Heftige Kritik

Apple: iPhone-Update nervt Nutzer – sogar Mark Zuckerberg ist sauer

Apple führt ein neues Datenschutz-Upgrade ein. Was den Nutzer augenscheinlich helfen soll, droht zur Wettbewerbsverzerrung zu werden.

Deutschland –  Datenschutz war vor der Corona-Pandemie eines der am meisten diskutierten Themen. Auch während der Krise schlägt es regelmäßig Wellen – sei es die Debatte, um die Daten-Angabe in der Gastronomie oder neue Updates in beliebten Apps. So überrascht Apple jetzt mit verschärften Datenschutz-Regeln. Davon ist nicht jeder begeistert.

UnternehmenApple
CEOTim Cook (24. Aug. 2011–)
Gründung1. April 1976, Cupertino, Kalifornien, Vereinigte Staaten
HauptsitzCupertino, Kalifornien, Vereinigte Staaten

Apple führt Datenschutz-Upgrade für iPhone-Nutzer ein: Kritik von Facebook und Co.

Seit Montag (26. April 2021) dürfen iPhone-Nutzer selbst entscheiden, ob Apps die Befugnis haben, Kunden über mehrere Anwendungen zu verfolgen, um daraus etwa Erkenntnisse für personalisierte Marketing zu gewinnen.

Schon im Sommer 2020 kündigte Apple an „App Tracking Transparecy“ einzuführen. Mit einem Upgrade auf IOS 14.5 wurde dieses Datenschutz-Vorhaben jetzt realisiert (mehr Digitales auf RUHR24).

Datenschutz bei Apple: iPhone-Nutzer müssen neue Einverständnis bei Apps erteilen

Doch was bedeutet das eigentlich für iPhone-Besitzer. Letztlich nur, dass sie nach dem System-Upgrade jedem App-Anbieter die ausdrückliche Erlaubnis geben müssen, dass die Daten über mehrere Apps oder Websiten verfolgt und analysiert werden darf.

Nachdem Apple neulich bei Nutzern für Unmut gesorgt hat, weil ein Produkt entfernt wurde, klingt das erstmal nach einer guten Nachricht: keine Weiterverwendung von Daten ohne die explizite Erlaubnis. Was dem Einen Freude bereitet, verursacht dem anderen Bauschmerzen. Denn gerade andere App-Anbieter befürchten unter dem neuen Datenschutz-Upgrade zu leiden.

Mark Zuckerberg ist der Gründer von Facebook. Er übt scharfe Kritik am ATT-Verfahren von Apple.

Apple: Heftige Kritik von Facebook am Datenschutz-Upgrade für das iPhone

Zu den größten Kritikern zählt Mark Zuckerberg (36), Chef von Facebook, dem auch der Messenger-Dienst Whatsapp gehört. Er hatte vor der Einführung von ATT Apple vorgeworfen, dass der Konzern mit dem Datenschutz-Upgrade nur eigene Geschäftsziele verfolge. Sein Dienst Whatsapp kämpft gerade selbst mit einer Klage zu den AGB in Deutschland.

Mit dem neuen Upgrade wolle der iPhone-Hersteller kostenlosen Apps, die durch Werbung finanziert werden, das Wasser abgraben, um an Bezahl-Apps und kostenpflichtigen Software-Abos im App-Store mitverdienen zu können, so Mark Zuckerberg. Er befürchte, die Maßnahme werde vor allem kleine und mittlere Unternehmen treffen.

Apple kontert Kritik: iPhone-Hersteller wolle mit Datenschutz-Upgrade Nutzer schützen

Apple-Chef Tim Cook (60) ging nach der Kritik auf volle Konfrontation. In einem Interview mit dem Handelsblatt im Januar sagte er: „Was um alles in der Welt soll denn dafürsprechen, den Nutzer in die Irre zu führen?“ Apple wolle den Nutzern mehr Kontrolle über die Daten geben, die Internetkonzerne über sie sammeln.

„Wir glauben, dass Privatsphäre ein grundlegendes Menschenrecht ist.“ Die Daten gehörten den Nutzern, „und sie sollten selbst entscheiden können, wie ihre Daten verwendet werden und von wem“. Man habe Unterstützung von Behörden und Datenschützern für die Funktion bekommen.

Kritik an Apple: Auch deutsche Verbände hadern gegen Datenschutz-Upgrade beim iPhone

Doch nicht nur von Facebook gibt es scharfe Kritik. Auch eine Gruppe deutscher Verbände aus der Medien- und Werbewirtschaft, darunter der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) und die Organisation der Mediaagenturen (OMG), wirft Apple einen unfairen Wettbewerb vor und reichten eine Missbrauchsbeschwerde beim Bundeskartellamt ein, wie welt.de berichtete. „Wir schauen sie uns jetzt erst einmal an“, sagte ein Sprecher der Behörde.

Der Vorwurf lautete: Apple schließe zwar „faktisch alle Wettbewerber von der Verarbeitung kommerziell relevanter Daten im Apple-Ökosystem aus“, nehme aber die eigenen Dienste von dem Datenschutz-Upgrade aus. Apple-Manager Erik Neuenschwander, der für Datenschutz zuständig ist, entgegnete daraufhin: „ATT gilt gleichermaßen für alle Entwickler weltweit – und das schließt auch Apple mit ein.“

Apple: Neues ATT nicht nur auf dem iPhone – nicht jedes Gerät bekommt ATT

Das neue Upgrade gilt übrigens nicht für jedes Apple-Produkt. Während Apple ATT auf dem iPhone und dem Tablet (iPadOS14) einführt, bleiben die MacBooks vorerst außen vor. Hier seien aber auch Verbesserungen des Datenschutzes geplant.

Rubriklistenbild: © Justin Sullivan/AFP

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