Finanzielle Hilfen im Vergleich

Geld für Eltern: Welche Möglichkeiten es bei Homeschooling und Kinderbetreuung gibt

Damit Eltern ihre Kinder im Lockdown betreuen können, zahlt der Bund zusätzliche Hilfen. Bei den finanziellen Unterstützungen gibt es zwei Varianten.

Deutschland – Die Bundesregierung will Familien während der Pandemie mit zusätzlichen finanziellen Hilfen unterstützen. Was die konkrete Umsetzung angeht, herrscht aber derzeit viel Verwirrung. Grundsätzlich haben gesetzlich versicherte Eltern bei finanzieller Unterstützung zwei verschiedene Möglichkeiten.

Bundesministerium für GesundheitBehörde
Gründung1961
LeitungJens Spahn (40, CDU)

Finanzielle Hilfen für Eltern im Lockdown: Kinderkrankengeld und Corona-Sonderurlaub

Familien sind ganz besonders von der Corona-Pandemie betroffen. Für viele ist der Alltag gerade extrem hart, denn zahlreiche Eltern befinden sich seit Montag wieder im Spagat zwischen Homeoffice und Homeschooling. Gleichzeitig werden die Politiker nicht müde zu erwähnen, dass man eben dieses eigentlich nicht tun sollte. Um genügend Zeit für Kinder zu haben, gibt es daher finanzielle Unterstützung vom Staat (alle Infos zur Corona-Pandemie in NRW auf RUHR24.de).

Was die konkrete Umsetzung angeht, sind allerdings viele Eltern verunsichert. Obwohl der Lockdown bereits in die Verlängerung gegangen ist, herrscht immer noch vielfach Unklarheit darüber, wie die Hilfen ganz genau gestaltet sind.

Grundsätzlich gilt: Für gesetzlich versicherte Eltern gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung. Sie können entweder das erweiterte Kinderkrankengeld bei der Krankenkasse beantragen oder aber Corona-Sonderurlaub nehmen und dann die Lohnentschädigungen nach Paragraph 56 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) beanspruchen. Privatversicherte haben überhaupt keinen Anspruch auf Kinderkrankengeld und müssen auf Letzteres zurückgreifen.

Corona-Sonderurlaub und Kinderkrankengeld – was Eltern wissen müssen

Das Kinderkrankengeld soll gewährt werden, wenn die Präsenzpflicht an der Schule eingeschränkt ist und keine andere Person im Haushalt aufpassen kann. Corona-Sonderurlaub kann dann genommen werden, wenn es überhaupt keine „zumutbare Betreuung“ (IfSG § 56 Entschädigung) für die Kinder gibt (also auch nicht unter den Großeltern oder Notbetreuungen).

Wichtig zu wissen ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Leistungen nicht gleichzeitig gezahlt werden. Beansprucht ein Elternteil Kinderkrankengeld, ruht in dieser Zeit der Anspruch auf Lohnersatzleistungen für beide Elternteile. Daher lohnt sich ein Vergleich der beiden Varianten.

Möglichkeit 1: Erweitertes Kinderkrankengeld bei der Krankenkasse beantragen

Am 12. Januar hat das Gesundheitsministerium den Entwurf für das erweiterte Kinderkrankengeld im Lockdown vorgelegt. Im Vergleich zur vorherigen Regelung zum Kinderkrankengeld gibt es dabei folgende wesentlichen Änderungen:

  • Das Krankengeld wird nicht nur im Krankheitsfall gezahlt, sondern auch bei Schul- oder KiTaschließungen. Der Anspruch gilt dabei auch, wenn die Einrichtungen nicht komplett dicht sind, sondern nur teilweise geöffnet.
  • Eltern erhalten mehr Kinderkrankentage. Sie haben 2021 Anspruch auf jeweils zehn zusätzliche Tage, also insgesamt 20 Kinderkrankentage pro Elternteil (40 Tage pro Paar). Alleinerziehende erhalten 20 zusätzliche Tage – und kommen damit ebenfalls auf die 40 Tage.
  • Wichtig dabei: Der komplette Anspruch darf auch nur für die Kinderbetreuung wegen Schul- und KiTaschließungen im Lockdown verwendet werden.

Kinderkrankengeld beantragen – Voraussetzungen und was Eltern dafür benötigen

Das Kinderkrankengeld gilt rückwirkend ab dem 5. Januar 2021 und ist eine Leistung der Krankenkassen. Wenn Kinder krank sind, müssen Eltern weiterhin eine Bescheinigung vom Arzt vorlegen. Sind die Kinder wegen Schul- oder Kitaschließung zu Hause, benötigen sie eine Bescheinigung der jeweiligen Einrichtung.

