Wichtige Hinweise

Igel füttern: Diese gut gemeinten Fehler können den Tieren schaden

Im Herbst bereiten Igel sich auf den Winterschlaf vor und müssen sich Speck anfressen. Brauchen die Tiere Hilfe? Und welches Futter ist geeignet?

Dortmund – Obwohl sie auch im Frühjahr und Sommer unterwegs sind, fallen sie vielen im Herbst häufig auf: Igel. Besonders im Oktober sind sie auf Futtersuche, um sich einen Winterspeck anzufressen. Doch wie hilft man ihnen am besten?

NameBraunbrust-Igel
FamilieIgel (Erinaceidae)
Gewicht780 Gramm (Erwachsener)

Igel im Herbst helfen und füttern: Viele brauchen Unterstützung

In Deutschland ist vor allem der Braunbrust-Igel verbreitet. Genau wie Maulwürfe oder Spitzmäuse zählt er zu den Insektenfressern. Das bedeutet: Der Igel braucht vor allem hochwertige Proteine, um gesund zu bleiben und an Gewicht zuzulegen. Sie sind dämmerungs- und nachtaktiv und haben ein breites Nahrungsspektrum.

Auf dem Speiseplan von Igeln stehen etwa: Laufkäfer, Larven, Nachtschmetterlinge und sonstige Insekten. Auch Regenwürmer, Schnecken und Spinnen können von Igeln gefressen werden. Fallobst oder Ernte aus dem Gemüsebeet rühren sie in der Regel nicht an. Und auch keine Gemüsesorten, die während ihrer Hochphase im Oktober Saison haben.

Igel im Garten füttern: Diese Tiere brauchen unbedingt Hilfe

Braucht jeder Igel, der gefunden wird, Hilfe? Grundsätzlich empfehlen Organisationen wie Pro Igel oder der Naturschutzbund (Nabu) den Gesundheitszustand des Tieres zu ermitteln.

Dazu gehört das Wiegen, das Untersuchen auf sichtbare Parasiten, die Begutachtung des Igel-Kotes und der allgemeinen Körperform. Auch auf äußerliche Verletzungen sollte der Igel überprüft werden, denn neuartige Geräte wie Mähroboter können sie übel zurichten.

Auf jeden Fall hilfsbedürftig sind Igel, die folgende Merkmale oder Verhaltensweisen zeigen:

  • Einsame Igelsäuglinge
  • Verletzte Igel
  • Unterernährte Igel - Merkmale: wurstförmig, eingefallene Flanken, deutliche Einbuchtung hinter dem Kopf
  • Igel, die tagsüber herumlaufen (diese sind wahrscheinlich krank) - Ausnahme: Igel, die tagsüber aufgescheucht wurden und sich deshalb einen neuen Schlafplatz suchen
  • Jungigel, die Anfang November noch weniger als 500 Gramm wiegen
  • Igel, die nach Wintereinbruch noch aktiv sind, also bei Dauerfrost oder gar Schnee

Wer einen Igel mit diesen Merkmalen findet, sollte ihn sichern, beispielsweise in einen Karton, der mit Zeitungspapier ausgelegt wurde. Wer nicht igelkundig ist, sucht am besten Kontakt zu Igelschutz-Vereinen in der Nähe. Eine erste Anlaufstelle können Hilfegruppen speziell für Igel und Wildtiere auf Facebook sein. Bei gesunden Tieren sollte laut Nabu aber immer das Ziel sein, sie im Freiem, also naturnah, überwintern zu lassen.

Igel im Garten: Das sollte man füttern - und das besser nicht

Doch auch Igel, die einen gesunden Eindruck machen, sollte man unterstützen. Laut Nabu finden sie nicht nur im Herbst, sondern generell weniger Insekten. Grund dafür ist das Insektensterben, dem man mit bestimmten Blumen und naturfreundlichen Gärten entgegensteuern kann.

Da der Speiseplan von einem Igel auch in der Natur abwechslungsreich ist, sollte man beim Füttern idealerweise immer mehrere Komponenten kombinieren. Für einen Igel geeignet sind:

  • Hochwertiges Katzenfutter (Fleischanteil sollte bei mindestens 60 Prozent liegen)
  • Gezüchtete Futterinsekten wie Mehlwürmer oder Grillen (frisch oder getrocknet)
  • Ungewürztes, gerne noch „schlotziges“ Rührei (nicht heiß servieren)
  • Hartgekochte Eier
  • Hackfleisch (kurz angebraten, aber unbedingt gegart)

Igel ausschließlich mit Katzenfutter zu versorgen, sollte vermieden werden. Auch fertige Igelnassfutter aus dem Handel sind laut Pro Igel nicht geeignet. Außerdem sollten Haferflocken oder Weizenkleie sollte untergemischt werden. Igel brauchen dazu frisches Trinkwasser in Vogeltränken oder flachen Schalen.

Mehlwürmer und Haferflocken runden das Futter für Igel ab.

Igel im Herbst füttern: Das eignet sich nicht für die Tiere

Neben Igelnassfutter sollte auch fertiges Igeltrockenfutter aus dem Handel vermieden werden. Dieses enthält oft zu viel Getreide - und der Igel braucht vor allem Protein. Hundefutter ist ebenfalls nicht ideal, es enthält viel weniger Protein als Katzenfutter. Nassfutter mit Soßen oder Gelee ist auch nicht geeignet für Igel. Speisereste sind ohnehin tabu für Wildtiere.

Wer den Igel häufiger im Garten antrifft, sollte am besten sein Gewicht kontrollieren. Genaue Empfehlungen über das Mindestgewicht für den Winterschlaf variieren. Mindestens 500 Gramm sollte ein Igel aber Anfang November auf die Waage bringen, besser wären 600 bis 700 Gramm.

Außer füttern: So kann man einem Igel noch helfen

Aber nicht nur Futter macht einen Igel glücklich, sondern auch ein geeigneter Schlafplatz. Den findet er vor allem in naturnahen Gärten. Die gute Nachricht: Einem Igel ist am meisten geholfen, wenn der Garten über den Herbst und Winter nicht komplett aufgeräumt wird.

  • Wer Laub und Reisig zusammenfegt, sollte für Igel ein paar Haufen liegen lassen
  • Igelhäuschen mit Labyrinth-Eingang sind ein gutes Winterquartier für Igel
  • In Gärten ohne kleinmaschige Zäune können Igel sich besser bewegen
  • Auf Laubbläser sollte verzichtet werden, Mähroboter sollten nachts ausgeschaltet sein
  • Vorsicht beim Rasenmähen und Rodungsarbeiten
  • Kellerschächte oder Gruben sollten abgedeckt werden
  • Teiche oder Wasserbecken sollten mit Rettungsplanken ausgestattet werden, damit Igel sich im Notfall selbst retten können
  • Chemieeinsatz im Garten vermeiden, auch vermeintlich natürlicher Essig sollte vermieden werden

Rubriklistenbild: © Armin Weigel

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