Nicht nur wegen Corona

Klima-Extrem lässt beliebtes Produkt auch in deutschen Supermärkten deutlich teurer werden

Wegen der Corona-Pandemie sind viele Dinge teurer geworden. Nun sorgt aber noch ein ganz anderes Problem dafür, dass die Preise steigen.

Deutschland – Die Corona-Pandemie hat dafür gesorgt, dass Rohstoffe wie Metall oder Holz in den vergangenen Monaten deutlich teurer wurden. Auch Grundnahrungsmittel wie Weizen oder Soja sind von einem Preis-Anstieg betroffen. Die Folge sind höhere Preise in den Supermärkten. Und nun müssen sich Verbraucher wohl auf einen weiteren Preis-Hammer einstellen, der aber nicht nur mit Corona zu tun hat.

LebensmittelKaffee/Kaffeebohnen
Größter ExporteurBrasilien
Erntemengecirca drei Millionen Tonnen pro Jahr

Kaffee wird in Deutschland deutlich teurer: Vor allem Supermärkte vom Preis-Anstieg betroffen

Aufgrund von wetterbedingten Ernte-Ausfällen in Brasilien steigen die Preise für Kaffeebohnen derzeit rasant an. Kaffeeröster müssen laut RTL für den Rohstoff schon bis zu 80 Prozent mehr bezahlen. Die Folge: Kaffee wird deutlich teurer (mehr Nachrichten zu Supermärkten und Discountern auf RUHR24).

Auswirkungen hätte der Preis-Anstieg bei den Kaffeebohnen vor allem auf die Supermärkte, sagt ein Kaffee-Händler und scherzt: „Da zahlt man für den Kaffee und etwas Verpackung. Bei Starbucks werden die Preise wohl nicht so stark steigen, da man dort mehr für den Laden, das WLAN und das Erlebnis zahlt.“ An der Rohstoffbörse hat der Kaffeepreis im vergangenen Monat bereits um fast 20 Prozent auf jetzt 1,55 Euro pro britisches Pfund zugelegt.

Winter-Einbruch in Brasilien führt zum schnellen Tod vieler Kaffeebäume im Land

Normalerweise ist das milde und vor allem tropische Klima in Brasilien perfekt für Kaffeebäume: Durch die Feuchtigkeit und die Wärme können sie optimal gedeihen. Aber nicht in diesem Jahr. Derzeit wird das südamerikanische Land von der heftigsten Kälte-Welle seit Jahren heimgesucht.

Die Brasilianer freut das seltene Natur-Phänomen: Vor dem schweizerisch angehauchten Touristenörtchen Campos do Jordão bildete sich unlängst ein langer Stau, weil die Einheimischen die Winter-Idylle genießen wollten. Für die Pflanzen hingegen ist das ungewöhnlich kalte Wetter Stress pur.

Vor der Kälte kam die Dürre: Wetter-Extreme wirken sich negativ auf die brasilianische Landwirtschaft aus

Und das ist längst nicht das ganze Unheil: Vor dem Winter-Einbruch erlebte Brasilien im Juni die schlimmste Dürre seit 91 Jahren. Vielerorts wurde das Wasser für Anwohner und die Landwirtschaft extrem knapp. Das Problem: Die Landwirtschaft macht in Brasilien etwa 30 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP) aus.

Schon im Juni prophezeite der brasilianische Ökologe der Universität von Brasilia, Jose Francisco Golcalves, gegenüber der Financial Times, dass sich die Dürre negativ auf die Rohstoffe des Landes auswirken könnten. Damals konnte noch niemand ahnen, dass nach der Dürre der Schnee kommen würde. Die Kälte hat den Kaffeebäumen nun den Rest gegeben.

Kaffee wird jetzt teurer: Viel zu wenig Kaffeebäume produzieren noch Bohnen

Stirbt ein Kaffeebaum ab, dauert es mindestens sieben Jahre, bis ein neuer die gleiche Anzahl an Kaffeebohnen produziert wie vorher. Bedeutet im Umkehrschluss: Die Nachfrage ist höher als das Angebot. Die Folge ist ein Preis-Anstieg, der sich vor allem bei den Verbrauchern bemerkbar macht. Ende Juli hatten die Kaffee-Sorten Arabica und Robusta den höchsten Preis seit drei Jahren erreicht.

Dem brasilianischen Branchenverband Abic zufolge müssen die heimischen Kaffeeröster aktuell rund 80 Prozent mehr für Kaffeebohnen zahlen als zum Jahreswechsel. „Historisch spiegeln sich signifikante Preisveränderungen in den Marktpreisen für Verbraucher wider“, stellt der Kaffee-Konzern JDP Peet‘s fest, zu dem die deutsche Marke „Jacobs Kaffee“ gehört.

Brasilien hat wegen Corona Probleme, seinen Kaffee nach Deutschland zu verschiffen

Neben den Ernte-Ausfällen sorgen auch Lieferschwierigkeiten für die höheren Preise beim Kaffee. Durch die Corona-Pandemie wurden die globalen Lieferketten ordentlich durcheinander gebracht, wodurch aktuell nicht jedes Land ausreichend Container für seine Exporte hat. In Brasilien sind die Container momentan besonders knapp.

Und selbst wenn man einen der wenigen Container bekommt, ist es schwierig, diesen auf ein Schiff zu bekommen, erläutert Thiago Cazarini, Kaffee-Händler im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. „Brasilien ist derzeit logistisch eine Katastrophe“, stimmt ein Importeur aus den Vereinigten Staaten zu.

Koffein-Junkies müssen jetzt stark sein: Das Wetter und Corona treiben die Preise für Kaffee in die Höhe.

Wetter und Corona sorgen in Deutschland für Preis-Anstieg bei Obst und Gemüse

Brasilien ist der größte Kaffee-Exporteur der Welt. Nirgends wird so viel Kaffee produziert, verschifft und angebaut wie dort. Und Deutschland ist einer der weltweit größten Abnehmer des brasilianischen Kaffees. Es ist also stark davon auszugehen, dass die Preise hierzulande ansteigen werden.

Dass sich das Wetter und die Corona-Pandemie negativ auf die Preise von Lebensmitteln auswirken, zeigte unlängst eine Preis-Erhöhung von Gemüse aus dem Ausland. Vor allem Paprika und Lauchzwiebeln waren für deutsche Verbraucher deutlich teurer geworden.

Rubriklistenbild: © Fabian Sommer/dpa

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