Privatversicherte haben keinen Anspruch auf das Kinderkrankengeld. Aber auch für gesetzlich Versicherte gelten einige Voraussetzungen:

  • Grundvoraussetzung ist, dass es keine andere Person im Haushalt gibt, die das Kind betreuen kann.
  • Die Regelung gilt zudem nur für Kinder bis 12 Jahren. Eltern hilfsbedürftiger oder behinderter Kinder haben aber auch dann Anspruch, wenn die Kinder bereits älter sind.

Möglichkeit 2: Lohnentschädigungen nach Paragraph 56 des Infektionsschutzgesetzes

Als weitere Möglichkeit können Eltern Corona-Sonderurlaub nehmen und haben dann einen Anspruch auf Lohnentschädigungszahlungen:

  • Diese Regelung gilt für Eltern von Kindern bis einschließlich zwölf Jahre und von Kindern mit Behinderung, die auf Hilfe angewiesen sind (ebenso wie beim Kinderkrankengeld).
  • Nach der erweiterten Entschädigungsregel bekommen Eltern auch dann eine Verdienstausfallentschädigung, wenn die Schule nur die Präsenzpflicht aussetzt oder wenn Kitakinder nur an bestimmten Tagen zu Hause bleiben müssen. Eltern müssen dabei nachweisen, dass es keine anderweitige Betreuungsmöglichkeit gibt, die „zumutbar“ ist.
  • Die Entschädigungszahlung bei Sonderurlaub wegen Corona wird dabei bislang für höchstens zehn Wochen gewährt. Alleinerziehende, die ihr Kind beaufsichtigen, betreuen oder pflegen müssen, erhalten das Geld für bis zu 20 Wochen. Der Maximalzeitraum muss dabei nicht am Stück genommen werden.

Antrag und Auszahlung der Lohnersatzleistung – Arbeitgeber in der Pflicht

Die Entschädigung wird „in Höhe von 67 Prozent des der erwerbstätigen Person entstandenen Verdienstausfalls“ gewährt (IfSG § 56). Der monatliche Höchstbetrag liegt dabei bei 2.016 Euro.

Die Entschädigungzahlung muss von den Eltern nicht selbst beantragt werden. Vielmehr zahlt sie der Arbeitgeber als Lohnfortzahlung. Er bekommt das Geld von der zuständigen Landesbehörde erstattet, wenn er den entsprechenden Antrag einreicht. Weitere Infos zu diesen Entschädigungszahlungen finden Eltern auch beim Bundesgesundheitsministerium.

Hilfen für Eltern – bislang kein voller Lohnausgleich

Einen vollen Lohnausgleich, wie es zuvor von einigen Politikern angesprochen wurde, wird es wohl gar nicht geben. In der aktuellen Pressemitteilung zum Kinderkrankengeld werden keine Angaben zur Höhe des Geldes gemacht. Wie auch tagesschau.de berichtet, gelten daher wohl die für Krankengeld üblichen Regelungen.

Das Brutto-Kinderkrankengeld beträgt dabei grundsätzlich 90 Prozent des ausgefallenen Nettoverdienstes. Wenn man in den vergangene zwölf Monaten von seinem Arbeitgeber Urlaubs- oder Weihnachtsgeld bekommen hat, beträgt das Brutto-Kinderkrankengeld sogar 100 Prozent. Zu beachten ist allerdings, dass das Krankengeld zwar vom Nettoverdienst berechnet wird, es sich aber nach bisher geltender Regel eben um ein Brutto-Krankengeld handelt. Es gibt also noch Abzüge für Arbeitslosen-, Pflege- und Rentenversicherung.

Geld für Eltern im Lockdown – Höhe der finanziellen Hilfen im Vergleich

Die Beträge werden vor Auszahlung von der Krankenkasse abgezogen. Sie übernimmt dabei jeweils die Hälfte der drei genannten Versicherungen sowie die Krankenkassenbeiträge. Außerdem ist das Kinderkrankengeld gedeckelt auf 70 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung – das sind im Jahr 2021 täglich höchstens 112,18 Euro.

Das Krankengeld liegt damit insgesamt zwischen 70 Prozent des regelmäßigen Brutto- und 90 Prozent des individuellen Nettoverdienstes. In der Regel landet man beim Krankengeld laut AOK schließlich bei 70 Prozent des Bruttoverdienstes. Die Entschädigung für Eltern nach dem Infektionsschutzgesetz beträgt 67 Prozent des Nettoeinkommens. Dementsprechend dürfte das Kinderkrankengeld für die meisten Eltern attraktiver sein.

Rubriklistenbild: © Ulrich Perrey/dpa

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