Corona-Krise ist verantwortlich

Ikea-Hammer: Möbelriese schmeißt 600 Artikel aus dem Sortiment

Die Corona-Krise führte bei Ikea zu steigender Nachfrage. Einerseits gut, doch andererseits kommt es aktuell zu Lieferproblemen. Jetzt handelt der Möbel-Gigant.

Dortmund – Es ist Segen und Fluch zu gleich: die große Auswahl bei Ikea. Wie viel Kopfzerbrechen hat es uns schon bereitet, uns zwischen der weißen Papierlampe und der etwas kleineren weißen Papierlampe zu entscheiden? Doch damit könnte bald Schluss sein, denn Ikea will das Sortiment einstampfen.

MultikonzernIkea
GründerIngvar Kamprad
Gründung28. Juli 1953, Älmhult, Schweden

Ikea streicht Produkte: Um die 600 Artikel soll es künftig nicht mehr geben

Wie die Wirtschaftswoche berichtet, soll das Sortiment beim schwedischen Möbelhaus in Europa um sechs Prozent und in Nordamerika um fünf Prozent schrumpfen. Bei geschätzten 12.000 Artikeln macht das immerhin rund 600 Auswahlmöglichkeiten weniger. Konkrete Zahlen nennt Ikea jedoch nicht.

Allerdings ist nicht etwa die Unentschlossenheit der Kunden Grund für den Waren-Rausschmiss bei Ikea. Vielmehr ist die Coronavirus-Krise Ursprung für die Verkleinerung des Sortiments. In Zeiten von Homeoffice, Lockdown und viel Zeit in den eigenen vier Wänden, entschlossen sich viele Menschen für eine Umgestaltung der Wohnung, für neue Möbel und eine Veränderung.

Ikea-Sortiment schrumpft: Hohe Nachfrage und Corona-Krise vertragen sich nicht

Die Auswirkungen hat Ikea zu spüren bekommen. Das habe „zu einer gesteigerten und durchweg hohen Nachfrage“ geführt, teilt das Unternehmen gegenüber der Wirtschaftswoche mit. Was erstmal gut für Ikea klingt, verträgt sich nicht gut mit der anhaltenden Coronakrise, die Auswirkungen auf die Transportbranche hat.

Ikea erklärt, dass Lieferketten aktuell vor großen Herausforderungen stünden, damit gingen große Einschränkungen in der Seefrachtkapazität einher. Zwar wurden bereits Maßnahmen getroffen, doch der schwedische Konzern ist sich sicher, dass diese für das kommende Geschäftsjahr nicht ausreichen werden.

Ikea setzt den Rotstift an: Produkte aus Asien könnten rausfliegen

So will Ikea sein Sortiment in der „Breite und Tiefe“ im Geschäftsjahr 2022 reduzieren. Welche Produkte allerdings aus den Mega-Regalen fliegen werden, ist bislang noch nicht klar, doch die Wirtschaftswoche hat eine Vermutung.

Denn bisher stammen rund 70 Prozent der in Europa verkauften Ikea-Möbel auch aus Europa. Die Wirtschaftsexperten vermuten, dass ein Großteil der verbleibenden Artikel aus Asien stammen dürfte. Und genau hier könnte der Rotstift angesetzt werden.

Ikea von weltweiten Lieferproblemen betroffen – auch andere Händler haben zu kämpfen

Denn Asien ist besonders hart von den Seefrachtproblemen betroffen, die Hafen sind überlastet. Zuletzt musste der Hafen von Yantian in Südchina zeitweise geschlossen werden, nachdem dort Fälle der Delta-Variante des Coronavirus nachgewiesen wurden. Die Folge: Mega-Stau im viertgrößten Hafen der Welt und globale Lieferverzögerungen.

Zwar konnte der Betrieb inzwischen wieder aufgenommen werden, doch die kurze Unterbrechung ist immer noch nachzuspüren und weltweite Lieferketten sind gestört. So haben auch andere Händler derzeit zu kämpfen und kündigen an, dass Artikel zeitweise ausverkauft sein könnten.

Wegen weltweiter Lieferprobleme will Ikea das Sortiment verkleinern.

Neben Ikea sind auch Aldi und Deichmann von Lieferproblemen betroffen

Sogar der Discounter Aldi Süd befürchtet laut Wirtschaftswoche Lieferverzögerungen bei Aktionsartikeln. Zudem könne Aldi nicht absehen, wann sich die Situation wieder entspannen würde (mehr News zu Supermärkten und Discountern bei RUHR24). Neben Ikea und Aldi spürt auch der Schuhhändler Deichmann die angespannte Situation. Die Pandemie habe die weltweiten Lieferketten aus dem Takt gebracht.

Damit Kunden bei Ikea erst gar nicht enttäuscht werden und vor leeren Regalen stehen, kommt der Möbel-Gigant den Lieferengpässen und der gesteigerten Nachfrage zuvor und streicht eben einige Artikel aus dem Sortiment. Ziel ist es, eine höhere Produktverfügbarkeit bieten zu können.

Rubriklistenbild: © Axel Heimken/dpa

Mehr zum Thema