Härtere Regeln gefordert

Ministerin schlägt wegen Internet-Werbung Alarm: Kinder besonders gefährdet

Julia Klöckner Süßigkeiten Lollies
+
Werbung, die sich an Kinder richtet, könnte bald härter kontrolliert werden.

Influencer sind vor allem bei Kindern beliebt und finanzieren sich durch Werbung. Julia Klöckner will dem jetzt einen Riegel vorschieben - wegen der Kinder.

Dortmund – Werbung, die sich vor allem an Kinder richtet, kann je nach Inhalt gefährlich werden. Zu dem Entschluss kam die Organisation Foodwatch und fordert die Bundesministerin für Ernährung auf, zu handeln. Und das hat Julia Klöckner (CDU), Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, offenbar auch vor.

Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und VerbraucherschutzJulia Klöckner
ParteiChristlich Demokratische Union (CDU)
Geboren16. Dezember 1972 (Alter 48 Jahre), Bad Kreuznach

Influencer-Werbung für Kinder gefährlich: Oft Süßigkeiten und Junkfood darunter

Immer mehr Unternehmen setzen auf sogenanntes Influencer-Marketing. Influencer haben auf sozialen Medien wie Instagram oder Youtube eine große Reichweite - und das vor allem bei Jugendlichen oder Kindern. Diese wollen ihren Idolen unter Umständen nacheifern und kaufen, wofür die Influencer werben.

Problematisch werde das vor allem dann, wenn die Social-Media-Stars Süßigkeiten oder anderes Junkfood anpreisen, meint die Organisation Foodwatch. „Die Industrie fördert mit dieser perfiden Marketingstrategie Fehlernährung und Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen“, heißt es auf deren Webseite.

Foodwatch untersucht Influencer-Werbung: Werden Kinder zum Naschen verführt?

Foodwatch hat nach eigenen Angaben bereits im vergangenen Jahr „tausende Posts, Stories und Videos bekannter Social-Media-Stars untersucht und zahlreiche Belege für Produkt-Werbung dokumentiert“. Die Ergebnisse daraus hat die Organisation in dem Bericht „Junkfluencer - Wie McDonald‘s, Coca-Cola & Co. in sozialen Medien Kinder mit Junkfood ködern“ veröffentlicht - und macht damit Druck bei Bundesernährungsministerin Klöckner.

Unter den herausgefilterten Influencern, die sich verstärkt an jüngere richten, sind beispielsweise Viktoria und Sarina, Julia Beautx, Simon Desue oder Jonas Ems.

Die Forderung der Organisation: Werbung für ungesunde Produkte, die sich an Kinder und Jugendliche richtet, soll ein Riegel vorgeschoben werden. Bisher habe die CDU-Politikerin vor allem darauf gesetzt, dass Unternehmen Werbung dieser Art freiwillig beschränken. Jetzt scheint Klöckner der Forderung aber nachgehen zu wollen.

Wenn Werbung, die sich an Kinder richtet, Süßigkeiten bewirbt, kann es gefährlich werden.

Julia Klöckner greift durch: Werbung an Kinder muss besser kontrolliert werden

Laut eines Berichtes des Ärzteblattes erklärte Julia Klöckner, dass „weitgehende Beschränkungen notwendig“ seien, um Werbung, die sich an Kinder richtet, zu regulieren. Vor allem auf Social-Media-Plattformen müsse das Thema „stärker in den Blick“ genommen werden.

Sie habe den Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft deshalb aufgefordert, „die Verhaltensregeln zu verschärfen“. Konkret drängt sie auf „Nachbesserungen bei der Altersgrenze und bei der Werbung für Lebensmittel mit ungünstiger Nährstoffzusammensetzung“so Klöckner. „Werbung darf Kinder nicht dazu verleiten, sich ungesund zu ernähren.“

Ärzte besorgt: Süßigkeiten-Werbung für Kinder fördert Diabetes

Aktuell tut sie laut Ärzteblatt aber genau das. Auch Ärzte sehen eine Gefahr in Videos, in denen Prominente und vermeintliche Vorbilder Süßigkeiten loben. „Wir Kinder- und Jugendärzte fordern seit langer Zeit, die an Kinder und Jugendliche gerichtete Werbung – darunter auch die subtile und oft schwer durchschaubare Werbung über soziale Medien – zu beschrän­ken“, erklärt Berthold Koletzko, Vorsit­zen­der der Stiftung Kindergesundheit. „Denn die allermeisten Produkte sind unausgewogen und fördern ernährungsbedingte Krankheiten wie Typ-2-Diabetes.“ Auch in den Spätfolgen der Corona-Pandemie sehen Kinderärzte eine Gefahr.

Video: Diabetes in Deutschland auf dem Vormarsch

Kinder würden ohnehin schon im Schnitt nicht einmal halb so viel Obst und Gemüse wie empfohlen essen, dafür aber die doppelte Menge an Süßigkeiten oder anderen Snacks. Aktuell würden etwa 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen als übergewichtig gelten, sechs Prozent sogar als fettleibig. Krankheiten wie Typ-2 Diabetes, Gelenkprobleme, Bluthochdruck und Herzerkrankungen können die Folge sein.

Auch der Nutri-Score soll gesunde Ernährung fördern. Per einfachem Ampel-System sollen Verbraucher erkennen, ob ein Produkt eher gesund oder ungesund ist. Das Label ist bisher allerdings freiwillig.