Angestellte fürchten um ihre Jobs

Ikea fordert Amazon heraus: Neues Angebot in Städten soll mehr als nur Möbel bieten

Ikea ist im Wandel. Neue Shops werden ausgetestet und die Digitalisierung vorangetrieben. Das bringt für Kunden und Kundinnen einige Neuerungen mit sich.

Dortmund – Ikea ist ein Traditionsunternehmen. Doch aktuelle Entwicklungen haben wenig mit der Tradition zu tun, die Gründer Ingvar Kamprad ins Leben gerufen hat. Kunden dürften sich über die geplanten Neuerungen freuen – Mitarbeiter hingegen müssen um ihre Jobs fürchten.

MultikonzernIkea
GründerIngvar Kamprad
Gründung28. Juli 1943, Älmhult, Schweden

Ikea im Wandel: Neue Angebote wie „Click & Collect“ sind beliebt und umstritten zugleich

Nicht erst seit der Coronavirus-Pandemie erlebt der Online-Handel einen unglaublichen Boom. Kleidung, Haushaltswaren, Lebensmittel und eben auch Möbel online aussuchen und bequem nach Hause liefern lassen – ohne das Haus verlassen zu müssen. Für den Möbelriesen wäre es fatal nicht auf den Online-Zug aufzuspringen.

Bereits in Pandemie-Zeiten hat Ikea reagiert und das „Click & Collect“-Angebot ausgeweitet – allerdings nicht immer zur vollsten Zufriedenheit der Kunden und Kundinnen. Viele bemängelten den in ihren Augen zu hohen Aufpreis dafür, dass Mitarbeitende ihre Möbel zusammensuchen und ihnen auf dem Parkplatz übergeben.

Ikea mit Zukunftsplan: Kleine Stores und digitale Lösungen nach dem Vorbild von Amazon

Doch zukünftige neue Angebote könnten die Gemüter wieder beruhigen – zumindest die der Kunden und Kundinnen. Nach Informationen des Business Insiders sollen folgende Änderungen in Zukunft anstehen:

  • Neue Ikea-Formate in Innenstadtlage
  • Sogenannte „Hitta“-Terminals
  • Kassenlose Geschäfte nach dem Vorbild von Amazon Go

Ikea will in die Innenstädte: Mini-Einrichtungshäuser sollen mehr als Möbel bieten

Ikea in Innenstädten: Die Idee ist nicht wirklich neu, immerhin läuft der Test bereits in Berlin. Ikea will in Zukunft auf kleinere Showrooms in Innenstädten setzen, statt auf große Einrichtungshäuser an den Stadträndern.

Business Insider soll aus Unternehmerkreisen erfahren haben, dass es sich bei den Stores nicht nur um Möbelhäuser in Miniaturformat handeln soll – Ikea will einen Ort schaffen an dem Menschen Zeit verbringen wollen. Zusammenkommen, einkaufen und auch Yoga machen soll möglich sein.

Ikea-Möbelhäuser könnten zu Logistikhallen werden: Zukunft liegt in den Innenstädten

Hipster-Läden statt traditioneller Möbelhäuser – so soll die Zukunft aussehen. Entstanden sei die Idee, weil Kunden zwar gerne ihre Zeit in Ikea-Möbelhäusern verbringen würden, gerne dort Möbel begutachten und anschließend echte Ikea-Köttbullar essen würden. Aber oftmals die Möbel dann von zu Hause aus bestellen würden.

Für das Zusammenspiel aus Onlinehandel und analoger Präsenz brauche es laut Business Insider keine riesigen Einrichtungshäuser mehr. Kleine Ikea-Showrooms in der Innenstadt* würden den gleichen Zweck erfüllen, darüber berichtet auch Merkur.de. Betriebsräte und Gewerkschaften erwarten daher, dass jetzige Verkaufsflächen künftig zu großen Teilen in Logistikhallen umfunktioniert werden.

