Stellungnahme lässt Fragen offen

H&M: Heftige Vorwürfe wegen Entlassungen junger Mütter – jetzt reagiert der Konzern

H&M
+
H&M will mehrere hunderte Stellen abbauen und tritt in ein Fettnäpfchen.

Der Modekonzern H&M will weiter ausbauen und digitalisieren. Doch besonders Frauen sollen unter dem Vorhaben leiden.

Update, Mittwoch (27. Januar), 14:30 Uhr: Nach den massiven Vorwürfen am Dienstag (26. Januar) hat sich H&M mittlerweile selbst zu dem Fall geäußert. Gegenüber RUHR24 dementierte die schwedische Modekette die Vorwürfe. In der Stellungnahme, die RUHR24 vorliegt, gibt das Unternehmen an, man habe mit dem Freiwilligenprogramm „ein milderes Mittel gewählt, um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden.“ Und weiter: „Das Freiwilligenprogramm bei H&M Deutschland richtet sich nicht vorranging an Mütter und Väter.“

UnternehmenH&M
Gründung4. Oktober 1947, Västerås, Schweden
CEOHelena Helmersson (30. Jan. 2020–)
Umsatz25,19 Milliarden USD (2016)
HauptsitzStockholm, Schweden

Vielmehr richte sich das Programm an Kollegen und Kolleginnen aus unterschiedlichen Beschäftigungsverhältnissen, die sich bewusst für das Programm entscheiden könnten. Man gehe dabei „ganz klar nach geltenden rechtlichen Bestimmungen vor.“ Wären nicht genügend Mitarbeiter im Freiwilligenprogramm, würde bei betriebsbedingten Kündigungen nach geltenden Sozialkriterien gehandelt. Dabei sind Mütter vor der Kündigung geschützt.

Mitarbeiterinnen in Elternzeit seien so selbstverständlich von betriebsbedingten Kündigungen ausgenommen (wie es geltendes Recht ist). Sie hätten aber die Möglichkeit sich für das Freiwilligenprogramm zu entscheiden, wenn sie sich beruflich verändern möchten.

Mütter bei H&M: Stellungnahme hinterlässt unguten Beigeschmack – und lässt einige Fragen offen

Fragen zur Stellung von Müttern bei Hennes & Mauritz bleiben trotz Stellungnahme offen. So gibt es beispielsweise einen Zeit-Bericht vom 31. Oktober 2017, in dem ein ehemaliger Betriebsrat über schlechte Arbeitsbedingungen klagt – besonders für Mütter. Der anonyme Ex-Mitarbeiter gibt gegenüber der Zeit an: „Man merkt, dass die Filialleitung die Mütter loswerden will. Sie sind nicht so flexibel wie die Studenten und außerdem teurer“.

Mütter erhielten demnach keine Stundenerhöhungen und es würde versucht, sie mit Aufhebungsverträgen und Abfindungen „loszuwerden“. Fraglich also, ob im vorliegenden Fall das Freiwilligenprogramm nicht als weiterer – grundsätzlich einvernehmlicher Weg – gewählt wird, um hohe Personalkosten durch Mütter zu vermeiden.

Wie t-online berichtet, hat sich auch Cosimo-Damiano Quinto aus der Verdi-Bundesfachgruppe Einzelhandel bereits kritisch zu der Stellungnahme geäußert. Er habe betont: „Dieses Freiwilligenprogramm ist nichts anderes, als der Versuch, die in einem Sozialplan vorgesehene Sozialauswahl zu umgehen“. 

 Diskriminierungsvorwurf bei H&M: Entlassung hunderter Mitarbeiter – junge Mütter betroffen

Erstmeldung, Dienstag (26. Januar), 14:33 Uhr: Hamburg – H&M setzt aktuell auf seinen Online-Shop und möchte ihn vermehrt stärken. Aber auch in den Filialen des Moderiesen soll es demnächst digitaler werden. Deswegen sollen jetzt nicht benötigte Stellen abgebaut werden. Doch laut Business Insider sollen vor allem junge Mitarbeiterinnen mit Kindern darunter leiden.

Jahrelang setzte H&M nur auf den Verkauf in den Stores und betrachtete den eigenen Online-Shop als einen netten, aber unwichtigen zweiten Vertriebsweg. 2018 änderte sich die Meinung des schwedischen Modekonzerns: Der Umsatz brach ein und die H&M-Leitung stellte fest, dass Kunden immer mehr im Internet shoppen. Andere Online-Shops machten daher mächtig Konkurrenz. Seitdem wird immer mehr in den digitalen Vertriebsweg investiert.

