Kein Kaffee für Querdenker

Keine Ausnahme: Ikea schmeißt bekannten Corona-Gegner raus – trotz Attest

Ikea Coronavirus
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In Kiel ist ein bekannter Corona-Gegner aus einer Ikea-Filiale geworfen worden. Symbolfoto

Ein bekannter Corona-Gegner wollte bei Ikea in Kiel einen Kaffee trinken. Doch eine Maske trug er nicht. Trotz Attest warf ihn das Möbelhaus raus.

Kiel – Weil das Coronavirus (SARS-CoV-2) weiterhin grassiert, gilt auch in Schleswig-Holstein die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung beim Betreten von Geschäften. Im nördlichsten Bundesland Deutschlands kann sich jeder von der Maskenpflicht befreien, der „aufgrund körperlicher, geistiger oder psychischer Beeinträchtigung (einschließlich Behinderungen) nicht in der Lage“ ist, eine solche zu tragen. Ein ärztliches Attest ist nicht zwingend erforderlich.

UnternehmenIkea
GründerIngvar Kamprad
Gründung28. Juli 1943, Älmhult, Schweden
CEOJesper Brodin

Ikea in Kiel: Prominenter Corona-Gegner wird ohne Maske vor die Tür gesetzt

Allerdings setzt die Gesetzeslage in Schleswig-Holstein voraus, dass eine Ausnahme von der Tragepflicht durch den Betroffenen glaubhaft gemacht wird. In einer Ikea-Filiale in Kiel war genau das bei drei Besuchern aber offensichtlich nicht der Fall.

Drei Männer wollten im Möbelhaus einen Kaffee trinken, trugen beim Betreten des Gebäudes allerdings keine Maske. Bei einem von ihnen handelte es sich um Godwin Bachmann (48), einen bekannten Gegner der Corona-Politik. Darüber berichteten die Kieler Nachrichten (Bezahlschranke) zuerst.

Ikea in Kiel: Godwin Bachmann fliegt ohne Maske aus dem Geschäft

Gemeinsam mit zwei Begleitern legten die drei ein Attest vor, als sie von einer Mitarbeiterin der Ikea-Filiale an die Maskenpflicht erinnert wurden. Ihnen seien daraufhin Gesichtsvisiere als Alternative angeboten worden – auch die wollten sie aber nicht tragen.

Es folgte eine Diskussion, in der allerdings kein Konsens erzielt werden konnte. Denn letztlich rief die Ikea-Mitarbeiterin laut Kieler Nachrichten die Polizei und setzte die dreiköpfige Gruppe vor die Tür.

Die Maskenpflicht gilt auch beim schwedischen Möbelhaus Ikea.

Gegenüber den Kieler Nachrichten machte Godwin Bachmann seinem Ärger über den verwehrten Kaffee und den Rauswurf Luft. Er fühle sich „als Mensch aussortiert“.

Nach Rauswurf bei Ikea: Godwin Bachmann steht gegen die Corona-Regeln auf der Bühne

Was er der Zeitung allerdings verschwieg: Godwin Bachmann gilt als strenger Maskengegner und steht als Unterstützer der „Querdenker" mit den Schutzverordnungen der Regierungen ohnehin auf Kriegsfuß.

Denn zwei Wochen nach dem Vorfall im Ikea in Kiel sei Godwin Bachmann auf der Bühne einer Demonstration der Initiative Kiel aufgetreten. Dort habe er die Corona-Regeln in altbekanntem Duktus als "diktatorische Maßnahmen" bezeichnet und die Menschen in aggressivem Tonfall zur Nichteinhaltung ebenjener aufgefordert.

Kiel: Godwin Bachmann aus Ikea geschmissen – „diktatorische Maßnahmen“

„Nehmt diese Windel aus dem Gesicht – und das überall!“

Godwin Bachmann laut Kieler Nachrichten auf einer Corona-Demo

Warum sich Godwin Bachmann von der Maskenpflicht ärztlich befreien ließ, verriet er den Kieler Nachrichten nicht. Laut dem Redaktionsnetzwerk Deutschland wird wegen des Verdachts falsch ausgestellter Atteste bereits gegen mehrere Ärzte ermittelt.

Mit dem Vorwurf muss sich auch Kieferchirurg Dr. Fritz Düker aus Offenburg auseinandersetzen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, unzulässige Atteste gegen die Maskenpflicht ausgestellt zu haben. In seiner eigenen Praxis verzichtet er auf Maskenpflicht und Mindestabstand (alle Service-Artikel auf RUHR24).

Vorfall bei Ikea in Kiel: Falsche Atteste gegen die Maskenpflicht sind ein Problem

Schon über 100 Patienten habe er nach eigener Angabe mit einem Attest von der Maskenpflicht befreit. Von Schummelei will er nichts wissen, wie er gegenüber RTL betont. „Atemprobleme und Ängste können Befunde sein und die Diagnose kann dann zum Beispiel ‚orale Maskenphobie‘ lauten.“

Dass es auch unter Ärzten Corona-Skeptiker gibt, sorgte in der Vergangenheit bereits für Probleme. Die Polizeiinspektion Münster berichtete im August über sogenannte Corona-Blanko-Atteste, die Ärzte für diesen Zweck im Internet zum Download bereitstellten.

Video: Befreiung von Maskenpflicht: Durchgreifen bei falschen Attesten

„Fake-Atteste sind nicht zu akzeptieren“, äußerte sich Eugen Brysch, der Vorstand der Stiftung Patientenschutz, damals gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Durch ihr Verhalten diskreditierten die beteiligten Ärzte den ganzen Berufsstand.

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