unseres Lebens, wenn wir sie nicht lösen, gehen wir unter“, so António Guterres, Chef der vereinten Nationen zum Auftakt der Weltklimakonferenz 2022 (COP27). Auch die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock mahnte, dass die Menschheit auf einen Abgrund zusteuert, wenn es ihr nicht endlich gelingt, in Sachen Klimaschutz wirklich anzupacken.

Erderwärmung steuert auf 1,5 Grad zu – Klimawandel hat auch in Deutschland Folgen

Auch wenn der Klimawandel inzwischen in vielen Ländern bereits deutlich aufgrund von Dürre- oder Hochwasserkatastrophen sowie anderen Wetter-Extremen spürbar ist, ist die Klimaerwärmung für viele Menschen immer noch ein abstraktes, nicht greifbares Thema.

Dabei drängt die Zeit, das 2015 auf der Weltklimakonferenz beschlossene Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu limitieren, umzusetzen. Denn auch wenn die aktuelle Energie-Krise, die Folgen von Ukraine-Krieg und Corona-Pandemie nicht schon genug Probleme mit sich bringen würden, ist langfristig gesehen, der Klimawandel doch die existentiellste Krise für die Menschheit.

1,5 Grad Erderwärmung nicht mehr zu stoppen – 3 Grad „wären eine Katastrophe“

Die Einschätzung vieler Experten, darunter unter anderem auch die des deutschen Klimaforschers Mojib Latif, sieht jedoch düster aus: Mit den aktuellen Ambitionen ist das 1,5 Grad-Ziel nicht mehr zu erreichen. „Nimmt man das, was die Politik weltweit derzeit macht, sind wir eher auf dem Kurs drei Grad“, so Latif. Und das wäre laut dem Wissenschaftler eine Katastrophe, wie ntv berichtet.

Wenn nun aber laut den Experten das 1,5 Grad-Ziel kaum oder nicht mehr zu erreichen ist, sollte man jetzt damit beginnen, sich mit den Folgen zu beschäftigen. RUHR24 hat sich deshalb gefragt, was es konkret für Deutschland bedeuten würde, wenn die Erderwärmung Richtung 1,5 Grad steuert.

Klimawandel mit Folgen: Meeresspiegel steigt an – auch in Deutschland

Eine wesentliche Folge des Klimawandels ist - neben Hitze- und Dürreperioden oder Extremwetterereignissen - der Anstieg des Meeresspiegels. Warum? Wenn die Atmosphäre sich erwärmt, schmelzen Gletscher sowie das Grönland- und Antarktiseis. Das heißt, es fließt mehr Wasser in die Meere.

Ein zweiter Aspekt ist der thermale Anstieg. Kurz erklärt: Nicht nur die Atmosphäre erwärmt sich, sondern auch das Wasser. Und wärmeres Wasser hat ein größeres Volumen, was ebenfalls den Meeresspiegel steigen lässt.

Die Erklärung ist aufs Wesentliche heruntergebrochen und der Anstieg des Meeresspiegels ist ein komplexes System, das noch von anderen Faktoren beeinflusst wird. Aus dem Bericht des Weltklimarats der Vereinten Nationen (IPCC) geht aber deutlich hervor, dass der Klimawandel den Wasserstand der Meere steigen lässt und sich der Anstieg durch die vom Menschen ausgestoßenen Treibhausgase noch beschleunigt.

Grafik zeigt: Folgen des Meeresspiegelanstiegs in Deutschland bei 1,5 Grad Erderwärmung

Das Fatale: Auch wenn jetzt sofort weltweit wirksame Klimaschutzmaßnahmen ergriffen werden würden, wird sich der Anstieg des Meeresspiegels laut Greenpeace vorerst nicht mehr aufhalten lassen. Es ließe sich jedoch begrenzen, wie weit er bis zum Jahre 2100 ansteigt. Denn aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass der globale Wasserstand mindestens bis zu diesem Zeitpunkt zunehmen wird.