Der Nachteil an mehr Online-Shopping: Es werden Arbeitsplätze abgebaut, die in den Geschäften nicht mehr gebraucht werden. Die Coronavirus-Pandemie trägt da aktuell ihren eigenen Beitrag noch hinzu. Denn die Filialen sind im Lockdown nun schon seit Mitte Dezember 2020 geschlossen.

Schock bei H&M: Schwere Vorwürfe in Deutschland – Entlassung hunderter Mitarbeiter 

Genauer gesagt stehen derzeit mindestens 800 Stellen bei H&M in Deutschland auf der Kippe, wie der Business Insider berichtet. Die würden demnächst zu den bereits 3.000 abgeschafften Stellen hinzukommen. Angestellte bei H&M sorgen sich daher nicht umsonst um ihre Arbeitsplätze.

Besonders betroffen soll Personal in Filialen sein, wo der Umsatz zu gering ist. Mitarbeiter, die nicht abends oder an Samstagen arbeiten können, also da wo am meisten eingekauft wird, sollen entlassen werden. Schon im September vergangenen Jahres wurde H&M Diskriminierung vorgeworfen.

H&M baut Stellen ab: Mitarbeiter wütend – „Digitalisierung verpasst“

Das Online-Wirtschaftsmagazin Business Insider hat mit H&M-Mitarbeitern gesprochen. Dabei sagte eine Angestellte: „Die Mitarbeiter bei H&M haben Angst um ihren Job und um ihre Gesundheit. Keiner von uns weiß, was auf uns zukommt.“ Zudem seien die Angestellten wütend – der Modekonzern hätte es einfach verpasst alles auf den aktuellen Stand zu bringen. Die Digitalisierung im Unternehmen hätte viel früher kommen müssen.

Sie erzählte, dass die Geschäftsleitung ein Freiwilligenprogramm mit Abfindung beim Betriebsrat ins Spiel gebracht hat. „Ein Freiwilligenprogramm ist kein Thema für den Gesamtbetriebsrat. Die Geschäftsführung um Thorsten Mindermann wollte sich mit diesem Schachzug im Grunde einen Freibrief für die neue Entlassungswelle holen“, sagte die H&M-Mitarbeiterin.

H&M will weiter ausbauen und digitalisieren: Besonders Mütter sollen unter dem Vorhaben leiden.

Laut Business Insider soll in dem Entwurf des Freiwilligenprogramms eine bestimmte Gruppe erwähnt worden sein. Sie sollen sich am besten für die Entlassung mit Abfindung eignen: Mitarbeiter und vorrangig Mitarbeiterinnen in Elternzeit. Und das, obwohl H&M mit Werbekampagnen gegen Diskriminierung wirbt.

In der Elternzeit sind diese Mitarbeiter zwar vor einer Kündigung geschützt, doch sobald sie wieder arbeiten, können sie wie jeder andere Angestellte gekündigt werden.

Video: Modekette reagiert auf Coronakrise: H&M schließt 250 Filialen

Verdi äußert sich auch zu der Aktion von H&M: „H&M-Deutschlandchef Thorsten Mindermann verhält sich wie ein Unternehmenspatriarch, der Entscheidungen über die Köpfe von Frauen hinweg trifft. Gleichstellung im Betrieb bedeutet gleichberechtigte Beteiligung von Frauen am Umstrukturierungsprozess von H&M“, sagt Cosimo-Damiano Quinto aus der Verdi-Bundesfachgruppe Einzelhandel gegenüber dem Business Insider. Mütter sollten unterstützt und nicht einfach rausgeschmissen werden. H&M würde damit eine Schwäche ausnutzen.

Auf die Presseanfrage der Redaktion hat H&M bisher noch nicht reagiert. Gegenüber dem Business Insider bestätigt der Modekonzern allerdings, die 800 Stellen in Deutschland abbauen zu wollen. „Der Einzelhandel befinde sich wegen des veränderten Kundenverhaltens, aber auch wegen der Herausforderungen durch die Corona-Pandemie in einem tiefgreifenden Wandel“, sagt eine Sprecherin des Unternehmens zu dem Online-Wirtschaftsmagazin.