Bereits das dritte Planungsstudio von Ikea hat in Berlin eröffnet – inmitten eines Shopping-Centers im Stadtteil Tegel.

Ikea setzt auf „Hitta“-Terminals: Sind Angestellte beim Möbelhaus bald überflüssig?

„Hitta“-Terminals bei Ikea: Zahlreiche Mitarbeitende haben gegenüber Business Insider bestätigt, dass Ikea sogenannte „Hitta“-Terminals einführen will. „Hitta“ ist schwedisch und bedeutet „finden“.

Über die digitalen Terminals sollen Kunden die gewünschten Waren selber finden und überprüfen können, ob das Möbelstück überhaupt in die Wohnung passt. Damit wären Kunden und Kundinnen nicht mehr auf Ikea-Angestellte angewiesen (alle News zu Ikea bei RUHR24).

Ikea nimmt sich Amazon zum Vorbild und testet neue Kassenlösung

Kassenlose Ikea-Stores wie Amazon: Digitale Lösungen stehen derzeit im Zentrum aller Entwicklungen bei Ikea. Daher wundert es kaum, dass der Möbelriese sich beim Online-Platzhirsch Amazon manches abguckt.

Aktuell würden laut Business Insider Technologien getestet werden, die bei Amazon bereits im Einsatz sind. Amazon Go soll das Vorbild sein. Das Supermarkt-Konzept funktioniert nach dem Prinzip „just walk out“ – also einfach herausgehen. Gemeint ist, dass Kunden und Kundinnen ihre Ware im Markt aussuchen und danach ohne Kassiervorgang einfach herausgehen können.

Ikea-Mitarbeiterin bestätigt: Kassenlose Geschäfte werden bereits getestet

Die eingekauften Artikel werden mittels mehrerer Sensoren erfasst und nach dem Verlassen automatisch in Rechnung gestellt. Auch deutsche Händler probieren sich auf dem Gebiet bereits aus: Edeka eröffnete in diesem Jahr einen automatisierten Markt, in dem Roboter die Einkäufe zusammenstellen.

Eine langjährige Ikea-Mitarbeiterin bestätigte gegenüber Business Insider: „Wir wissen, dass es viele Tests gibt mit kassenlosen Geschäften — in denen man wie bei Amazon Go mit seinem Handy zahlt.“

Kunden und Kundinnen können sich über Ikea-Entwicklungen freuen – Angestellte müssen bangen

Was für Kunden und Kundinnen nach spannenden Entwicklungen klingt, lässt Ikea-Mitarbeitende allerdings um ihre Jobs fürchten. Eine von Verdi durchgeführte Umfrage zeigt: Fast die Hälfte der Befragten (47 Prozent) macht sich große bzw. sehr große Sorgen, dass die Einführung digitaler Techniken und Systeme ihren Arbeitsplatz verändern wird. An der Studie nahmen im Oktober vergangenen Jahres 2600 Mitarbeitende teil.

Das Fazit der Gewerkschaft: „Die Zukunft von Ikea muss auf einer nachhaltigen Digitalisierungsstrategie aufbauen, in der das Knowhow und die Expertise der Beschäftigten Gewicht haben.“

Ikea-Angestellte fürchten um ihre Jobs: Auch in der Logistik wird es eng

Die Angst der Angestellten scheint angesichts der Pläne nicht unrealistisch. Einrichtungshäuser ohne Kassen und mit digitalen Beratungs-Terminals brauchen weniger Mitarbeitende. Woran es den Einrichtungshäusern in Zukunft wohl fehlen wird: Angestellte in der Logistik.

Bereits jetzt sollen Beschäftigte aus dem Verkauf und dem Kassenbereich in deutschen Ikea-Möbelhäusern, von der Geschäftsführung das Angebot bekommen haben, in die Logistik zu wechseln. Doch auch in diesem Bereich droht die Digitalisierung Jobs zu fressen. Roboter und selbstfahrende Fahrzeuge werden bereits an verschiedenen Standorten getestet. *merkur.de ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Axel Heimken/dpa

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