Dramatische Entwicklung

Hunde-Mafia profitiert von Corona: Illegaler Haustierhandel boomt

Die Corona-Krise hat auch ganz unbeachtete Folgen: Der illegale Welpenhandel boomt derzeit wie nie – vor allem im Internet haben Händler leichtes Spiel.

Deutschland – Es ist eigentlich ein altbekanntes Problem: Alle Jahre wieder warnen Tierschützer vor Weihnachten vor unüberlegten Haustierkäufen. Und ebenfalls regelmäßig zu Weihnachten ruft die erhöhte Nachfrage nach einem felligen Freund skrupellose Tierhändler auf den Plan. In diesem Jahr ist die Situation aber besonders dramatisch – denn die Pandemie kommt den Händlern zugute.

Deutscher Tierschutzbund Dachorganisation der deutschen Tierschutzvereine und -heime
Adresse In der Raste 10, 53129 Bonn
Mitglieder 744 Tierschutzvereine mit mehr als 800.000 Mitgliedern
Gründung 1881

Illegaler Handel mit Welpen zu Weihnachten – Tiere sind „kein Geschenk“

Der Deutsche Tierschutzbund warnt schon seit Jahren davor, dass Tiere grundsätzlich kein geeignetes Geschenk seien. Denn sie ließen sich „nicht so einfach wie ein Pullover oder ein Spielzeug umtauschen.“ Nach den Weihnachtstagen würden daher viele zuvor so sehnlichst gewünschte Haustiere in den Tierheimen abgegeben werden.

Dennoch landen Jahr für Jahr zahlreiche Hunde, Katzen oder auch Kleintiere unterm Weihnachtsbaum. Ein „Fest“ ist das vor allem für illegale Tierhändler, die in dieser Zeit ihr größtes Geschäft machen.

Illegaler Haustierhandel boomt deutschlandweit – die Corona-Krise befeuert das Geschäft

Der Tierschutzbund sowie Tierschutzvereine aus Neuss und Hamburg schlagen jetzt Alarm. Denn das Geschäft mit den Tieren – insbesondere der Welpenhandel – floriert in diesem Jahr mehr denn je.

Der Grund: Im Zuge der Corona-Krise wünschen sich noch mehr Menschen als sonst ein Haustier. Denn viele haben im Moment mehr Zeit – und verbringen vor allem auch mehr Zeit zu Hause.

Für Kinder fallen zudem zahlreiche geliebte Freizeitaktivitäten weg – und viele Eltern sehen in Hunden oder anderen Haustieren eine alternative Beschäftigungs-Möglichkeit. Ältere Menschen fühlen sich hingegen vielleicht alleine und wünschen sich daher einen tierischen Begleiter.

Haustierhandel: Verbotenes Geschäft mit Hunden – 2020 ist wegen Corona „ein Rekordjahr“

Dementsprechend stieg die Nachfrage nach Welpen und anderer tierischer Gesellschaft bereits vor Weihnachten stark an. Schon im Sommer meldeten mehrere Tierheime, dass sich mehr Menschen ein Haustier wünschten. Eigentlich für viele eine positive Entwicklung, denn zuvor wurde befürchtet, dass mehr Menschen wegen Angst vor Ansteckung mit Corona ihre Tiere abgeben.

Andererseits kommt die verstärkte Wunsch nach Haustieren aber auch illegalen Tierhändlern zugute. Die ohnehin stärkere Nachfrage zu den Festtagen verschärft die Lage jetzt noch zusätzlich.

Laut einem Bericht der BNN werden nach Angaben der Tierrechtsorganisation Peta rund 46.000 Hunde innerhalb der EU transportiert – die meisten davon aus Osteuropa. Weiterhin heißt es in diesem Bericht, Deutschland erlebe im Hinblick auf das illegale Geschäft aus Rumänien bislang ein „Rekordjahr“.

