Harte Maßnahme

Ikea, Lidl oder Rewe: Was sich für Kunden durch die 15-Kilometer-Regel beim Einkaufen ändert

Seit Montag (11. Januar) gelten in Deutschland neue verschärfte Corona-Maßnahmen. Unter anderem wurde die 15-Kilometer-Regel für Hotspots eingerichtet.

NRW/Deutschland - Um die Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen und die Inzidenzzahlen der einzelnen Städte und Landkreise nachhaltig zu senken, entschied sich die Bundesregierung am 5. Januar für eine Verlängerung des Lockdowns. Dabei wurden nicht nur verschärfte Kontaktregeln beschlossen, sondern auch die allseits umstrittene 15-Kilometer-Regel für Corona-Hotspots mit einer Inzidenz über 200.

Corona-Maßnahme15-Kilometer-Regel
BedeutungMan darf einen bestimmten Bewegungsradius nicht verlassen
Seit wann11. Januar 2021
WoStädte und Kreise entscheiden selbst

15-Kilometer-Regel in Corona-Hotspot: Harte Kritik für neue Maßnahme der Regierung

Bereits kurz nach Bekanntwerden der 15-Kilometer-Regel hagelte es Kritik für die Maßnahme. Besonders angezweifelt wurde dabei die Wirksamkeit eines solch limitierten Bewegungsradius. „Das Coronavirus wird erst ab 15 Kilometern Distanz gefährlich“, hieß es beispielsweise scherzhaft in sozialen Netzwerken wie Facebook und Instagram (alle aktuellen News zum Coronavirus in NRW bei RUHR24.de).

Auch FDP-Chef Christian Lindner stellte den Sinn der 15-Kilometer-Regel infrage. Auf Twitter schrieb er, dass „ein fester Bewegungsradius in Berlin-Mitte ganz andere Konsequenzen als zum Beispiel im ländlichen Raum“ hätte. Während in Ballungsräumen fast alles möglich bliebe, ginge im ländlichen Raum nichts mehr. „Was soll das bringen?“, fragte er die Öffentlichkeit auf der sozialen Plattform.

15-Kilometer-Regel: Bundesländer in Deutschland können sie anwenden oder nicht

Fakt ist, dass einzelne Bundesländer selbst festlegen können, ob sie die 15-Kilometer-Regel anwenden wollen oder nicht. Eine Pflicht ist in dem Beschlusspapier der Bundesregierung nicht aufgeführt. Konkret heißt es darin nur, dass Bundesländer in Kreisen und Städten mit mehr als 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen „weitere lokale Maßnahmen“ ergreifen können. Zum Beispiel die Einschränkung des Bewegungsradius seiner Einwohner auf 15 Kilometer, den man nur aus „triftigen Gründen“ verlassen darf. Doch was genau bedeutet das?

Bewegungsradius: Das dürfen Einwohner von Hotspots jetzt noch machen

Grundsätzlich gilt, dass man in seinem Bewegungsradius machen kann, was man möchte. Zum Beispiel Treffen mit einem weiteren Haushalt, Erledigungen, Sport an der freien Luft oder Einkaufen. Zu letzterem gehört beispielsweise auch das insbesondere im Corona-Lockdown bekannt gewordene „Click & Collect“, bei dem man Sachen online bestellen und anschließend in der Filiale abholen kann. Einzelhändler wie Ikea, Thalia oder Media Markt bieten diesen Service neuerdings an.

Doch Vorsicht - Click & Collect ist nur solange erlaubt, wenn man dafür seinen 15-Kilometer-Radius nicht verlassen muss. Denn Bestellungen von Gütern, die nicht zum alltäglichen Bedarf oder der gesundheitlichen Versorgung dienen, sind kein triftiger Grund, den Bewegungsradius verlassen zu dürfen. Wer also zum Click-and-Collect-Shoppen weiter raus fahren möchte, um beispielsweise ein sonst überall ausverkauftes Produkt zu kaufen, riskiert ein hohes Bußgeld.

