Trugschluss?

Kaufland reagiert auf Kundenwünsche – mit Folgen für das ganze Sortiment

Bei Kaufland soll das Sortiment in Zukunft anders aussehen. Auslöser ist eine Kundenumfrage.

Dortmund – Wenn das Lieblingsprodukt nicht im Supermarkt erhältlich ist, kann das ärgerlich sein. Das sehen offenbar auch die Kunden von Kaufland so. Laut einer aktuellen Umfrage legen sie besonderen Wert auf bestimmte Gemüse-Sorten. Deswegen krempelt der Supermarkt jetzt teilweise sogar sein Sortiment um. Aktuell ist Kaufland auch von einem Rückruf betroffen.

UnternehmenKaufland
HauptsitzNeckarsulm
DachorganisationDieter-Schwarz-Stiftung, Schwarz-Gruppe

Sortiment bei Kaufland verändert sich: Kunden haben einen Wunsch

Laut einer repräsentativen Kaufland-Umfrage ist das liebste Gemüse der Deutschen im Winter Kohl. Praktisch, denn das Gemüse ist in den meisten Wintermonaten gut und günstig erhältlich, weil es Saison hat. Aber auch Karotten, Paprika und frische Tomaten bevorzugen viele der Befragten in den kalten Monaten.

Diese Sorten haben dann zwar keine Saison, trotzdem haben rund 39,1 Prozent angegeben, dass die im Winter regelmäßig Karotten kaufen. Diese sollten gerade im Winter richtig gelagert werden. 33,8 Prozent nehmen regelmäßig Paprika aus dem Supermarkt oder Discounter mit und 30,7 Prozent frische Tomaten.

Kaufland will Gemüse im ganzen Jahr regional anbieten

„Diese Ergebnisse spiegeln sich auch in unseren Kaufland-Filialen wider“, erklärt Stefan Lukes, Geschäftsführer Einkauf Obst und Gemüse bei Kaufland in einer Pressemitteilung des Unternehmens. „Viele Gemüsesorten sind auch in den Wintermonaten gefragt.“

Kaufland habe deshalb die „Zusammenarbeit mit deutschen Gemüsebauern verstärkt“, um Kunden Tomaten, Salate oder Kräuter ganzjährig anbieten zu können. Auch Paprika aus Deutschland soll zukünftig viele Monate im Jahr angeboten werden. Kaufland orientiert sich damit offenbar an Trends: Rund 55,4 Prozent der Befragten aus der eigenen Umfrage erachten es als wichtig, dass Gemüse ganzjährig aus der eigenen Region angebaut wird.

Regional und saisonal: Naturschutzbund klärt über umweltfreundliches Einkaufen auf

Aber was soll der Vorteil an regionalen Produkten sein? Laut dem Naturschutzbund (Nabu) sind kurze Transportwege ein wichtiges Kriterium für einen umwelt- und klimafreundlichen Einkauf. „Regional“ bedeutet aber nicht immer, dass das Produkt aus der gleichen Stadt kommt. Die Labels helfen laut Nabu deshalb nur „bedingt“ weiter. Im Gegensatz zu „bio“ gibt es keine gesetzliche Einordnung des Begriffes „regional“.

Wer wirklich umweltbewusst einkaufen möchte, sollte aber nicht nur auf regionale, sondern auch auf saisonale Produkte achten. Die ständige Verfügbarkeit von Obst und Gemüse sorgt für einen hohen Energieaufwand durch gekühlte Lagerräume, beheizte Gewächshäuser und gegebenenfalls lange Transportwege. Für das Klima ist das also schlecht.

Tomaten wachsen eigentlich nicht das ganze Jahr in Deutschland

Kaufland verkauft Tomaten das ganze Jahr: regionales Gemüse nicht immer umweltfreundlich

Auch durch ganzjährige Tomaten aus Deutschland dürfte so ein hoher Energieaufwand entstehen – dass Kunden hier besonders umweltfreundliche Ware kaufen, wäre in dem Fall also ein Trugschluss. Kaufland hat bisher keine Angaben dazu gemacht, ob das regionale Gemüse durch besonders energiesparend oder auf andere Weise umweltfreundlich angebaut wird.

Grundsätzlich gilt: Wem nachhaltiges Einkaufen wichtig ist, sollte laut Nabu-Empfehlung sowohl saisonal und regional einkaufen. Im Winter ist die Auswahl an Obst und Gemüse dann allerdings auch stark eingeschränkt, wie etwa im Februar. Wer sich mehr Abwechslung auf dem Teller wünscht, kann auf kurze Transportwege achten.

Rubriklistenbild: © Andreas Gebert/dpa

Mehr zum Thema