Als weitere Reaktion auf Shitstorm

Kaufland will nach Nazi-Buch-Skandal besonderes Zeichen setzen

Kaufland darf bestimmte extremistische Magazine nicht verbannen. Also hat sich der Lebensmittelgigant dazu entschieden, eine Spendenaktion zu starten.

Neckarsulm – Mal wieder hat Kaufland einen Shitstorm für seinen Online-Shop kassiert. Bereits kurz nachdem der Lebensmittelgigant mit Sitz in Neckarsulm real.de übernommen hatte, gab’s wegen eines angebotenen Produkts heftige Rassismus-Vorwürfe. Diesmal wiegen diese noch schwerer. Grund.

UnternehmenKaufland
Gründung1984, Neckarsulm
HauptsitzNeckarsulm
Mitarbeiterzahl148.000 (2022), davon 84.000 in Deutschland
BrancheLebensmitteleinzelhandel

„Mein Kampf“ von Adolf Hitler: Auf Kaufland.de werden Nazi-Bücher angeboten

Auf kaufland.de wurden zahlreiche Nazi-Bücher angeboten – darunter auch Adolf Hitlers „Mein Kampf“. Nach immer heftigeren Vorwürfen hat sich Kaufland mittlerweile entschuldigt. Und will nun auch eine besondere Aktion starten, wie echo24.de berichtet.

Kaufland, das wegen Blackout-Ängste bestimmte leere Regale hat, bietet in seinem Online-Shop nach eigenen Angaben 40 Millionen Produkte von rund 8.000 Händlern an. Demnach werden die Waren nicht von der Supermarkt-Kette selbst, sondern von freien Händlern bereitgestellt, die die Plattform für ihre Vertriebswege nutzen (weitere Service-News auf RUHR24).

Allerdings obliegt Kaufland die Kontrolle über diese Angebotspalette. Und die war offenbar bei den Anbietern der Nazi-Bücher nicht gründlich genug.

Kaufland entschuldigt sich auf Twitter bei Kunden wegen Nazi-Bücher-Verkaufs

Nach einem Shitstorm in den sozialen Medien wegen der angebotenen Nazi-Bücher hat sich Kaufland, das für einen gewissen Umstand in seinen Filialen ebenfalls Kritik einstecken muss, auf Twitter entschuldigt: „Wir sind uns einig: Rassismus, Volksverhetzung oder NS-Glorifizierung dürfen bei uns keinen Millimeter Platz finden. Demokratiefeindlichkeit und Extremismus müssen wir an der Wurzel jederzeit entschlossen entgegentreten. Das haben wir nicht geschafft. Das tut uns leid.“

Weiter erklärt Kaufland den Kunden: „Es ist und bleibt unser Ziel, einen attraktiven Marktplatz mit dem größtmöglichen Sortiment anzubieten.“ Dennoch brauche es einen klar definierten moralischen Kompass, „der unser Handeln bestimmt“ (weitere News über Supermärkte und Discounter auf RUHR24).

Kaufland darf nicht frei entscheiden, welche Magazine es verkaufen will und welche nicht.

Den habe man auch in die Händlergrundsätze aufgenommen. Denn es gelte ausnahmslos: „Extremistisches Propagandamaterial und Produkte mit Kennzeichen verbotener und verfassungswidriger Organisationen, gewaltverherrlichendes, volksverhetzendes und diskriminierendes Material sind auf unserer Plattform verboten.“

Kaufland startet wegen extremistischem Magazin eine besondere Aktion

Das vom Verfassungsschutz als „gesichert extremistisch“ eingestufte Magazin Compact wird jedoch weiterhin in den Zeitschriftenregalen von Kaufland zu finden sein. Der Lebensmittel-Gigant aus Neckarsulm beruft sich dabei auf die Regeln der Presse-Grossos, wonach auch der Einzelhandel nicht frei entscheiden kann, welche Magazine er verkaufen will und welche nicht.

Um dem Problem anderweitig zu begegnen und ein Zeichen zu setzen, verspricht Kaufland: „Wir werden die Einnahmen aus den Compact-Verkäufen künftig an eine gemeinnützige Organisation in Deutschland spenden.“

Rubriklistenbild: © Manfred Segerer/Imago