Nutzung ist strafbar

Gefälschte Impfausweise im Umlauf: Experte spricht von Körperverletzung

Impfpass
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Aktuell sind gefälschte Impfpässe bundesweit im Umlauf – das Landeskriminalamt warnt.

Nicht nur Impfungen gegen Covid-19, sondern auch der Eintrag im Impfpass ist aktuell sehr begehrt. So sehr, dass Betrüger ein Geschäft für sich entdeckt haben und gefälschte Impfpässe verkaufen.

Dortmund – Ein Impfpass mit einer eingetragenen Covid-19-Impfung kann in den kommenden Monaten zur Eintrittskarte zu alten Freiheiten werden. Kein Wunder, dass zumindest der Eintrag im Impfpass begehrt ist. Das haben auch Betrüger erkannt, die sich an der Coronavirus-Krise bereichern wollen. Polizei und Ärzte warnen vor der miesen Masche.

VirusCoronavirus, Sars-CoV-2
ErkrankungCovid-19
Verfügbare ImpfstoffeBiontech/Pfizer, Astrazeneca, Johnson & Johnson und weitere

Corona-Impfung ist ein begehrtes Gut – mit Fälschung alte Freiheiten zurückerlangen

Geimpfte sollen ihre gewohnten Freiheiten zurückerhalten, Reisen sollen wieder möglich sein und Kontaktbeschränkungen sollen aufgehoben werden. Neben dem Schutz vor einer schweren Coronavirus-Infektion natürlich weitere gute Gründe für eine Impfung. Doch zwei Probleme gibt es noch.

Zum einen gibt es Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen und zum anderen können sich aktuell nicht alle Menschen impfen lassen, die es gerne möchten. Auch wenn die Impfpriorisierung im Sommer aufgehoben werden soll, kann es noch eine Weile dauern, bis wirklich alle Menschen durchgeimpft sind. Für diejenigen die nicht abwarten können oder partout auf eine Impfung verzichten wollen, haben Kriminelle einen eigenen Markt geschaffen.

Impfpass-Fälschungen im Umlauf: Kriminologe spricht von Körperverletzung

„Bundesweit sind seit Kurzem gefälschte Impfpässe im Umlauf“, warnt das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen in einer Mitteilung. Weiter berichten die Beamten, dass auch in Niedersachsen erste Fälle registriert wurden und betont: „Das Herstellen und Vertreiben, aber auch die Nutzung solcher gefälschten Impfpässe ist strafbar.“

Wer seine Corona-Impfung überstanden hat, bekommt einen Sticker und einen Stempel in seinen Impfpass. Allerdings wollen manche die Spritze umgehen und trotzdem den Eintrag im Pass ergattern.

Wer einen Impfpass selber fälscht, macht sich der Urkundenfälschung strafbar. Der Kriminologe Prof. Christian Matzdorf geht in einem Interview mit Report Mainz von der ARD noch einen Schritt weiter und spricht von Körperverletzung. Dieses kriminelle Verhalten könne dazu führen, dass die Strategien zur Eindämmung der Pandemie nicht greifen. „Leben und Gesundheit von unzähligen Menschen – wir können da sogar von 100.000 oder Millionen sprechen – werden vorsätzlich gefährdet.“

Impfpass-Fälschungen kosten bei Telegram zwischen 99 und 250 Euro

Und dennoch scheint das Geschäft mit den gefälschten Impfpässen gut zu laufen, wie auch wa.de* berichtet. Wie Report Mainz aufdeckt, gibt es unzählige Anbieter, die ihre Fälschungen über den Messengerdienst Telegram anbieten. Auch das LKA Niedersachsen hat davon bereits Wind bekommen.

Demnach sollen dort Originalimpfpässe mit Stempel, Sticker und Unterschrift zu Preisen zwischen 99 und 250 Euro angeboten werden. Dabei werden als Impförtlichkeit alle größeren Städte angeboten und beworben. Das LKA warnt: „Nicht nur das Herstellen und Vertreiben, sondern auch die Nutzung solcher gefälschten Impfpässe (ist) strafbar.“ Neben Urkundenfälschung können die Kriminellen auch wegen Betrug dingfest gemacht werden.

Impfpass-Fälschungen in fünf Minuten und für drei Euro selber machen

Nicht nur Polizei und Kriminologen sind alarmiert. Auch Ärzte sehen das Fälschungspotenzial der Impfpässe. Der Neu-Ulmer Allgemeinmediziner Christian Kröner spricht im Interview mit dem Focus, von einer „unfassbaren Naivität“ der Firma Biontech. Der Impfstoffhersteller hätte das Original-PDF-Dokument zum Bedrucken der Impf-Kleber mit der aktuellen Chargennummer frei für jeden herunterladbar auf der Webseite zur Verfügung gestellt. Üblich wäre es demnach, fertig bedruckte Kleber dem Impfstoff beizulegen.

„Somit konnte jeder mit etwas krimineller Energie dieses PDF verwenden, um einen weißen Blankobogen mit Original-Impfklebern zu bedrucken“, erklärt der Arzt. Die gelben Impfpässe seien frei verkäuflich erhältlich. Er spricht von einem Zeitaufwand von fünf Minuten und Kosten um die drei Euro.

Kröner appelliert, dass wir einen fälschungssicheren digitalen Impfpass benötigen. Nur so sei ein sicheres Öffnen von Geschäften, Kinos oder Restaurants möglich. Tatsächlich ist ein digitaler Impfpass bereits in Planung, wann er allerdings eingeführt werden soll, ist noch unklar.

Video: Besser keine Fotos vom Impfpass posten

Impfpass-Fälschungen: Betrüger bedienen sich an Fotos aus den sozialen Medien

Bis es also so weit ist, müssen wir weiterhin mit dem analogen Impfpass vorlieb nehmen und Betrüger können wohl noch eine Weile mit den angeblichen Impfungen jede Menge Geld machen. Doch nicht nur der Impfpass auf Papier spielt den Betrügern in die Karten, auch die sogenannten Impfpass-Selfies.

Viele Geimpfte posten stolz ein Foto ihres Impfpasses in den sozialen Medien und machen es damit unwissend sehr einfach einen Impfpass zu fälschen. Auch das Bundesgesundheitsministerium warnt davor, Fotos des Impfpasses in sozialen Medien zu teilen. Nicht nur, dass Kriminelle sich an den Daten bedienen könnten, außerdem handelt es sich bei den Informationen um sensible Daten. *wa.de ist wie RUHR24 Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA

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