Corona: Illegaler Welpenhandel – grausames Geschäft auf Kosten der Tiere

Das größte Problem am illegalen Haustierhandel ist ganz klar das Leid der Tiere. Bereits im Mai 2020 machten einige Abgeordnete vom Bündnis 90/die Grünen die Bundesregierung in einer „kleinen Anfrage“ auf das Problem aufmerksam. Darin verdeutlichen sie, dass die Händler der sogenannten Hunde-Mafia die Tiere leiden lassen. So bekämen sie beispielsweise kaum oder nur ungeeignetes Futter, um Kosten zu sparen.

Gerade während des Transports erhielten die Tiere nicht genügend Nahrung und Wasser – und seien auch nicht ausreichend gesichert. Über mehrere Tage werden die Tiere demnach beim Transport nach Deutschland in Kartons oder Kofferräumen ohne Tageslicht eingesperrt.

Elektroschocks und „Gebärmaschinen“ – die Tiere erleiden echte Qualen

Tierschützer machen außerdem darauf aufmerksam, dass Hündinnen von den Händlern als „Gebärmaschinen“ mißbraucht werden, die „am Fließband“ werfen müssten. Unwillige Rüden würden teilweise sogar mit Elektroschocks zur Paarung gezwungen.

Außerdem wären illegal eingeführte Tiere auch zumeist nicht geimpft und erführen auch sonst keine ausreichende medizinische Behandlung. Impfpapiere wären häufig gefälscht – teilweise von skrupellosen Tierärzten, die damit ebenfalls verdienten.

Gefahr durch illegalen Haustierhandel – nicht nur die Tiere nehmen Schaden

Die Abgeordneten verwiesen in ihrer Ausführung zudem darauf, dass diese Zustände nicht nur für die Tiere selbst ein Problem seien. Vielmehr berge das System „zahlreiche Risiken für die öffentliche Gesundheit“. Denn die Bedingungen, unter denen die Tiere gehalten werden, begünstigten die Entstehung von Zoonosen wie Tollwut oder Bandwürmern.

Außerdem seien die illegal gehandelten Tiere oft kränklich oder verhaltensauffällig. Potenziellen Käufern drohten daher hohe Tierarztkosten. Der Grund: Käufer, die ohne besseres Wissen ein traumatisiertes oder krankes Tier kauften, hätten keinerlei Rückzahlungs- oder Schadensersatzansprüche. Denn die Händler agieren zumeist anonym. Die Tiere werden oftmals zum Beispiel auf Parkplätzen verkauft.

Durch unregulierten Internethandel haben es die kriminellen Händler besonders leicht einfach anzutauchen. Auch Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes hat hier eine ganz klare Meinung. Solange Menschen über das Internet Tiere kauften, blühe das Geschäft mit dem illegalen Handel. „Jeder, der auf diesem Weg einen Hund anschafft, befeuert das grausame Geschäft mit dem Tierleid.“

Grausames Geschäft mit Haustieren – was Verbraucher tun können

Die Abgeordneten der Grünen fordern daher in ihrer Schrift, den Online-Handel mit Tieren stärker zu regulieren. Nur so könne man der Hunde-Mafia Einhalt gebieten. Die konkrete Forderung: Die betroffenen Internetplattformen sollten verpflichtet werden, eine Anbieter-Registrierung einzufordern, bevor Tiere angeboten werden können. So könnte man sie besser rückverfolgen.

Zahlreiche Tierschützer appellieren außerdem an Verbraucher, Haustiere grundsätzlich niemals über das Internet zu kaufen. Denn auf Plattformen wie eBay gäbe es zwar auch zahlreiche seriöse Händler, die unseriösen seien aber oft schwer davon zu unterscheiden. Beispielsweise geben sich die Händler oft als Hobby-Züchter aus, obwohl sie eigentlich ein illegales Gewerbe betreiben.

Wer sich – nach sorgfältiger Überlegung – ein Haustier anschaffen möchte, der kann sich beispielsweise an die örtlichen Tierheime wenden. Diese empfangen zwar aufgrund der Pandemie keine Besucher – viele vermitteln aber telefonisch bzw. nach vorheriger Terminabsprache. Allerdings gilt wie jedes Jahr: Erst nach Weihnachten. Denn die meisten Tierheime vermitteln um die Feiertage mittlerweile aus Schutzgründen gar keine Tiere mehr.

Rubriklistenbild: © Daniel Karmann/dpa

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