Ampel bessert nach

Nach heftiger Kritik: Bundesregierung passt Kindergeld nochmal an

Mit dem dritten Entlastungspaket stellt die Ampelregierung auch neue finanzielle Hilfe für Familien bereit. Nach heftiger Kritik wurden die Pläne jetzt nochmal nachgebessert.

Update, Mittwoch (7. September), 6.55 Uhr: Ursprünglich sahen die Beschlüsse der Ampelregierung vor, dass das Kindergeld ab Januar 2023 um 18 Euro erhöht wird – allerdings nur für die ersten beiden Kinder. Nun sollen die Leistungen für das dritte Kind angepasst werden, wie die Deutsche-Presse-Agentur (dpa) am Dienstagabend (6. September) berichtet.

Olaf ScholzBundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland
politische ParteiSPD
Geburtsdatum14 Juni 1958

Entlastungspaket: Kindergeld für das dritte Kind wird um 12 Euro erhöht

Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) habe gegenüber der Nachrichtenagentur erklärt: „Das Kindergeld für das dritte Kind wird gleichgezogen, also auf dasselbe Niveau erhöht wie das Kindergeld für die ersten beiden Kinder.“

Die Kindergelderhöhung für das dritte Kind fiele demnach geringer aus als die für die ersten beiden Kinder. Denn derzeit erhalten Eltern für das erste und zweite Kind jeweils 219 Euro, für das dritte Kind monatlich 225 Euro und ab dem vierten Kind für jedes weitere Kind 250 Euro.

Ab 2023 soll der monatliche Auszahlungsbetrag laut der Bundesfamilienministerin für die ersten drei Kinder je 237 Euro betragen. Für Dreifach-Eltern bedeutet das konkret: Sie erhalten für die ersten beiden Kinder monatlich je 18 Euro mehr und für das dritte Kind monatlich 12 Euro mehr.

Nach heftiger Kritik – Bundesregierung passt Kindergelderhöhung an

Scharfe Kritik an den ursprünglichen Plänen der Ampelregierung hatten zuvor verschiedene Unionspolitiker sowie der Verband kinderreicher Eltern in Deutschland geäußert. So hatte deren Vorsitzende es als „überaus enttäuschend“ bezeichnet, dass Familien mit vielen Kindern nicht stärker entlastet werden.

Von einer Erhöhung der Leistungen für weitere Kinder ist bislang keine Rede. Ob bei den Kindergeldbeträgen für das vierte und weitere Kinder vielleicht ebenfalls nochmals nachgebessert wird, ist demnach unklar.

Erstmeldung, Montag (5. September), 11.25 Uhr: Deutschland – „You’ll never walk alone. Wir werden niemanden allein lassen.“ – Dieses Versprechen gab Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) auf der Pressekonferenz zum dritten Entlastungspaket am Sonntagmittag (4. September). Auch Familien werden bei den Maßnahmen berücksichtigt. Für viele kinderreiche Eltern sind die Beschlüsse allerdings enttäuschend.

Drittes Entlastungspaket: 432 Euro mehr Kindergeld für Familien mit zwei Kindern

Laut Beschlusspapier wird das Kindergeld ab dem 1. Januar 2023 für die Jahre 2023 und 2024 erhöht. Wörtlich heißt es im Papier, der Betrag werde „um 18 Euro monatlich für das erste und zweite Kind angehoben“. Aktuell erhalten Eltern für das erste und zweite Kind jeweils 219 Euro monatlich.

Mit der Erhöhung ab Januar 2023 steigt dieser Betrag demnach auf 237 Euro. Eine Familie mit zwei Kindern käme folglich 2023 auf eine Gesamtsumme von 5.688 Euro statt der 5.256 Euro in 2022 – das sind 432 Euro mehr pro Jahr.

Entlastungspaket: Mehr Kindergeld – aber nicht für das dritte, vierte und fünfte Kind

Bei vielen Dreifach-Müttern und -Vätern hat die Formulierung im Beschlusspapier allerdings bereits für Verwunderung gesorgt: Denn das dritte Kind findet darin keine Erwähnung.

