Tierärzte warnen

Flöhe und Zecken bei Katzen: Warnung vor Schutzmittel – Vergiftung droht

Katzen
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Katzen können von Zeckenschutzmitteln vergiftet werden.

Schutz vor Ungeziefer wie Zecken und Flöhe ist bei Haustieren wichtig. Doch nicht alle Mittel sind so unbedenklich, wie sie scheinen.

Dortmund – Eigentlich will man der Katze etwas Gutes tun und sie vorbeugend vor Zecken, Flöhen und anderem Ungeziefer schützen. Doch schon nach kurzer Zeit kann es losgehen: speicheln, erbrechen, generell unruhiges Verhalten. Und das nach der Anwendung von frei verkäuflichen Zeckenschutzmitteln. Woran liegt das?

TierKatze
Lebenserwartung2 – 16 Jahre (in der Wildnis)
Gewicht3,6 – 4,5 kg (erwachsen)

Katze vor Zecken schützen: Frei verkäufliche Mittel sind nicht unbedenklich

Vorweg: Wer oben genannte Symptome bei seiner Katze bemerkt, sollte auch ohne Verabreichung von Zeckenschutz Absprache mit einem Tierarzt halten. Sie können unter anderem auf eine Vergiftung oder allergische Reaktionen deuten. Aber wie kommt es überhaupt dazu?

In vielen Präparaten, die bei Haustieren zum Zeckenschutz eingesetzt werden, steckt das Insektizid Permethrin. Es gilt als Kontakt- und Fraßgift, wirkt also entweder über die Haut oder den Magen-Darm-Trakt des jeweiligen Parasiten. Permethrin kann in sämtlichen Mitteln gegen Ungeziefer vorkommen, wie Spot-On-Präparate, Pulver, Shampoo oder Sprays.

Bei Katzen warnt unter anderem das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) vor dem Einsatz. Doch auch einige Tierärzte teilen auf ihren Webseiten Warnungen vor dem Einsatz von Permethrin bei Katzen. Trotzdem ist das Mittel frei verkäuflich und kann theoretisch ohne Tierarzt-Besuch angewandt werden. Derzeit wird in einem Rückruf auch vor Katzenfutter gewarnt, hier müssen Tierbesitzer ebenfalls vorsichtig sein.

Hund und Katze: Mittel für Zeckenschutz auf keinen Fall vertauschen

Was macht Permethrin bei Katzen so gefährlich? Wie die Pharmazeutische Zeitung berichtet, fehlt den Stubentigern schlicht die richtige Menge eines Enzyms (Glucuronidase-Transferase), um diesen Wirkstoff abzubauen. Wenn sie mit dem Mittel in Kontakt kommen, können sie schwere Vergiftungen erleiden.

Das Kuriose: Laut dem BVL waren Zeckenschutzmittel mit Permethrin ursprünglich nur verschreibungspflichtig beim Tierarzt oder der Apotheke erhältlich. Denn auch bei Menschen können sie zur Bekämpfung von Milben und Läusen eingesetzt werden. Seit 2018 ist das Insektizid aber frei verkäuflich. Bei Tieren enthalten oft Mittel für Hunde diesen Wirkstoff.

Ein Inhaltsstoff in Zeckenschutzmitteln kann für Katzen gefährlich sein.

Katzen sollten damit auf keinen Fall behandelt werden. Ein genauer Blick auf die Verpackung lohnt sich, um zu erkennen, ob ein Präparat explizit für Hunde vorliegt oder ob es doch für Katzen geeignet ist. Wer Hund und Katze zu Hause hat, sollte nach einer Behandlung mit Permethrin außerdem aufpassen, dass die Tiere sich für mindestens zwei bis vier Stunden nicht zu nahe kommen. Die Katze kann sich auch über Hautkontakt vergiften.

Vergiftung durch Zeckenschutzmittel: Diese Symptome können bei Katzen auftreten

Doch woran erkennt man eine mögliche Vergiftung? Diese Symptome sind laut dem BVL typisch bei Katzen:

  • Erhöhter Speichelfluss
  • Krämpfe
  • Erbrechen und / oder Durchfall
  • Atembeschwerden

Die Universität Gießen weist aber darauf hin, dass die Gefahr vor allem bei Überdosierung von Präparaten mit Permethrin lauert. Gefährlich für Katzen seien Hund-Präparate, weil Hunde in der Regel wesentlich mehr wiegen als die Stubentiger – die Dosierung ist für Katzen viel zu hoch. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) teilt auf Anfrage von RUHR24 außerdem mit, dass Permethrin meist dann zu Vergiftungen führt, wenn die Katze es schleckt, also über den Mund aufnimmt (mehr Warnungen und Rückrufe bei RUHR24).

Pyrethrum im Zeckenschutz für Katzen ebenfalls gefährlich?

Permethrin ist aber auch bei Hunden und Menschen nicht unumstritten. Viele Hersteller von Zeckenschutzmitteln für Haustiere nutzen daher mittlerweile den natürlichen Wirkstoff Pyrethrum. Er wird aus Chrysanthemen gewonnen – Pflanzen, die für Katzen ebenfalls potenziell giftig sind. Der Wirkstoff im Pyrethrum heißt Pyrethrin. Wenn man dieses chemisch verändert, erhält man laut LANUV ebenfalls Permethrin, welches aber wesentlich stärker und wirksamer ist als Pyrethrum.

Video: Katze zugelaufen – das sollte man tun

Im Gegensatz zu Permethrin ist Pyrethrum zum Ungezieferschutz bei Katzen zugelassen. Ob es bei falscher Anwendung oder Dosierung ebenfalls giftig für die Vierbeiner ist, darüber gibt es kaum belegte Erkenntnisse. Bei Insekten wirkt es lediglich als „Rückzugsgift“. Das Ungeziefer wird abgeschreckt, stirbt aber nicht.

Ein Blick in Kundenbewertungen von Präparaten mit Pyrethrum verrät aber: Auch hier sollen bei Katzen die typischen Symptome einer Vergiftung vorgekommen sein. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte laut LANUV vor Anwendung immer Absprache mit einem Tierarzt halten. Das Gleiche gilt für die Anwendung von vermeintlichen Hausmitteln, denn auch Teebaumöl kann giftig für Katzen sein.

Im Sommer sollte man seine Haustiere übrigens nicht nur vor Parasiten, sondern auch vor Hitze schützen. Dabei helfen einfache Tricks.

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