Resistente Keime

Hühnerfleisch bei Lidl und Aldi: „Alarmierende Ergebnisse“ zu resistenten Keimen

Erschütternde Ergebnisse beim Test von Hühnerfleisch: Eine Studie liefert schockierende Daten zu resistenten Keimen auf Hühnchen vom Discounter.

Dortmund – Gerade ist der Aufruhr um die fragwürdige Praxis des Kükentötens etwas abgeklungen, kommt schon die nächste Aufregung um die Ecke. Und wieder betrifft es Discounter wie Lidl und Aldi. Und wieder geht es um Hühnerfleisch.

Gemeinnütziger Verein:Germanwatch e. V.
Unternehmensform: Non-Profit-Organisation
Hauptsitz:Bonn
Mitglieder: 779 (2018)
Gründung: 1991
Gründer: Klaus Milke, Michael Windfuhr

Hühnerfleisch vom Discounter im Test: Ergebnisse schockieren

Der gemeinnützige Verein Germanwatch, der sich unter anderem für den Erhalt von Lebensgrundlagen einsetzt, wollte es wissen: Wie gut oder schlecht ist das Hähnchenfleisch, dass wir beim Supermarkt kaufen können. Um das herauszufinden, wurden 165 Hähnchenfleischproben bei Aldi, Lidl oder dem direkten Werksverkauf der Geflügelfleischkonzerne gekauft.

Außerdem war den Testern wichtig, das Fleisch aus fünf Ländern der EU (Deutschland, Spanien, Frankreich, Polen und Holland) zu beziehen und zu vergleichen. Die Ergebnisse der Studie sind mehr als besorgniserregend – jedes zweite Fleischprodukt ist mit antibiotikaresistenten Keimen belastet.

Hähnchen-Schock: Fleisch von Aldi und Lidl mit resistenten Keimen belastet

Allerdings gelten die Ergebnisse nicht als repräsentativ. Doch das sei den Initiatoren der Studie auch nicht primär wichtig gewesen. Vielmehr wollte man wissen, wie es um die Qualität von Billig-Fleisch steht und auf das System der industriellen Tierhaltung aufmerksam machen.

In Auftrag gegeben wurde die Studie von Germanwatch und „Ärzte gegen Massentierhaltung“. Durchgeführt wurde sie in der Abteilung für Medizinische Mikrobiologie am Nationalen Referenzzentrum (NRZ) an der Ruhr-Universität Bochum.

Lidl und Aldi haben Hähnchenfleisch mit resistenten Keimen im Angebot

Doch was ist das Problem, wenn man sein Fleisch bei Aldi oder Lidl (mehr News über Lidl bei RUHR24.de) kauft und dieses mit resistenten Keimen belastet ist? Normalerweise bekommen Menschen Antibiotika verschrieben, wenn sie an einer Bakterieninfektion leiden, so merkur.de*.

Einige Bakterien sind allerdings gegen Antibiotika resistent, das heißt sie verfügen über eine Art Schutzfunktion. Manche Bakterien bauen diesen Mechanismus sogar gegen mehrere Antibiotika-Sorten auf – dann spricht man von multiresistenten Erregern. Nur durch bestimmte medikamentöse Behandlungen, können diese eingedämmt werden.

Hühnerfleisch von Lidl und Aldi mit Keimen belastet: Warum das ein Problem ist

Auch in der Tierzucht kommen Antibiotika großflächig zum Einsatz, insbesondere in der industriellen Massentierhaltung. Gerade in der Geflügelzucht bekommen auch gesunde Tiere vorbeugend Antibiotika über das Trinkwasser verabreicht, da die Behandlung einzelner Tiere aufgrund der Größe der Zucht nicht mehr möglich ist. Die häufigen Antibiotikagaben erhöhen das Risiko, dass sich resistente Keime bilden – mit Erfolg, wie die Studie von Germanwatch zeigt.

Beispielsweise war das Hähnchenfleisch der deutschen PHW-Gruppe zu 60 Prozent mit antibiotikaresistenten Keimen belastet. Ein Unternehmen, das unter anderem unter der Marke von Wiesenhof, aber auch die Lebensmitteldiscounter Aldi und Lidl vorwiegend mit Hühnchenfleisch beliefert (mehr News über Aldi bei RUHR24.de)

So könnte die Verbreitung Übertragung von Antibiotikaresistenzen von Tier zu Mensch ablaufen.

Vermehren sich solche antibiotikaresistente Krankheitserreger aus, wächst auch die Gefahr, dass der Mensch die Keime bei der Zubereitung oder beim Verzehr von Fleisch aufnimmt. Im schlimmsten Fall kann das zu schweren Infektionskrankheiten führen, bei denen Antibiotika aufgrund der Resistenz kaum oder gar nicht mehr wirken.

Hähnchenfleisch von Lidl und Aldi weist Resistenzen gegen Reserveantibiotika

Das Schockierende: Wie die Studie von Germanwatch nachweisen konnte, wies sogar jede dritte Probe sogenannte Resistenzen gegen Reserveantibiotika auf. Das sind Notfall-Antibiotika, die Menschen benötigen, wenn andere Antibiotika nicht mehr helfen. Das letzte Mittel sozusagen.

Reinhild Benning, Expertin für Tierhaltung bei Germanwatch, sagte dazu: „Die hohen Resistenzraten - besonders gegen Reserveantibiotika – haben uns überrascht und schockiert. Antibiotikaresistenzen sind ein enormes Gesundheitsrisiko für Menschen.“ Dass jedes dritte Hähnchen sogar Resistenzen gegen Notfall-Antibiotika in die Lebensmittelkette einschleppt, seien „alarmierenden Ergebnisse“, so Reinhild Benning.

Billig-Fleisch mit resistenten Keimen belastet: Das fordert Germanwatch

Der Verein fordert daher, dass vor allem diese Reserverantibiotika in der Massentierhaltung nicht mehr eingesetzt werden dürfen.. Außerdem soll ihrer Meinung nach, ein „tiergerechtes Zucht- und Haltungsverfahren gesetzlich verankert“ und „Hygienedefizite an Schlachthöfen“ strafrechtlich verfolgt werden (mehr Studien und Testberichte auf RUHR24.de)

Ähnliche Forderungen wurden zuletzt im Zuge der Corona-Krise an die fleischverarbeitende Industrie gestellt, nachdem von Schlachthöfen und Tiermastbetrieben immer wieder Masseninfektionen mit Covid-19 ausgegangen waren. Das war jedoch nicht nur auf die Bedingungen der Tierhaltungen zurückzuführen, sondern auch auf die miserablen Konditionen und Wohnverhältnisse der Arbeiter.

Denn eine hygienische Tierhaltung, aber auch eine saubere Verarbeitung hilft dabei, die Keimgefahr für Verbraucher zu verringern. Bis solche Standards in der Massentierhaltung greifen, rät Germanwatch den Verbrauchern statt Billig-Fleisch bei Aldi und Lidl, lieber „Geflügelfleisch aus ökologischer Erzeugung oder Hofschlachtung zu kaufen“. *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Britta Pedersen, Daniel Karmann/dpa, Collage: RUHR24.de