Weniger Lebensmittelverschwendungen

"Oft länger gut": So geht Kaufland jetzt gegen Lebensmittelverschwendung vor - aber nur bei einem Produkt

Kaufland setzt sich nun verstärkt gegen Lebensmittelverschwendung ein - doch die Sache hat einen Haken.
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Kaufland setzt sich nun verstärkt gegen Lebensmittelverschwendung ein - doch die Sache hat einen Haken.

In Deutschland werden jährlich 18 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Jetzt sagt Kaufland der Lebensmittelverschwendung den Kampf an. 

  • In Deutschland werden jährlich mehrere Millionen Tonnen Lebensmittel entsorgt.
  • Oft sind die Lebensmittel allerdings noch genießbar.
  • Dieser Verschwendung will Kaufland nun entgegenwirken, doch die Idee für "To Good to go" kommt nicht vom Supermarkt selbst.

Dortmund / NRW - Gerade Frischmilch und andere tierische Produkte glänzen nicht unbedingt durch eine sehr lange Haltbarkeit. Die Lebensmittel werden im Kühlschrank vergessen oder angebrochen ohne verbraucht zu werden und landen dann in vielen Haushalten im Müll. Oft wären die Produkte allerdings noch genießbar gewesen.

Label gegen Lebensmittelverschwendung: Jetzt schließt sich auch Kaufland an

Das Label "Oft länger gut" soll Verbraucher nun sensibilisieren, sich bei Lebensmitteln, die das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben, auf die eigenen Sinne zu berufen. Bevor etwas Essbares, wie Basilikum, bei dem es beim Pflanzen und der Erde einiges zu beachten gibt, vielleicht zu Unrecht im Müll landet, solle man schauen, riechen und eventuell auch probieren.

Die Idee übernimmt Kaufland, das derzeit wegen falscher Deklaration einen Energy Drink zurückruft, von der App "Too Good To Go", die sich bisher vor allem gegen Lebensmittelverschwendung in Restaurants und Supermärkten einsetzt. Via App können Verbraucher sich Ware, die ansonsten im Müll gelandet wäre, für einen festgelegten Preis sichern und zum abgemachten Zeitpunkt beim jeweiligen Anbieter abholen. Gerade in Großstädten findet das Konzept immer mehr Anklang.

Lebensmittelverschwendung ist in deutschen Haushalten noch allgegenwärtig

Obwohl der Trend zu mehr Nachhaltigkeit und Müllvermeidung in den letzten Jahren erkennbarer wurde, zum Beispiel werden Wachstücher immer beliebter, werden in Deutschland noch immer jährlich 18 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Über 60 Prozent davon entstehen in Privathaushalten, zum Großteil wahrscheinlich, weil die Kennzeichnung des Mindesthaltbarkeitsdatums missverstanden wird. Dagegen soll nun auch eine Änderung beim Mindesthaltbarkeitsdatum helfen. Die Partei der Grünen will die Angabe teilweise sogar ganz abschaffen. 

Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass "mindestens haltbar bis" nicht gleichbedeutend mit "ab diesem Datum ungenießbar" ist. Dadurch landen viele Lebensmittel im Müll, die eigentlich noch einwandfrei verzehrbar sind. Das neue Label von Too Good To Go will genau darauf aufmerksam machen, wie das Unternehmen mitteilt. 

Kaufland will Lebensmittelverschwendung vor allem beim Frischmilch verhindern

Mit dem "Oft länger gut"-Label wandert das Unternehmen hinter der App nun quasi auch in den Supermarkt. Der Aufdruck auf verarbeiteten Lebensmitteln soll laut Too Good To Go eine bundesweite Zusatzerklärung für das bekannte Mindesthaltbarkeitsdatum werden, um Lebensmittelverschwendung entgegenzuwirken.

Das "Oft Länger gut"-Label soll Verbraucher sensibilisieren, damit weniger Lebensmittel im Müll landen.

Nach Angaben der App-Betreiber haben bereits über 25 Lebensmittelhersteller und Handelspartner zugesagt, den Hinweis auf ihren Produkten zu platzieren. Unter anderem dabei sind bisher Alnatura, die Bio Company, Dennree, Dm, Lidl, Penny und Tegut und nun auch Kaufland.

Kaufland: MHD-Label wird für weniger Lebensmittelverschwendung ergänzt

Letzterer Supermarkt-Riese will nun das Mindesthaltbarkeitsdatum auf der Frischmilch der Kaufland-Eigenmarke "K-Classic" mit dem "Oft länger gut"-Label ergänzen. Damit will Kaufland ein Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung in Haushalten setzen, wie das Unternehmen in einer Pressemitteilung erklärt.

"Viele Lebensmittel sind über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus genießbar und werden dennoch entsorgt. Deshalb sollte jeder von uns nicht nur auf das MHD schauen, sondern den eigenen Sinnen trauen und sich fragen, ob das jeweilige Lebensmittel noch gut aussieht, riecht und schmeckt", so Lavinia Kochanski, Leiterin für Nachhaltigkeit bei Kaufland in einer Mitteilung des Unternehmens, welches vor kurzem Plastikmüll den Kampf angesagt hat.

Frischmilch gegen Lebensmittelverschwendung schon bald bei Kaufland erhältlich

Zu Ostern ist die Milch in den Regalen von rund 240 Kaufland-Filialen zu finden, allerdings vorerst nur in Bayern und Baden-Württemberg. Die restlichen Filialen werden in den kommenden Monaten nach und nach umgestellt. Bis zum Ende des Jahres soll die Milch mit dem bisher freiwilligen Label dann in allen 670 Kaufland-Märkten in Deutschland erhältlich sein.

Video: Top-Projekt: App rettet Lebensmittel

Inwiefern das Unternehmen wirtschaftlich selbst von der Aktion profitiert, ist unklar. Darüber ob Kaufland sich auch über der Eigenmarken-Frischmilch hinaus an dem Label beteiligen wird, gibt es noch keine weiteren Informationen.