Die US-amerikanische Organisation Climate Central wertet diesbezüglich Daten aus und bereitet diese in entsprechenden Grafiken auf. Eine animierte Grafik zeigt den Anstieg bei 1,5 Grad und bei 3 Grad Erderwärmung in der Zukunft – auch in Deutschland.

Deutschland spürt Folgen des Klimawandels: Diese Städte wären bei 1,5 Grad überflutet

Bei der Animation kann der Temperaturanstieg individuell eingestellt werden. Der Regler startet bei der Erderwärmung von 1,5 Grad – als Maximalwert können 5 Grad eingestellt werden. Auf einer Karte sieht man parallel, wie sich der Anstieg des Meeresspiegels auswirken würde. Entsprechende Regionen sind rot eingefärbt. Eine andere interaktive Karte zeigt, wie der Meeresspiegel im Laufe der Zeit sich verändert.

Eine interaktive Grafik von Climate Central zeigt die Folgen des Meeresspiegelanstiegs in Deutschland.

Bei einer Erderwärmung von 1,5 Grad ist deutlich zu sehen, viele deutsche Regionen werden dann zu Teilen unter Wasser stehen oder überflutet sein. Auch in der Zeit-Grafik ist zu erkennen, dass schon im Jahre 2030 insbesondere einige Städte in Norddeutschland mit einem steigenden Meeresspiegel zu kämpfen haben.

Klimawandel in Deutschland – 1 Million Menschen vom Meeresspiegelanstieg betroffen

Betrachtet man die Küstenregion in Deutschland – insbesondere den Norden und Nordwesten – sieht es verheerend aus. Bei einer Erderwärmung von 1,5 Grad treten laut den Auswertungen von Climate Central Weser und Elbe nach und nach über die Ufer – und überfluten so auch langfristig die Großstädte Bremen und Hamburg. Insbesondere die wassernahen Stadtviertel, wie beispielsweise die Hafencity und die Speicherstadt in Hamburg oder Wohngebiete rund um den Stadtgraben in Bremen wären dann stark überflutet.

Aber auch die Nordseeinseln, die Touristenziele Sankt Peter-Ording, Büsum und Husum sowie die Städte Wilhelms- und Bremerhaven würden deutlich unter dem Anstieg des Meeresspiegels leiden. Auf der animierten Grafik von Climate Central sind sie bei einer Erderwärmung von 1,5 Grad rot eingefärbt – heißt: bis hier dehnt sich der Meeresspiegel aus.

Städte unternehmen Maßnahmen gegen den Klimawandel – aber das reicht nicht lange

Karen Wiltshire, stellvertretende Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts am Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, rechnete gegenüber Focus vor, dass durch den Anstieg des Meeresspiegels vier Prozent der Staatsfläche in Deutschland gefährdet wären. Für eine Million Menschen würde es in den nächsten 100 Jahre gefährlich werden.

In den betroffenen Regionen ist man sich der Situation durchaus schon jetzt bewusst und es werden Vorbereitungen gegen die Folgen des Klimawandels getroffen: Vor Bremerhaven gibt es beispielsweise Klimadeiche, in Hamburg die Fluttore. Laut Wiltshire werden diese Maßnahmen jedoch nicht ewig ausreichen und an ihre Kapazitätsgrenzen kommen. Die Deiche seien außerdem nur auf 100 Jahre ausgelegt, höher könne man sie allerdings nicht bauen, da sie sonst zu schwer werden und wieder einsinken.

Die Expertin hält also fest: Die genannten Städte werden große Probleme bekommen und es kann der Fall eintreten, dass man ganze Orte irgendwann aufgeben muss. Aber immerhin dauert das laut ihrer Einschätzung noch eine Weile. Die interaktive Grafik sowie die Einschätzung der Experten zeigt jedoch deutlich: Es ist höchste Zeit an morgen zu denken und etwas zu tun, um die Erderwärmung zu begrenzen.

Rubriklistenbild: © YAY Images/Imago, Screening Tool/Climate Central, Collage: RUHR24

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