Teuer kaufen lohnt sich nicht

Kaffee-Test 2021: Stiftung Warentest überrascht mit Ergebnissen

In der Januar-Ausgabe hat die Stiftung Warentest Kaffee-Bohnen auf den Prüfstand gestellt. Das Ergebnis: Teuer kaufen lohnt sich nicht.

Deutschland – Ein guter Kaffee gehört für viele von uns zu einem gelungenen Morgen dazu. Immer mehr Verbraucher setzen dabei auf Kaffee aus frisch gemahlenen Bohnen. In ihrer aktuellen Ausgabe hat die Stiftung Warentest jetzt Caffé-Crema-Bohnen sowie Espresso-Bohnen einem kritischen Blick unterzogen.

Stiftung WarentestVerbraucherorganisation
HauptsitzBerlin
Gründung4. Dezember 1964, Berlin

Kaffee bei Stiftung Warentest: Prüfer legen ihren Fokus auf den Geschmack

Für den Kaffee-Test haben die Prüfer insgesamt 15 Packungen Kaffee-Bohnen sowie sechs Packungen Espresso-Bohnen eingekauft. Dabei wurden bekannte Marken ausgewählt, die in den gängigen Supermärkten und Discountern erhältlich sind.

Die Produkte wurden in erster Linie auf ihren Geschmack hin geprüft – die Sensorik macht 55 Prozent des Gesamturteils aus. Zudem flossen mögliche Schadstofffunde sowie Verpackung und Deklaration in das Ergebnis mit ein.

Kaffee bei Stiftung Warentest: Netto, Aldi und Lidl liegen ganz vorn

Was ihr maßgebliches Bewertungskriterium – den Geschmack – angeht, kommt die Stiftung Warentest zu einem durchaus überraschenden Fazit. Denn: Bei den Caffè-Crema-Bohnen liegen drei vergleichsweise günstige Produkte aus Discountern ganz vorn.

Das sind die drei Testsieger:

  • Produkt: Netto Marken-Discount Cafèt Caffè Crema Barista, Bohnensorte laut Etikett: Arabica, Preis pro Kilo: 8 Euro, Gesamturteil: gut (2,0)
  • Produkt: Aldi Nord Moreno Caffè Crema, Bohnensorte laut Etikett: Arabica/Robusta, Preis pro Kilo: 8 Euro, Gesamturteil: gut (2,1)
  • Produkt: Lidl Bellarom Caffè Crema Gustoso, Bohnensorte laut Etikett: Arabica/Robusta, Preis pro Kilo: 8 Euro, Gesamturteil: gut (2,1)
  • Sämtliche Testergebnisse gibt es bei der Stiftung Warentest (Bezahlartikel).

Wer sich am Morgen ein besonders vollmundiges Aroma wünscht, muss seine Kaffee-Bohnen also nicht teuer kaufen. Vielmehr sind die günstigen Discounter-Produkte laut der Stiftung Warentest am besten.

Kaffee-Bohnen im Test: Discounter-Produkte überzeugen

Kaffee im Test: Discounter-Produkte vorn – Stiftung Warentest rät dennoch von Billig-Marken ab

Überraschenderweise rät die Verbraucherorganisation trotz ihres Urteils, bei Kaffee nicht nur auf den Preis zu schauen. Wer die Bäuerinnen und Bauern aus den Herkunftsländern unterstützen möchte und wem ein nachhaltiger Anbau wichtig ist, der solle stets auf entsprechende Bio- und Nachhaltigkeitssiegel achten, raten die Tester.

Zu solchen Siegeln, die die Organisation empfiehlt, zählen beispielsweise:

  • Fairtade
  • Rainforest Alliance
  • Utz
  • oder EU-Bio

Die Stiftung Warentest erklärt in diesem Zusammenhang, es brächte „sehr viel“, wenn Verbraucher beim Kauf auf „Bio“ achten. Bemerkenswert: Lediglich fünf der getesteten Produkte tragen ein Bio-Siegel – sämtliche können aber mit „gutem“ Geschmack überzeugen.

Keiner der Bio-Kaffees landet allerdings unter den Top-3. Auch im Espresso-Test landet kein Bio-Produkt ganz vorn. Hier überzeugt der Espresso Italiano Cremoso von Lavazza mit „sehr gutem“ Geschmack.

Kaffee im Test: Stiftung Warentest bewertet Schadstoffe weniger kritisch als Öko-Test

Ebenfalls bemerkenswert: Ebenso wie Öko-Test findet auch die Stiftung Warentest in ihrem Kaffee-Test die Schadstoffe Furan und Acrylamid. Beide Stoffe entstehen bei der Röstung und lassen sich zwar, reduzieren, aber nicht ganz vermeiden.

Anders als Öko-Test bewertet die Stiftung Warentest die Funde allerdings weniger kritisch. Da die Hersteller die EU-weiten Grenzwerte einhalten, schneidet bei den Berliner Prüfern kein Kaffee in puncto Schadstoffen schlechter als befriedigend ab.

Kaffee im Test: So unterschiedlich sind die Ergebnisse von Öko-Test und Stiftung Warentest

Die Gesamtergebnisse der beiden Testberichte fallen dementsprechend komplett unterschiedlich aus. Bei der Stiftung Warentest erhalten 14 von 15 Kaffee-Marken für ihre Bohnen die Note „gut“ – lediglich ein Produkt ist „befriedigend“.

Erst im Oktober 2021 bewertete Öko-Test in seinem Test von gemahlenem Kaffee hingegen nur ein einziges Produkt als „gut“ – neun fielen wegen Schadstoffen sogar komplett durch. Die widersprüchlichen Ergebnisse haben dabei wohl nicht damit zu tun, dass es sich um einerseits gemahlenen Kaffee und andererseits ganze Kaffeebohnen handelt.

Vielmehr legt Öko-Test den Fokus, anders als die Stiftung Warentest, nicht auf den Geschmack, sondern auf Nachhaltigkeit und Schadstoffgehalt. Kunden müssen beim Kaffee-Kauf im Supermarkt demnach selbst entscheiden, welcher der Faktoren ihnen am wichtigsten ist.

Rubriklistenbild: © Fabian Sommer/dpa, Roland Weihrauch/dpa; Collage: RUHR24

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