Mitnehmen oder Liegenlassen?

Jungvogel gefunden: Was tun? Richtige Hilfe kann Leben retten

Wer im heimischen Garten einen Jungvogel außerhalb des Nests findet, ist mit der Situation oft überfordert. So sollte man sich verhalten.

NRW – Der Routinerundgang durch den Garten wird plötzlich von einem lauten Piepsen unterbrochen. Der herzzerreißende Schrei eines Jungvogels löst bei vielen Vogelfreunden den Drang aus, die vermeintlich hilflosen Tiere aufzunehmen. Doch das ist in der Regel der falsche Weg. So sollte man im Falle eines Jungvogel-Fundes im heimischen Garten im Idealfall reagieren:

Anzahl der VogelartenWeltweit rund 10.350 Vogelarten
VogelwissenschaftOrnithologie
Anzahl der Vögel insgesamtSchätzungsweise 50 Milliarden (Wissenschaft.de)

Jungvogel gefunden: Eine einfache Unterscheidung kann Leben retten

Auch wenn die Situation auf der Straße oder im – idealerweise vogelfreundlich gestalteten – Garten schwer einzuschätzen ist. Oftmals werden Jungvögel unbedacht mitgenommen und so die Bindung zu den Eltern unterbrochen. Eine wichtige Unterscheidung kann die Entscheidung zur Rettung erheblich vereinfachen.

Denn in die Ästlingsphase, in der Jungvögel zwar noch nicht vollständig flugfähig sind, sich aber bereits außerhalb des Nests aufhalten und, auf Ästen sitzend, weiter versorgt werden, glauben viele Menschen, eingreifen zu müssen.

„Die Vogeljungen sind unerfahren und im Fliegen noch etwas ungeübt und wirken deshalb oft hilflos“, erklärt der Biologe Torben Langer vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) gegenüber Öko-Test. Die Tiere aufzunehmen, sei „aber falsch verstandene Tierliebe“, das Piepsen diene häufig dazu, den Kontakt mit den Eltern aufrechtzuerhalten.

Jungvögel wirken auf Menschen oft „hilflos“ – sollten aber an Ort und Stelle bleiben

Vollständig befiederte Jungvögel, die gesund wirken, kurze Strecken fliegen und sich sicher auf den Beinen halten können, sollten in Ruhe gelassen werden! In der Regel sind die Eltern in der Nähe und auf der Sache nach Futter.

Hat man einen solchen, vermeintlich in Not geratenen Ästling mit nach Hause genommen, sollte er schnell wieder an den Fundort zurückgebracht und geschaut werden, ob das Jungtier von seinen Eltern weiter gefüttert wird.

Wenn allerdings Gefahr durch Straßenverkehr droht oder Räuber wie Katzen in der Nähe sind, sollte der Mensch eingreifen. Der Jungvogel kann kurzzeitig aufgenommen und in der Nähe des Fundorts an einen sicheren Platz in Hörweite der Eltern gesetzt werden, die in der Regel bis zu 24 Stunden nach ihrem Nachwuchs suchen.

Jungvogel gefunden: Nur dauerhaft aufnehmen, wenn kein vollständiges Gefieder vorhanden ist

Doch wie verhält man sich am besten, wenn man ein Küken findet, das noch nicht vollständig befiedert ist? Laut der Wildvogelhilfe brauchen Jungvögel, die noch nackte Stellen ohne Federn aufweisen, dringend Hilfe. Denn ohne ein fertig ausgebildetes Gefieder kann der Jungvogel noch nicht fliegen oder seine Körpertemperatur halten.

Im Idealfall wird ein unverletzter, hilfloser Jungvogel wieder vorsichtig zurück in sein Nest gesetzt. Dabei sollten die Altvögel diesen Vorgang aber nicht sehen und das Nest nicht berührt werden, denn laut Gesetz ist das Berühren eines Nestes im Garten verboten – für den Retter also eine echte Zwickmühle.

Was ist zu tun, wenn man einen Jungvogel gefunden hat?

Vogelfund: Bei Verletzungen Jungvogel schnell zum Tierarzt oder zur Auffangstation bringen

Ist das Nest unauffind- oder unerreichbar, sollte der Jungvogel in menschliche Obhut genommen und gewärmt werden, damit er nicht auskühlt. Im Falle einer Verletzung wie einem Luftsackriss oder Hämatomen sollte das Tier ebenso aufgenommen, zu einem Tierarzt oder zur Auffangstation gebracht und später ausgewildert werden. In der freien Natur wäre die Überlebenschance des Jungvogels sehr gering.

Im Unterschied zu zahlreichen Säugetieren nehmen Vögel ihre Jungen wieder auf, wenn das Tier von Menschen berührt wurde. Dass Jungtiere in diesem Fall verstoßen werden, ist laut der Wildvogelhilfe ein „populärer Irrtum.“

Wie man einen verletzten Jungvogel richtig behandelt, welches Futter er braucht und was man außerdem auf keinen Fall machen sollte, erfahren Vogel-Retter in der Notfall-Checkliste der Wildvogelhilfe oder auf der Homepage des Naturschutzbundes.

Rubriklistenbild: © Rosemarie Kappler/Imago

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