Dramatische Entwicklung

Corona-Mutationen in Kitas: Situation spitzt sich zu – bleiben Schulen länger dicht?

Die Lage in deutschen Kitas spitzt sich weiter zu. Nachdem am Mittwoch erste Fälle von Mutationen in Freiburg bekannt wurden, trifft es jetzt auch vier NRW-Kitas.

Deutschland – Sorge um die Situation in Schulen und Kitas: Mittlerweile sind in mehreren Einrichtungen in Deutschland Mutationen des Coronavirus nachgewiesen worden. Die Pläne, Bildungseinrichtungen im Februar wieder zu öffnen sind damit ganz schön durcheinander geraten.

Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-WestfalenOberste Landesbehörde
HauptsitzDüsseldorf
BehördenleitungYvonne Gebauer (54, FDP)

Alarmierende Meldungen: In mehreren Kitas Fälle von Corona-Mutationen nachgewiesen – auch in NRW

Für alle, die auf baldige Schulöffnungen in Baden-Württemberg gehofft hatten, hätte der Zeitpunkt schlechter nicht sein können: Eine halbe Stunde bevor der Baden-Württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (72, die Grünen) am Mittwoch (27. Januar) die Öffnung von Grundschulen in seinem Bundesland verkünden wollte, erreichte ihn die erschreckende Nachricht: In einer Freiburger Kita wurde die südafrikanische Mutation nachgewiesen.

Und seitdem reißen die Meldungen nicht ab. Mittlerweile gibt es weitere Fälle in einer Kita Lörrach. Und auch NRW ist betroffen: In insgesamt vier Kitas in Köln wurde die britische Variante B.1.1.7 nachgewiesen (Stand 29. Januar). Scheinbar ist die Ansteckungsgefahr für Kinder insbesondere durch die Mutanten tatsächlich stärker als bislang angenommen. Aber was heißt das jetzt für die Schul- und Kitaöffnungen, auf die viele Eltern so dringend hoffen?

Nachweis von Corona-Mutanten in Freiburger Kita: Winfried Kretschmann stoppt Schulöffnungen

Zumindest in Baden-Württemberg heißt die Antwort: Sie sind erstmal vom Tisch – mindestens bis zum 21. Februar. Weitere Entscheidungen sind aufgrund der neuen Gefahrenlage vertagt. Und das, obwohl Winfried Kretschmann bislang als starker Fürsprecher für frühe Öffnungen aufgetreten ist. Baden-Württemberg wollte als erstes Bundesland im Alleingang den Betrieb in Schulen und Kitas wieder aufnehmen.

Im ZDF bei der Talkshow von Markus Lanz verlor er sogar auf diesen Alleingang angesprochen sichtlich die Fassung. Da erscheint es fast ironisch, dass nun die ersten Fälle der Corona-Mutationen in Kitas ausgerechnet in diesem Bundesland auftreten. Mittlerweile steht dabei fest, dass mindestens 18 der insgesamt 24 Corona-Infektionen in der betroffenen Kita von der südafrikanischen Virusmutante verursacht wurden.

Ansteckungsgefahr von Kindern überraschend? Politische Statements nicht zu verstehen

Die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (56, CDU) zeigte sich von den Ausbrüchen „völlig überrascht“. Und weiter: Die Ausbrüche hätten sie „vor eine völlig neue Situation gestellt“. Ihre Aussage ist nicht zu verstehen, da Politiker und Mediziner seit Wochen vor der neuen Gefahr durch die Mutationen warnen.

Ebenfalls war abzusehen, dass durch die häufigere Sequenzierung auch mehr Fälle aufgedeckt werden. Dass das Mantra, Kinder seien „keine Treiber der Pandemie“ so nicht mehr haltbar ist, wurde mittlerweile auch mehrfach in den Medien aufgegriffen.

Corona-Gefahr für Kinder: Zahlreiche Studien belegen mittlerweile höhere Ansteckungsraten

So gibt es mittlerweile zahlreiche Studien, die die Ansteckungsgefahr von Kindern belegen. Insbesondere Virologe Christian Drosten verweist seit Langem darauf, Kinder seien zwar nicht ansteckender, aber ebenso ansteckend.

