Gesetz für Gemüse

Kartoffeln werden schneller schlecht – Schutzmittel ab sofort verboten

Kartoffeln halten nicht ewig, sondern können keimen oder giftig werden. Ein Zusatz kann das verhindern, doch dieser wird nun verboten.

Dortmund – Mit grünen Stellen oder Keimlingen sehen Kartoffeln nicht nur unappetitlich aus, sondern sind auch giftig. Um es gar nicht erst dazu kommen zu lassen, werden die Knollen oft behandelt. Doch es drohen neue Einschränkungen.

Grüne Stellen und Keimlinge an Kartoffeln – neues Verbot droht

Wer im Supermarkt vor Kurzem noch Kartoffeln mit dem Hinweis „Nach der Ernte behandelt“ findet, ist auf eine Seltenheit gestoßen. Denn dieser Druck taucht nur auf der Verpackung auf, wenn die Knollen mit dem Keimhemmungsmittel beziehungsweise Pestizid Imazalil behandelt wurden. Doch das ist seit dem 1. Januar 2023 verboten – der Hinweis taucht demnach nur noch auf Restbeständen auf, wie etwa Öko-Test berichtet.

Greenpeace warnte bereits 2013 vor der Nutzung des Pestizids. „Imazalil gilt als akut giftig, kann vermutlich Krebs auslösen und die Fortpflanzung schädigen“, so die Organisation. Das Mittel kam auch häufig bei Zitrusfrüchten zum Einsatz. Hier ist es schon seit 2022 verboten.

Pestizid bei Kartoffeln ab sofort verboten: Was das für Kunden bedeutet

Was bedeutet das Verbot genau für Verbraucher? Werden Kartoffeln nun schneller schlecht? Nicht unbedingt. Denn einige Mittel, die eine ähnliche Wirkung haben sollen, sind noch für den Einsatz an Kartoffeln erlaubt. Darunter das natürliche Mittel Grüne-Minze-Öl, Maleinsäurehydrazid, 1,4-Dimethylnaphthalin und Ethylen, nicht zu verwechseln mit Ethylenoxid, das oft Ursache für Rückrufe ist.

Das Besondere bei Kartoffeln: Nicht alle Mittel, die zum Einsatz kommen, um das Keimen zu verhindern, müssen gekennzeichnet werden. Deswegen fällt dieser Hinweis durch das Verbot von Imazalil für‘s Erste weg. Für Verbraucher kann es deshalb schnell undurchsichtig werden, welche Kartoffeln nun behandelt sind und wie lange die Knollen möglicherweise halten.

Interessant für Kunden, die gerne Bio-Produkte kaufen: Hier ist laut der Verbraucherzentrale Bayern dennoch der Einsatz Ethylen und Grüne-Minze-Öl erlaubt. Ob die Mittel auch teurer im Einsatz sind und der Preis für Kartoffeln dadurch auch für Kunden steigen könnte, ist bisher unklar.

Damit Kartoffeln nicht keimen, kommen bestimmte Mittel zum Einsatz.

Kartoffeln keimen trotz Pestiziden – Tipps für Verbraucher

Doch wie geht man Schutzmitteln aus dem Weg, wenn man diese nicht verzehren will? Sabina Hülsmann, Expertin bei der Verbraucherzentrale Bayern, empfiehlt, die Kartoffeln grundsätzlich vor dem Verzehr zu schälen.

So entfernt man nicht nur Schmutz und eventuell Rückstände von den Schutzmitteln, sondern verringerte auch den Solanin-Gehalt. Dieser natürliche Schadstoff steckt vor allem in der Kartoffel-Schale und in grünen Stellen. Solanin gilt als giftig für Menschen und kann zu starken Verdauungsbeschwerden führen. Im Kürbis kann man grüne Stellen hingegen bedenkenlos mitessen.

Die Schutzmittel und Pestizide schützen die Kartoffeln auch nicht ewig vor dem Keimen. Früher oder später können doch die unerwünschten, kleinen Knubbel aus der Knolle sprießen. Schon einfache Tipps können helfen, damit die Kartoffel länger hält. So sollte das Gemüse am besten dunkel gelagert werden.

Rubriklistenbild: © Leungchopan/Imago

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