Ab in den Schlund

Kaufland ändert die Pfand-Abgabe: Kunden haben Turbo-Option

Kaufland will bei der Pfandabgabe jetzt den Turboknopf drücken und hat einen XXL-Automaten entwickelt. Allerdings mit bitterem Beigeschmack.

Dortmund/Neckarsulm – Pfand im Supermarkt abgeben, ist eine gute, aber auch lästige Aufgabe zugleich. Einerseits füllt sich der Geldbeutel, andererseits gibt es Schöneres, als im Supermarkt eine Flasche nach der anderen in ein Loch zu werfen – vor allem, wenn die Hälfte der Pfandflaschen vom Leergut-Automaten dann doch nicht angenommen wird. Kaufland will diese nervige Aufgabe jetzt grundlegend mit einem XXL-Pfandautomaten revolutionieren.

LebensmittelhandelKaufland
HauptsitzNeckarsulm
DachorganisationenSchwarz-Gruppe (wie Lidl)

Kaufland testet XXL-Pfandautomat – 100 Flaschen Leergut auf einmal

Anstatt jede Flasche einzeln in den Leergut-Automaten zu geben, will Kaufland jetzt eigenen Angaben zufolge bei der Leergutsrücknahme Tempo machen. Dafür testet der Konzern aktuell einen Pfandautomaten bei dem Kunden bis zu 100 Flaschen auf einmal einwerfen können. Richtig gelesen: 100 Ein- und Mehrwegflaschen sowie Dosen mit einem Schwung.

Tomra R1 High-Speed, so heißt der Turbo-Pfandautomat, wurde von Kaufland gemeinsam mit der Firma Tomra entwickelt. Man wolle damit die Leergut-Rückgabe vereinfachen und dadurch mehr Kunden dazu bewegen, ihre Flaschen überhaupt zurückzubringen. So soll der Recyclinganteil stetig erhöht werden, heißt es vonseiten von Kaufland.

Pfandrückgabe wird revolutioniert: Kaufland drückt den Turbo-Knopf

Und wie funktioniert das Ganze? Laut Kaufland gibt man die Flaschen auf einmal gesammelt in den Einwurf des Pfandautomaten. Dann wird die Eingabeklappe geschlossen und der Zähl- und Sortierungsvorgang beginnt. Bis zu fünfmal schneller als bei der herkömmlichen Leergutsannahme soll die Pfandrückgabe mit dem XXL-Pfandautomaten funktionieren.

„Vor allem für Kunden mit größeren Mengen an Leergut ist der neue Automat eine ideale Ergänzung, der die Leergutabgabe deutlich beschleunigt und vereinfacht“, sagt Florian Hermanski, verantwortlich für das Pfandrücknahmesystem bei Kaufland Deutschland.

Pfandrückgabe mit neuem XXL-Leergutautomaten: Kauflan-Kunden müssen sich gedulden

Das Problem an der Sache: Bislang wird der XXL-Turbo-Pfandautomat bei Kaufland nur in einer Filiale in Wiesbaden getestet. Der Test soll bis Ende des Jahres laufen. Danach wolle man entscheiden, ob man den innovativen Automaten auch in weiteren Kaufland-Filialen in Deutschland einsetzen wird. Kunden, die nicht in Wiesbaden wohnen, müssen sich also noch eine Weile gedulden.

Doch das erste Fazit von Hermanski fällt durchaus positiv aus. Die Kunden hätten sich schnell daran gewöhnt, die Flaschen nicht mehr einzeln einlegen zu müssen. Der Service mit dem XXL-Einwurf käme bei allen gut an, so der Pfand-Beauftrage bei Kaufland. Kunden dürfen also hoffen, dass auch bald in ihrer Filialen eine Turbo-Pfandabgabe möglich ist.

Kaufland testet einen XXL-Pfandautomaten in einer Filiale

Kaufland drückt beim Pfand auf den Turbo – aber an andere Stelle auf die Bremse?

Was nach einer revolutionären Innovation klingt, hat einen bitteren Beigeschmack. So hat der Tomra R1 High-Speed-Pfandautomat bei Kaufland gleich zwei entscheidende Haken. Denn insbesondere Einwegflaschen stehen immer noch stark in der Kritik.

Umweltverbände und -schützer würden sich sicher daher wünschen, Kaufland würde statt bei der Entwicklung von XXL-Pfandautomaten lieber bei der Verbannung von Einwegplastik aufs Tempo drücken.

Was ist Einweg, was ist Mehrweg?

Mehrwegflaschen tragen den schlichten Hinweis „Mehrweg“ auf der Flasche. Steht dort nur „Pfandflasche“ oder „Pfand zurück“, handelt es sich um eine Einwegflasche. Auch die Höhe des Pfandes unterscheidet sich, Mehrweg bringt zwischen 8 und 15 Cent, Einweg hingegen 25 Cent.

In Sachen Nachhaltigkeit punkten PET-Mehrwegflaschen, sie können im Gegensatz zu ihrem Pendant aus Glas bis zu 50 Mal wieder befüllt werden, bevor sie laut Naturschutzbund (NABU) ins Recycling gehen. Einwegflaschen werden nur ein einziges Mal befüllt und dann wieder sofort recycelt. Der NABU kritisiert jedoch immer wieder, dass der Recycling-Anteil bei Einwegflaschen gerade mal bei 30 Prozent liegt, bei Mehrwegflaschen sind es zwischen 60 und 83 Prozent.

Laut der Deutschen Umwelthilfe „verursacht Mineralwasser aus Einweg-Plastikflaschen doppelt so viel CO2 im Vergleich zu Mehrwegflaschen.“ Daher gilt: Wer etwas für die Umwelt tun will, sollte immer zu Mehrweg anstatt zu Einweg greifen.

Denn sowohl NABU als auch die Deutsche Umwelthilfe kritisieren stets, dass gerade durch Discounter und große Getränkekonzerne immer mehr Einweg-Plastikflaschen in den Markt gedrückt werden – mit negativen Folgen für Ressourcenverbrauch, Umwelt und Abfallmengen. Sie fordern daher immer wieder, dass Konzerne wie Kaufland dazu verpflichtet werden, zunehmend Einwegplastik zu verbannen.

Doch der XXL-Pfandautomat hat noch einen weiteren Nachteil. Und zwar nimmt er ersten Informationen von Kaufland zufolge nur PET-Mehrweg-Flaschen an. Das heißt, nur Pfandflaschen, die aus Plastik, nicht aber aus Glas bestehen. So bleibt es am Ende doch wieder beim Kunden hängen, das Pfand zu sortieren.

Rubriklistenbild: © Jan Huebner/Taeger/Imago

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