So sei insbesondere die britische Mutante zunächst vor allem von Kindern verbreitet worden – sie sei bei weiter geöffneten Schulen auf einer regelrechten „Schulwelle gesegelt“.

Schule in Corona-Zeiten: Fälle von Mutationen in Kitas stellen Bildungspolitik vor neue Herausforderungen. (Symbolbild)

Schulbetrieb in NRW: Landesregierung fährt vorsichtigeren Kurs

NRW-Bildungsministerin Yvonne Gebauer (54, FDP), die selbst lange am Präsenzunterricht festgehalten hatte, hat die Lage realistisch eingeschätzt: NRW-Schüler lernen noch mindestens bis zum 12. Februar im Distanzunterricht.

Insbesondere Ministerpräsident Armin Laschet (59, CDU) scheint sich dabei der Gefahr bewusst, dass man die Mutationen eventuell nicht mehr stoppen kann. Wegen den ansteckenderen Mutationen sei „keine Zeit für Lockerungen“, betont Armin Laschet derzeit immer wieder. (alle Infos zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de)

Corona-Mutationen in NRW-Kitas: Vier Einrichtungen in Köln betroffen

Dennoch hat es jetzt auch NRW-Kitas getroffen, die sich ja bekanntlich weiter im Notbetrieb befinden. In vier Kitas in Köln wurde bei insgesamt sechs Corona-Fällen die britische Mutante nachgewiesen (Stand 29. Januar). Dabei handelt es sich nach Medienberichten um vier Erwachsene und zwei Kinder.

Wie ntv berichtet mahnt das Gesundheitsministerium NRW vor vorschneller Panikmache: „Wir nehmen die genannten Fälle sehr ernst, mahnen aber gleichzeitig zur Besonnenheit“, soll sich eine Sprecherin des Ministeriums geäußert haben.

Wie geht es mit NRW-Schulen weiter? Neuerungen ab 1. Februar geplant

Fast paradox: Am selben Tag, an dem von den Mutationen berichtet wurde, kam es in NRW zu einer Neuerung, was den Schulbetrieb betrifft. Laut WDR können ab dem 1. Februar alle Schülerinnen und Schüler der Klassen 1 bis 13 auch in Schulräumen am Distanzunterricht teilnehmen. Die Regelung soll für die Schüler gelten, bei denen Lernen zu Hause nicht oder nur schlecht möglich ist.

Nach Angaben des WDR sei eine entsprechende Mail bereits an die Schulen rausgegangen. Fraglich, ob Yvonne Gebauer von den Fällen in den Kölner Kitas bereits gewusst hat – und falls nicht, ob die Mails dann nach den Meldungen überhaupt noch verschickt worden wären. Auch hier könnte das Timing vielleicht denkbar ungünstig sein: In Baden-Württemberg werden bereits erste Stimmen laut, man müsse sogar den Notbetrieb weiter einschränken.

Schul- und Kitaöffnungen im Februar in Gefahr? Politik muss sich der Realität stellen

Dass das einzige Bundesland, welches die Grundschulen schon vorschnell wieder öffnen wollte, jetzt offen über eine Beschränkung des Notbetriebs diskutiert, zeigt den Ernst der Lage mehr als deutlich. Es bleibt abzuwarten, wie die Kultusminister mit den neuen Entwicklungen umgehen werden. Wollte man die Bildungseinrichtungen bislang „als Erstes wieder öffnen“, werden jetzt wohl grundsätzliche Entscheidungen nochmals überdacht.

Insbesondere, wenn es in der nächsten Zeit weitere Meldungen von Mutationen in Bildungseinrichtung gibt, könnte die ganze Politik der schnellen Öffnungen von Schulen infrage gestellt werden. Zumindest wäre es dann wohl sinnvoll, wenn in den Schulen endlich die vom Robert Koch-Institut (RKI) oft geforderten Hygienekonzepte umgesetzt würden. Die Hoffnung, dass von den Schulen und Kitas keine Pandemie-Gefahr ausgeht, scheint mit den aktuellen Entwicklungen leider endgültig begraben.

Rubriklistenbild: © Jan Woitas/dpa

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