15-Kilometer-Regel: Triftige Gründe erlauben das Verlassen des Bewegungsradius

Das gilt auch für das Einkaufen bei Lebensmittelhändlern und Drogerien wie Rewe, Aldi, dm oder Rossmann. In der Regel sollten diese Läden den Einwohnern in Hotspots ausreichend zur Verfügung stehen. Wer dennoch seinen Bewegungsradius zum Einkaufen in diesen Läden verlässt, handelt ordnungswidrig.

Anders verhält es sich zum Beispiel bei Arztbesuchen, der Arbeit oder der medizinischen Versorgung von Familienmitgliedern. In solchen Fällen handelt es sich um triftige Gründe, bei denen man den 15-Kilometer-Radius verlassen darf (alle Updates zur Corona-Lage in NRW im Live-Ticker bei RUHR24.de).

15-Kilometer-Regel: Corona-Maßnahme für Hotspots gilt auch bei Einreise

Im Kreis Recklinghausen (NRW), wo seit Montagabend (11. Januar) wegen einer besonders hohen Corona-Inzidenz die 15-Kilometer-Regel gilt, wäre ein Verlassen des Bewegungsradius zum Einkaufen oder zum Click-and-Collect-Shoppen nicht mehr möglich. Das gilt zum Beispiel für Abholungen in den Städten Essen, Oberhausen oder Düsseldorf.

Einwohner aus Recklinghausen ist es aktuell verboten in Städten wie Essen (im Bild) Click & Collect zu machen.

Übrigens: Die 15-Kilometer-Regel betrifft nicht nur Personen, die aus dem betroffenen Hotspot ausreisen wollen, sondern auch einreisen wollen. In der Corona-Regionalverordnung des Landes NRW heißt es beispielsweise: „Personen, deren Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthaltsort nicht in einem Corona-Hotspot liegt, dürfen einen Hotspot nur aufsuchen, wenn dabei ein Umkreis von 15 Kilometern Luftlinie ab der Grenze des eigenen Heimatortes (politische Gemeinde) nicht überschritten wird“.

Click & Collect in Corona-Zeiten: Nicht alle Einzelhändler in Deutschland machen mit

Konkret bedeutet diese Regelung, dass Bestellungen und Abholungen per Click & Collect in einem Corona-Hotspot nur erlaubt sind, wenn dieser maximal 15 Kilometer von zu Hause entfernt liegt. Das macht das Shoppen selbst für Personen, die in keinem Hotspot leben, schwieriger.

Aktuell sieht es ohnehin so aus, dass nicht alle Händler während des Lockdowns Click &Collect anbieten können. So verzichtet zum Beispiel der Schuh-Einzelhändler Deichmann gänzlich auf diesen Service. Auch der Fashion-Riese H&M bietet bis dato kein Click & Collect an.

15-Kilometer-Regel: Vier Kreise in NRW haben jetzt einen eingeschränkten Bewegungsradius

Wer sich bezüglich der 15-Kilometer-Regel noch unsicher ist oder nicht weiß, welche Maßnahmen in seinem Bundesland gerade gelten, sollte vorab die entsprechenden Verordnungen überprüfen. In Nordrhein-Westfalen ist die Maßnahme in der offiziellen Corona-Schutzverordnung beispielsweise nicht gelistet. Allerdings können Städte und Landkreise bei einem Inzidenzwert über 200 selbst festlegen, wie sie weiter vorgehen wollen.

In NRW gilt sie derzeit (Stand 13. Januar) in den folgenden vier Kreisen:

  • Kreis Recklinghausen
  • Kreis Höxter
  • Kreis Minden-Lübbecke
  • Oberbergischer Kreis

Je nachdem, wie sich das Infektionsgeschehen in diesen Kreisen entwickelt, könnte die 15-Kilometer-Regel entweder lange bestehen bleiben oder schon bald wieder abgeschafft werden. Ausschlaggebend ist der Inzidenzwert. Bleibt er weiterhin hoch, bleibt auch der eingeschränkte Bewegungsradius.

Rubriklistenbild: © Federico Gambarini/dpa Fabian Strauch/dpa Collage: RUHR24

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