Tatsächlich wird das Kindergeld für das dritte, vierte oder fünfte Kind – nach bisherigem Stand – 2023 nicht erhöht. Derzeit erhalten Familien für das dritte Kind monatlich 225 Euro und ab dem vierten Kind für jedes weitere Kind 250 Euro. Nach den neuen Beschlüssen würden Eltern für das erste oder zweite Kind also monatlich mit 237 Euro mehr Kindergeld bekommen als für das dritte.

Scharfe Kritik am Entlastungspaket: Keine Kindergelderhöhung für kinderreiche Familien

Der Verband kinderreicher Familien in Deutschland hat sich bereits entsprechend kritisch zu den Beschlüssen geäußert. Es sei „absolut unverständlich“ sowie „überaus enttäuschend“, dass das dritte sowie weitere Kinder nicht berücksichtigt würden.

„Die Mehrbelastung ist für Familien mit drei und mehr Kindern eindeutig höher, und das muss berücksichtigt werden“, habe die Verbandsvorsitzende Elisabeth Müller erklärt. Und weiter: Das Ausblenden kinderreicher Familien sei „schlichtweg falsch“ und habe keine sachliche Rechtfertigung. Denn es seien gerade Familien mit drei oder mehr Kindern, die durch die gestiegenen Preise nicht mehr wüssten, wie sie ihre Einkäufe und Rechnungen bezahlen sollten.

Stellen das Entlastungspaket vor: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD, 2.v.l.), Omid Nouripour (l), Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, Saskia Esken (r), Bundesvorsitzende der SPD, sowie Christian Lindner, FDP-Bundesvorsitzender und Bundesminister der Finanzen.

Entlastungen für einkommensschwache Familien – Kinderzuschlag wird erhöht

Mit dem dritten Entlastungspaket der Ampelregierung wird aber nicht nur das Kindergeld, sondern auch der Kinderzuschlag erhöht. Anspruch auf den Kinderzuschlag haben grundsätzlich solche Familien, deren Bruttoeinkommen mindestens 900 Euro (Paare) bzw. 600 Euro (Alleinstehende) beträgt, dieses Einkommen zugleich aber nicht zum Leben reicht.

Der Höchstbetrag des Kinderzuschlages wurde bereits zum 1. Juli 2022 auf jetzt 229 Euro monatlich erhöht. Ab dem 1. Januar 2023 wird er erneut angehoben – auf dann 250 Euro. Wichtig zu wissen: Der Kinderzuschlag wird pro Kind ausgezahlt – und anders als beim Kindergeld betrifft die Erhöhung den Zuschlag für alle Kinder.

Finanzielle Hilfen für Familien – Steuerentlastung und Strompreisdeckel

Wie sämtliche weiteren Personengruppen profitieren Familien zudem von dem geplanten Strompreisdeckel auf Basisverbrauch. Laut einer vorläufigen Beispielrechnung, die Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) am Sonntag (4. September) via Twitter teilte, kommt eine Familie mit zwei Kindern dadurch auf eine jährliche Entlastung von 226 Euro. Zum Vergleich: Singles sparen hier 102 Euro pro Jahr.

Auch die beschlossenen Steuerentlastungen werden Familien nach dieser Berechnung – abhängig vom jeweiligen Einkommen – im Jahr 2023 mehrere Hundert Euro einbringen.

Drittes Entlastungspaket: Vierköpfige Familien mit niedrigem Einkommen profitieren am meisten

Wie der Bundesjustizminister bei Twitter erklärt, seien es Familien mit einem Einkommen von 31.000 Euro, die nach diesen „bisherigen Berechnungen“ insgesamt am meisten von den neu beschlossenen Maßnahmen profitierten. Eben diese Familien träfen die stark gestiegenen Lebenshaltungs- und Energiekosten auch am härtesten.

Gemäß der Beispielrechnung, die der FDP-Politiker bei Twitter postete, käme eine vierköpfige Familie mit 31.000 Euro Jahreseinkommen dank des Maßnahmenpaketes auf eine jährliche Entlastung von 1.580 Euro. Familien mit einem Einkommen von 66.000 Euro kämen noch auf Entlastungen von rund 1.000 Euro pro Jahr. Familien mit drei oder mehr Kindern sind übrigens in dieser Berechnung nicht explizit aufgeführt.

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