Pommes fliegen raus

Pommes-Eklat bei Ikea – auch Politiker laufen Sturm

Weil eine Ikea-Filiale für den Klimaschutz Pommes vom Speiseplan nimmt, kommt es auf Twitter zu Diskussionen. Kritiker sehen ihre Freiheit gefährdet.

NRW – Wen auf der Suche nach neuen Möbeln für die heimischen vier Wände im schwedischen Möbelhaus Ikea der kleine oder große Hunger überkommt, verschlägt es in der Regel in das hauseigene Restaurant. Köttbullar mit Preiselbeeren sind bei deutschen Verbrauchern ebenso beliebt wie die Ikea-Pommes. Doch die salzigen Fritten soll es in einer Filiale nicht mehr geben – sehr zum Unverständnis einiger Kunden.

IKEAmultinationaler Einrichtungskonzern
Gründung28. Juli 1943 in Älmhult (Schweden)
HauptsitzDelft (Niederlande)

Ikea-Filiale streicht Pommes vom Speiseplan und will so das Klima schützen

Ein mutmaßlich aus einer Ikea-Filiale stammendes Hinweisschild erhitzt auf Twitter derzeit die Gemüter. „Wir verzichten bewusst auf Pommes“ steht darauf geschrieben. Was für Pommes-Fans einem schieren Sakrileg gleichkommt, soll in Wahrheit Teil einer klimafreundlicheren Konzernstrategie sein (mehr Service-News auf RUHR24).

Das wird in der Begründung deutlich. Dort weist Ikea darauf hin, dass eine Portion Pommes „in der Verarbeitung und Zubereitung über viermal so viel CO2 wie eine Portion Salzkartoffeln“ verursache. „Durch eine bewusste Ernährung kann jeder etwas zur Reduzierung der Treibhausgase beitragen“, heißt es weiter.

Möbelhaus will Kunden „bei einer gesünderen und nachhaltigeren Lebensweise unterstützen“

Auf die Nachfrage von utopia erklärte der Möbelkonzern, dass es den einzelnen, lokalen Standorten obliege, Pommes auf die Speisekarte zu setzen. Man prüfe derzeit, in welcher Filiale das Schild steht. Gegenüber dem Berliner Kurier gab das Unternehmen bekannt, dass es keine zentralen Pläne gebe, Pommes aus dem Sortiment zu nehmen.

Man wolle seine „Kundinnen und Kunden bei einer gesünderen und nachhaltigeren Lebensweise unterstützen“, so Ikea weiter. Gegenüber der Wirtschaftswoche ergänzte das Unternehmen, dass es nicht darum gehe, das „Lebensmittelangebot einzuschränken, sondern es um viele gesündere und umweltbewusstere Optionen zu ergänzen“.

Kritiker lassen auf Twitter ihrer Wut freuen Lauf – andere User zeigen Verständnis

Die Reaktionen bei Twitter auf die vorgeblich klimafreundliche Ikea-Maßnahme ließen nicht lange auf sich warten. Der rechtskonservative Blogger Boris Reitschuster äußerte auf der Plattform seinen Unmut über den Pommes-Rauswurf – und warf damit den Köder aus, auf den sich unter anderem seine Gesinnungsgenossen nur allzu gerne stürzten.

Er wolle bewusst auf Läden verzichten, die ihn „belehren und bevormunden wollen“, twitterte der ehemalige Focus-Journalist. Zudem wolle er als „mündjger (sic!) Kunde behandelt werden und nicht #Erziehungsobsjekt“.

Von einigen Twitter-Nutzern erhielt Boris Reitschuster Unterstützung für seine Forderung. Ein Politiker äußerte lakonisch:

(...) Man kann aber auch CO2 sparen, indem man auf Fahrten zu Geschäften verzichtet, die sich dummdreist als Volkserzieher aufspielen!

Gerhard Papke, FDP-Politiker und Präsident der Deutsch-Ungarischen Gesellschaft

FDP-Politiker solidarisiert sich mit rechtskonservativem Blogger

Auch andere Twitter-Nutzer stehen der Speiseplanänderung in der Ikea-Filiale ebenfalls kritisch gegenüber. Während manche darin einen Versuch des Möbelhauses erkennen, auf den „Zug des Zeitgeistes“ aufspringen zu wollen, planen andere gar, Ikea für die vermeintliche Bevormundung zu boykottieren.

Auf der anderen Seite erntete der rechtskonservative Blogger, der in der Vergangenheit durch Falschaussagen zur Corona-Pandemie Aufsehen erregt hatte, aber auch Spott und Häme. Eine Nutzerin kommentierte:

Reitschuster, der aufrechte Kämpfer gegen Cancel Culture, will jetzt IKEA canceln – wegen Pommes. Oder eher: keiner Pommes. Er verzichtet ab jetzt auf IKEA, weil die keine Pommes mehr verkaufen. Lieber Boris! Weisst Du, wer ebenfalls keine Pommes verkauft? Genau: TWITTER! Na?

Marie von den Benken, Chefreporterin GNTM

Zahlreiche Twitter-Nutzer zeigen Verständnis für die Pommes-Verbannung von Ikea

In dieselbe Kerbe schlugen auch zahlreiche Twitter-Nutzer, die Verständnis für den Rauswurf der Pommes haben. Ein Nutzer forderte, dass sich deutsche Restaurants „daran ein Beispiel nehmen“ sollten, ein anderer hob die Transparenz der Ikea-Entscheidung hervor und wies darauf hin, dass Ikea nun mal das anbieten könne, was es will.

Doch auch jenseits rechtskonservativer Sphären gerät Ikea für die Speiseplan-Änderung in die Kritik. Dass sich des Unternehmens den Klimaschutz auf die Fahne schreibt, sei angesichts zahlreicher Umweltvergehen des Milliarden-Konzerns für einige nicht glaubhaft – Stichwort „Greenwashing“.

Eine Ikea-Filiale nimmt Pommes von der Speisekarte.

Ikeas Klimaschutzmaßnahmen sind nicht unumstritten – Vorwürfe der illegalen Holzgewinnung

Ikea soll laut übereinstimmenden Medienberichten an der Holzgewinnung durch Raubbau in den rumänischen Karpaten in Osteuropa beteiligt sein. Bei der dortigen illegalen Holzgewinnung seien laut Recherchen der Regensburger Stadtzeitung „potenziell mafiöse Strukturen“ am Werk. Ikea selbst bestreitet die Vorwürfe.

Trotz seiner öffentlichkeitswirksam inszenierten Klimaschutz-Projekte steht Ikea dahingehend immer wieder in der Kritik. Zumindest hat die Verbannung von Pommes aus dem Restaurant einer Filiale zu kontroversen Twitter-Diskussionen zum Thema Umweltschutz und der Freiheit des Einzelnen in mehr oder weniger sachlichem Rahmen geführt.

Rubriklistenbild: © Manfred Segerer/Imago; Panthermedia/Imago; Collage: Julian Kaiser/RUHR24