Kritik an Änderung

Heftige Inkasso-Kosten: Änderung soll vor Abzocke schützen

Am 1. Oktober 2021 sind wichtige Teile eines neuen Gesetzes für mehr Verbraucherschutz in Kraft getreten. Unverhältnismäßige Inkassokosten sollen damit der Vergangenheit angehören. 

Deutschland – Ab Oktober 2021 soll damit Schluss sein mit horrenden Inkasso-Gebühren. Mit dem entsprechenden Gesetz will die Bundesregierung Verbraucherrechte stärken. Die Verbraucherzentralen kritisieren die Änderung allerdings bereits jetzt als unzureichend. Was die Neuerung im Inkasso-Fall konkret bedeutet, erklärt RUHR24.

InkassoEinziehung von fälligen Geldforderungen
Begriff aus demBankwesen
InkassodienstleitungEinziehung fremder Forderungen als eigenständiges Geschäft

Horrende Inkasso-Kosten – neues Gesetz soll vor Abzocke schützen

Wenn ein Inkasso-Schreiben in der Post liegt, kommen auf Verbraucher oftmals hohe Kosten zu. Denn neben den Schulden fallen noch Gebühren an – die nicht selten die eigentliche Forderung übersteigen.

Die Bundesregierung hat mittlerweile erkannt, was viele Verbraucher schon länger wussten: Die anfallenden Inkassokosten sind im Verhältnis zum Aufwand und der zugrunde liegenden Forderung meistens deutlich zu hoch. Seit dem 1. Oktober gilt das „Gesetz zur Verbesserung des Verbraucherschutzes im Inkassorecht“ – damit soll Inkasso nun „fairer“ werden.

Schluss mit hohen Inkassokosten – die Neuregelungen im Überblick

Diese konkreten Erleichterungen gelten laut Bundesregierung seit Monatsbeginn:

  • Verbraucher müssen schon im Vorfeld darauf hingewiesen werden, welche Kosten eines Inkassodienstleisters oder eines Rechtsanwalts im Falle eines Verzugs auf sie zukommen.
  • Auch vor dem Abschluss von Zahlungsvereinbarungen müssen sie auf die dadurch entstehenden Nebenkosten hingewiesen werden. 
  • Inkassodienstleister und Rechtsanwälte müssen betroffenen Verbrauchern die für sie zuständige Aufsichtsbehörde nennen. Hiermit soll Missbrauch durch dubiose Inkasso-Anbieter vorgebeugt werden.
  • Für Schuldner, die schnell zahlen, gilt: Wenn sie die Forderung auf ein erstes Mahnschreiben hin begleichen, darf nur ein Gebührensatz von 0,5 gelten. Derzeit machen Inkassodienstleister im Durchschnitt einen Satz von 1,1 geltend.
  • Bei kleinen Forderungen soll vermieden werden, dass die Inkassokosten die Forderungen selbst überschreiten. Dazu wird eine neue Wertstufe für Kleinforderungen bis 50 Euro eingeführt, bei der die Gebühr statt bisher 45 Euro nur rund 30 Euro beträgt.
  • Im Regelfall soll die Geschäftsgebühr bei unbestrittenen Forderungen auf einen Gebührensatz von 0,9 beschränkt werden.
  • Außerdem soll die Einigungsgebühr, die für den Abschluss von Zahlungsvereinbarungen geltend gemacht werden kann, bei Forderungen bis 500 Euro um rund die Hälfte gesenkt werden.
  • Eine Kostendopplung durch die Beauftragung von Inkassodienstleistern und Rechtsanwälten soll ausdrücklich ausgeschlossen werden.
  • Zugleich soll auch die Ungleichbehandlung von Inkassodienstleistern gegenüber Rechtsanwälten bei der Geltendmachung von Kosten im gerichtlichen Mahnverfahren abgeschafft werden.

Schluss mit hohen Inkassokosten – wer von den Änderungen ab Oktober profitiert

Wie die Bundesregierung erklärt, würden die Änderungen in Summe ungefähr zu einer Senkung der Inkassogebühren um etwa 20 Prozent führen. Dies würde den Verbrauchern zugutekommen und sei von den Inkassodienstleistern zu tragen. Ein Grund für die Neuregelung sei auch die Corona-Pandemie, die viele Menschen finanziell getroffen habe.

Die Verbraucherzentrale NRW verdeutlicht die Änderungen an konkreten Beispielen: So hätten Inkassofirmen bisher selbst bei Kleinforderungen bis 50 Euro in der Regel 76,44 Euro berechnet. Künftig dürften es maximal 32,40 Euro sein.

Aber auch Forderungen über 50 Euro seien von der Reform betroffen. So würden zum Beispiel bei einer Forderung von 500 Euro künftig in der Regel nur noch knapp 53 Euro an Inkassokosten fällig. Allerdings werden im Zuge der neuen Regeln in erster Linie die Gebühren für säumige Kleinbeträge oder aber für bereits nach der ersten Mahnung bezahlte Rechnungen gesenkt.

Neues Inkasso-Recht ab Oktober 2021 – viele Schuldner zahlen weiterhin hohe Kosten

Höhere Inkassokosten sind in anderen Fällen auch ab Oktober 2021 zulässig: Wer sich zum Beispiel mit der Zahlung zu viel Zeit lässt oder eine (berechtigte) Forderung bestreitet, zahlt Inkassokosten in bekannter Höhe.

Den Verbraucherzentralen gehen die Änderungen daher nicht weit genug. Ein Kritikpunkt: Wer Forderungen nicht auf einmal bezahlen kann, werde durch die neuen Regeln kaum geschützt. Das neue Gesetz erlaube es der Inkassobranche außerdem, in „besonders schwierigen oder besonders umfangreichen“ Fällen weiterhin Kosten in der bisherigen Höhe zu verlangen, erklärt die Verbraucherzentrale NRW.

Was als besonders schwierig oder besonders umfangreich gilt, definiere das Gesetz dabei nicht. Die Inkassofirmen könnten diese Grenze einfach eher niedrig ansetzen, um weiter hohe Kostensätze verlangen zu können.

Verbraucherschutzgesetz in der Kritik – Mehrkosten bei Inkasso nach wie vor möglich

Das Fazit der Verbraucherschützer: Wer nur wenig Schulden hat und/oder wer schnell zahlt, kann von dem neuen Gesetz profitieren. Hoch Verschuldete und solche, die als besonders schwierige Fälle eingestuft werden, können hingegen kaum bis keine Erleichterung erwarten.

Ebenso kommen auf Verbraucher weiterhin Mehrkosten zu, die die Forderung nicht sofort zahlen können und sie in Raten begleichen müssen. Denn für die Ratenzahlung fallen auch in Zukunft zusätzliche Gebühren an. 

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